Karl Kraus: An den Bürger

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Totenmaske Karl Kraus von Hans Freiberger, Buenos Aires nach einer Fotografie

 

KARL KRAUS

An den Bürger

Daß im Dunkel die dort leben,
so du selbst nur Sonne hast;
dass für Dich sie Lasten heben,
neben ihrer eignen Last;
dass du frei durch ihre Ketten
Tag erlangst durch ihre Nacht:
was wird von der Schuld dich retten,
dass du daran nie gedacht!

Ausgewählte Gedichte, S. 116
Zürich/New York : Oprecht, 1939

 

ERSTE NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
Rechts oben auf meinem Blog finden sich unter der Überschrift Wochengedicht  Gedichte, die ich in unterschiedlichen Zeitintervallen austausche. Dazu gibt es auch eine Seite des selben Namens, auf der ich alle Wochengedichte in chronologischer Reihenfolge zum Nachlesen archiviere. Was es mit den Wochengedichten auf sich hat und warum die Wochengedichte Wochengedichte heissen und trotzdem nur unregelmässig wechseln und schon gar nicht im wöchentlichen Rhythmus das könnt Ihr alles auf der Seite Wochengedichte nachlesen. Sie ist auch oben bei den Tabs noch einmal verlinkt.
Ende der Abschweifung

Warum heute ein eigener Beitrag für das neue Wochengedicht?
Weil ich sehr gerne darauf hinweisen möchte, daß Karl Kraus, den die  meisten wohl als Publizisten, Satiriker, Begründer, Herausgeber und einzigen Autor der in knallroten Heften zwischen 1899 und 1936 publizierten Politik-, Kultur- und Satire-Zeitschrift  Die Fackel oder vielleicht noch als Autor des dramatischen Mammutwerkes Die letzten Tage der Menschheit kennen, war auch ein wunderbarer Lyriker. Er konnte zärtlich, poetisch, traurig und sehr klar sein. So, wie in dem Gedicht An den Bürger, das ich oben noch einmal zitiert habe.

ZWEITE NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
Die letzten Tage der Menschheit wurden übrigens von drei Autoren (David Boller, Reinhard Pietsch, Jörg Zeller) als Graphic Novel sehr interessant umgesetzt – und was das schönste ist, man kann das Werk in Gänze online betrachten, und zwar HIER
Ende der Abschweifung

Warum gerade dieses Gedicht?
Weil mir, als ich es gestern wieder einmal las, die Aktualität der Aussage derart ins Hirn traf, daß ich es einfach hier weitergeben wollte. Vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, angesichts all der Flüchtlinge auf der Welt, die niemand aufnehmen möchte.

Und gibt es noch einen Grund?
Na klar: Weil ich mir damit die Gelegenheit verschaffe, ein anderes, mir wichtiges Gedicht von Kraus hier vorstellen zu können, das bei mir auf der zweiten Spur bei fast jeder Nachrichtensendung, die ich mir antue mitläuft. Es heißt

Zwei Soldatenlieder

In einem totenstillen Lied
vom Weh zum Wort die Frage zieht:
Wer weiß wo.

Wer weiß, wo dieses stille Leid
begraben liegt, es lärmt die Zeit
vorüber so.

Sie schweigt nicht vor der Ewigkeit
und stirbt und ist doch nicht bereit
zur letzten Ruh.

In einem lebenslauten Lied
vom Wahn zum Wort die Frage zieht:
Wer weiß, wozu!

Ausgewählte Gedichte, S. 84
Zürich/New York : Oprecht, 1939

 und ist auch aus den Ausgewählten Gedichten. – Das war es eigentlich schon und ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt – aber was soll ich sagen: Es war mir ein Bedürfnis.

Jesus in Amerika – Der Briefwechsel zwischen Paul Auster und John Maxwell Coetzee

Auster Coetzee Briefe

Paul Auster | J.M. Coetzee: Von Hier nach Da – Briefe 2008 – 2011

Grade lese ich den Briefwechsel zwischen Paul Auster und John Maxwell Coetzee. Der Band wurde 2013 unter dem Titel “Here and Now” bei Viking/Penguin in den USA und bei Faber & Faber in Grossbritannien und in diesem Jahr in deutscher Übersetzung (Reinhild Böhnke/Werner Schmitz) bei Fischer unter dem Titel “Von Hier nach Da – Briefe 2008 – 2011” veröffentlicht.

Ein Band von 286 Seiten, in dem diese beiden Grossschriftsteller sich über Gott und die Welt, über Sport, Ökonomie, Freundschaft, das Schreiben, Frauen und Männer und vieles andere mehr austauschen.

Erste notwendige Abschweifung
Es steht ja zu vermuten, dass sich die Autoren und die Originalverlage über den Titel den einen oder anderen Gedanken gemacht haben. Here and Now also. Ich lese das in diesem Falle als  Orts- und Zeitangabe und im übertragenen Sinne entnehme ich dem Titel eine Aussage über die Gültigkeit dessen, was geschrieben bzw. berichtet wird, nämlich gültig genau fürs Hier und Jetzt. Vielleicht auch noch: Mach draus, was Du möchtest, LeserIn.
Warum macht der Fischer Verlag daraus nun Von Hier nach Da? – Das liest sich, als führe jemand mit der Eisenbahn und berichtet über das dabei Erlebte. Ok, das mag eine Kleinigkeit sein und es ist ja ‘nur’ der Titel des Buches  aber er bedeutet im Deutschen eben etwas anderes, als das, was der englische Titel mit wenigen Worten auszusagen vermag. – Das ist etwas, was mir immer wieder auffällt. Übersetzte Titel werden, aus welchen Gründen auch immer, verfälscht, mit einer anderen Bedeutung belegt etc. Das mag manchmal sinnvoll sein, wenn ein fremdsprachiger Titel nicht gut oder gar nicht adäquat übersetzbar ist. Aber ich finde, in diesem Fall trifft das nicht zu.
Ende der ersten notwendigen Abschweifung

Weiter im Text
Anfangs fand ich das Ding ein bisschen sperrig, beide Autoren lassen es trotz aller betonten Herzlichkeit etwas spröde angehen – aber so ab Seite 25 haben sich die beiden in ihre Brieffreundschaft ‘eingeschrieben’ und ich konnte mich dem Sog dieser Briefe nicht mehr entziehen.

Zweite notwendige Abschweifung
Ich glaube, ich sollte an dieser Stelle sagen, dass dies hier keine komplette Buchbesprechung sein soll, sondern eher ein Leseeindruck, der vielleicht auch ein kleines bisschen neugierig auf das Buch macht.
Eigentlicher Anlass dieses Beitrags war die Textstelle, die ich weiter unten dann endlich auch zitiere. Als ich sie las war das wie ein plötzlich aufleuchtendes ‘Ach, so ist das.’ Nicht, dass man es nicht schon längst geahnt hat, aber so schön auf den Punkt gebracht kommt es doch noch einmal anders rüber ins ins Hier und Jetzt – und das wollte unbedingt zitiert werden.
Ende der zweiten notwendigen Abschweifung

Jetzt aber wieder weiter im Text
Es finden sich nicht nur interessante und teilweise auf den ersten Blick manchmal sogar recht abstruse Gedankengänge in den Briefen, sondern natürlich auch Hinweise auf die Werke der beiden Autoren – und immer wieder auch Sätze, Gedanken oder kleine Ereignisse, die man sofort irgendwo zitieren möchte (s.Zweite Abschweifung), weil sie so hellsichtig und gültig sind oder, wie in diesem Falle, ein grosses Rätsel mit ein paar schlichten Worten auf den Punkt und zur Lösung bringen.

In diesem Falle ist es mein Unverständnis und auch Unbehagen, man könnte auch sagen meine fortwährende Verwunderung, über das Selbstbild der USA und offensichtlich der meisten ihrer Bewohner als grossartigste Nation der Welt, also als ‘GOD’s OWN COUNTRY’, als Welterlöser  etc. etc. und den daraus folgenden Konsequenzen (Kriege, Wirtschaftskriege, TTIP etc.).

Im Brief von Auster am 11.Mai 2009 geht es erst um die Entstehung von Sportarten, um Geld und Profitgier. Wichtig zu wissen: in einem der Briefwechsel davor ging es um Sprache, Muttersprache, fremde Sprachen, Herkunft, Selbst- und Weltbild usw.  Und genau hier knüpft Paul Auster mitten aus der Sportdiskussion heraus unvermittelt an und erzählt diese kleine Geschichte:

Vor etwa zwanzig Jahren kam in den Abendnachrichten ein Bericht über eine Kleinstadt irgendwo im Süden, deren Schulbehörde – wegen Etatproblemen, glaube ich – beschlossen hatte, den Fremdsprachenunterricht einzustellen. Einwohner wurden vor der Kamera um eine Stellungnahme zu dieser Entwicklung gebeten, und ein Mann sagte – ich zitiere wörtlich; seine Worte haben sich unauslöschlich in mein Gehirn eingebrannt – : “Ich habe damit kein Problem, überhaupt kein Problem. Wenn Englisch gut genug für Jesus war, ist es auch gut genug für mich.”
Auster/Coetzee, Frankfurt/M., 2013, S.81/82

Ich finde, es fällt einem wie Schuppen aus den Augen und man hat endlich die Lösung. Ich verstehe zwar nach wie vor diese Art der Einfalt nicht, aber man wird in spätestens zwei Jahren mal wieder sehen, dass man damit sogar Präsident der Vereinigten Staaten werden kann…

Fazit einer Nicht-Besprechung
Dieser Briefwechsel ist ein sehr lesenswerter, nicht nur, was dieses Zitat betrifft, sondern auch, weil man tatsächlich noch einmal auf eine ganz andere Art in die Persönlichkeiten der beiden Briefeschreiber Einblick nehmen kann. Das Buch  sei allen an einem oder beiden der Autoren interessierten wärmstens ans Herz gelegt.

Für mich, der ich bisher von Coetzee peinlicher weise noch gar nichts gelesen habe, ist es vor allem noch einmal ein ganz anderer Zugang zu Paul Austers Werk, als die beiden in diesem und letzten Jahr erschienenen biographischen Werke Bericht aus dem Inneren und Winterjournal. Und natürlich eine schöne Anregung, sich auch einmal mit den Büchern Coetzees zu beschäftigen…

Bibliographische Angaben zum Buch:
J.M. Coetzee + Paul Auster: Von hier nach da. Briefe 2008 – 2011
a. d. Engl. von Reinhild Böhnke und Werner Schmitz
Frankfurt/M. : Fischer, 2013
ISBN: 978-3-596-19687-6, 14,99 €

LINKS zu lesenswerten BesprechungenDeutschlandfunk vom 4.11.2014 >>> herzlichen Dank an Petra vom Blog Elementares Lesen für diesen Hinweis in Deinem Kommentar!  >>> http://www.deutschlandfunk.de/brieffreundschaft-denkwuerdige-plauderei-ueber-die-modernen.700.de.html?dram:article_id=302265

Maras Blog Buzzaldrins Bücher vom 26.05.2014  >>> daher habe ich den Hinweis auf dieses Buch, danke nochmal, Mara! >>> http://buzzaldrins.de/2014/05/26/von-hier-nach-da-briefe-2008-2011-paul-auster-und-j-m-coetzee/

Vom Blog Fixpoetry vom 17.08.2014 >>> http://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritiken/paul-auster-jm-coetzee/von-hier-nach-da

 

Leben in Zeiten von Ebola – eine Polemik

Worüber regen wir uns hier eigentlich auf? Über den Lokführerstreik, den Pilotenstreik, die niedrigen Zinsen, Schimmel im Kühlschrank wegen zu viel Lebensmitteln, eingefrorene Eier äh Eizellen, gestresste Bänker, Bayern München?

“In Syrien selbst zählt UNHCR rund 6,5 Millionen Binnenvertriebene, also Flüchtlinge, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Der Libanon beherbergt Anfang 2014 knapp eine Million syrischer Flüchtlinge, die Türkei hat rund 650.000, Jordanien 585.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, die binnen weniger Monate gekommen waren. Auch im Irak haben mit 225.000 syrischen Flüchtlingen doppelt so viele Flüchtlinge Schutz gesucht, wie Deutschland im letzten Jahr insgesamt an Asylsuchenden verzeichnet hat. Gleichzeitig sind übrigens als Folge des Kriegs auch zahlreiche irakische Flüchtlinge erneut vertrieben worden und aus ihrem bisherigen Zufluchtsland Syrien in ihr Herkunftsland zurückgekehrt, wo die Situation weiterhin sehr problematisch ist.”
Quelle: Pro Asyl, Link:  http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/

In Syrien sind also weit mehr als 6 Millionen Menschen auf der Flucht. Aus dem Land geflohen sind über 3 Millionen Menschen! Zu Schweigen von all den anderen Kriegs- und Armutsflüchtlingen  im Rest der Welt. –  Und nur damit das an dieser Stelle klar ist: Armutsflüchtlinge sind nicht solche die, Politikersprech: halt mal den Gürtel enger schnallen müssen, das sind solche die überwiegend nix mehr zu fressen und zu wohnen haben, die sich nicht mehr frei äussern dürfen, ohne Angst zu haben, verhaftet und gefoltert zu werden usw. usw.

Die Syrer jedenfalls wissen nicht mehr wohin in ihrem Land. Überall Krieg und kein Entrinnen, Nirgends.

Und wir sitzen hier rum und kucken unseren Politikern bei den perversesten Versuchen zu, sich scheinverantwortungsvoll und wortreich aufs allerbilligste rauszuhalten.  Zutiefst betroffen.

Ja, da wird vieles überlegt: Sollen wir vielleicht doch noch 20 Syrer mehr aufnehmen? oder sogar 25? Verkaufen wir derweil weiter Waffen und Waffenteile in die richtigen Teile der Welt? Wie können wir das (als Spezialdemokraten) den Wählern erklären? Den Wählern, nicht den Bürgern! Arbeitsplätze?  Klar, geht immer.  Und komm, wir machen noch schnell eine internationale Konferenz.

Derweil müssen die Flüchtlinge irgendwie leben. Irgendwo. Auf zerbombten Strassen, in Lagern. In Lagern! Remember Lager, Germany? Oder die sterben einfach. Das ist natürlich praktisch.

Der christliche Herr Bosbach (und nicht nur der) sagt:
“Wenn wir den Nachbarländern nicht mehr helfen, wird der Flüchtlingsdruck auf Mitteleuropa noch wachsen. Diesen Ländern zu helfen, muss also schon in unserem eigenen Interesse liegen.”
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-aus-syrien-nachbarstaaten-bitten-um-mehr-hifle-a-999684.html ).

Was heisst das? Das heisst vor allem, der Schwerpunkt liegt auf den eigenen Interesse. Das heisst: Hauptsache, wir halten uns die vom Leib, Hauptsache, die kommen nicht weiter, als bis zur Türkei. Das ist von Aleppo aus immerhin bloss ein Katzensprung. Das schaffen die auch zu Fuss. Haben ja kaum mehr Gepäck. Da können Sie sich dann ja von zwei Seiten bearbeiten lassen.

Also schicken wir Zelte? Oder das abgelaufene Scheissfressen aus alten Bundeswehrbeständen? Kommt Frau von der Leyen gleich mit? Könnte ein paar schöne Bilder geben.  Und immer wieder gerne Waffen an die friedliebenden Staaten, die sie an den IS und andere Verbrecher weitergeben? Ja, das machen wir. Und nennen das alles zusammen dann Humanitäre Hilfe. Was für ein missbrauchter Begriff in diesem Zusammenhang.

Ja, Deutschland hilft. Mit einem sogenannten Aufnahmeprogramm. Das geht dann so bürokratisch wie möglich: http://www.proasyl.de/de/home/syrien/

Flüchtlingshilfe, wie Deutschland sie versteht. Ganz konkret sieht das dann so aus: http://tinyurl.com/k3wbk6u

Das ist nichts weiter als ein Flüchtlingsabschreckungspogrom. Freudscher Verschreiber: -programm. Keine Entschuldigung.
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Und jetzt kommt der Winter. Und mit dem Winter kommt der Tod. Dann können wir wieder unsere alten Lumpen bei der Kleidersammlung für Syrien abgeben.
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Wir sind ein reiches Land. Unsere Politiker sind da immer sehr stolz drauf. Das ist also  mindeste, was wir tun können:
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Mehr Flüchtlinge aus Syrien ohne diese bürokratische Bedingungen, die darauf abzielen, dass die Menschen verhungert, verseucht, oder ermordet sind, bevor sie überhaupt und eventuell bei uns ankommen dürfen.  Einfach aufnehmen!
Verdammt noch mal, hier gibt es dermassen viel überdachten, ungenutzten Raum, die Läden sind voll mit Lebensmitteln, die Spendentöpfe sind angeblich voller Kohle, die nicht abgeholt wird. Also wo ist das Problem? 
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Und was kann jeder Einzelne tun? Keine Angst haben. Offen sein für Menschen, die in Not sind. Auf sie zugehen, wenn sie da sind. Die sind gar nicht so anders. Wir sind alle anders. Keine Ghettos bilden. Alle rechten Arschlöcher in der Wüste aussetzen. Und HIER kann man halbwegs bedenkenlos Spenden. Das ist das Mindeste.
Notwendige Abschweifung zum Schluss
Ich habe das ‘eine Polemik’ genannt. Es ist natürlich genau so sehr eine Empörung. Und ein Abbild meiner wütenden Hilflosigkeit ob all der Heuchelei. Das musste dringend raus. Es tut mir nicht leid.
Schluss
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WEITERE LINKS ZU LESENSWERTEN QUELLEN
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Michael Köhler | Die Methode des Clowns hat verloren oder Deutscher Buchpreis – LLL 2014

Michael Köhlmeier   |   Zwei Herren am Strand

Michael Köhlmeier | Zwei Herren am Strand

Michael Köhlmeier   |   Zwei Herren am Strand
Roman. München, Hanser Verlag, 2014, 256 S.
ISBN 978-3-446-24603-4, 17,90 €

 

ERSTE notwendige ABSCHWEIFUNG
WAS ???       Jedes Jahr seit 2005 verleiht der Börsenverein des deutschen Buchandels den ‘Deutschen Buchpreis’. Auf der Homepage dieses Preises heisst es dazu:

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die “Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung” jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten Roman in deutscher Sprache aus. Ziel des Preises ist es, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch.
Quelle: http://www.deutscher-buchpreis.de/de/692946 (am 10.09.2014)

WER ???      Die Mitglieder der Jury 2014 (die Jury-Mitglieder werden jedes Jahr von den Mitgliedern einer “elfköpfigen Akademie Deutscher Buchpreis” neu bestimmt, die wiederum vom Vorstand des Deutschen Börsenvereins berufen wird. Informationen über die Jury bekommt man  HIER.

WIE ???       Alle deutschsprachigen Verlage dürfen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt maximal zwei Ihrer Neuerscheinungen aus dem aktuellen Programm 2014 bei der Jury einreichen. Die Jury nominierte dann (ich hoffe mal, nach gründlicher Lektüre) im August 20 Autoren für die sogenannte LONGLIST, aus der dann am 10. September von eben dieser Jury  6 Romane  auf die SHORTLIST gewählt wurden. Die Preisverleihungsfeier fand am 6. Oktober während der Auftaktveranstaltung der Buchmesse in Frankfurt statt. Sie begann um 18 Uhr und um Punkt 18.55 Uhr wurde der Preisträger 2014 verkündet und geehrt. Man kann das HIER genau sehen und ich hoffe, die Leute haben sich auch ganz ganz genau an diesen Zeitplan gehalten, wo kämen wir sonst hin?

Gewonnen hat übrigens – ok, die meisten von Euch werden es eh schon wissen – der weithin als Favorit genannte Lutz Seiler mit seinem Hiddensee-Roman Kruso. Ich bin froh darum, denn erstens hat so auch der Suhrkamp-Verlag gewonnen und der kann derzeit wg. streitender  Inhaber und deswegen anfallender Anwaltskosten das Geld aus dem nun noch besseren Verkauf des Buches bestimmt gut gebrauchen  – und zweitens hat so der zweite Favorit, der ebenfalls und bestimmt zurecht hochgelobte Thomas Hettche mit seinem Roman Pfaueninsel nicht gewonnen. Der Roman mag zwar grossartig sein, aber mein Vorurteil gegen ‘Kostümfilme’ möchte ich doch auch an dieser Stelle ein wenig pflegen…

Ach, wie auch immer man das alles finden und werten mag – es gab in diesem Jahr  eine Menge Diskussionen über den Preis, über die Nominierten auf der Longlist, über die Zusammensetzung der Geschlechter (mehr Männlein als Weiblein), auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Alle, die es interessiert finden am Ende dieses Posts eine kleine, spezielle Spezial-Buchpreis-Legitimations-Diskussions-Linkliste.
ENDE DER ABSCHWEIFUNG

 

ZWEITE, klitzekleine, aber um so  NOTWENDIGEre ABSCHWEIFUNG
WAS HAT DAS ALLES MIT DER BLOGGEREI ZU TUN???       Nun ja, die lieben und verehrten Blogger-Kolleginnen  Claudia vom Grauen Sofa, Mara von Buzzaldrins Bücher und Vera von glasperlenspiel 13  haben anlässlich des diesjährigen Buchpreisausschreibens  eine schöne Aktion namens LongListLesen 2014 ins Leben gerufen, an der ich sehr gerne teilgenommen habe – am liebsten allerdings passiv!
Nun begab es sich aber, dass die liebe Claudia vom Grauen Sofa anfragte, ob ich wohl auch eines oder zwei der Longlistbücher besprechen wollen würde. Hm, also ich habe mich ein wenig geziert ob der Zwanghaftigkeit des Unternehmens (Schreibpflicht führt bei mir zu Schreibblockade, nach dieser Aktion ist es amtlich), aber dann doch zugesagt, denn den Köhlmeier hätte ich sowieso gelesen, mit oder ohne Liste. Und da kann ich ja auch gleich noch ne Besprechung machen, oder? Aber denkste und siehe drei bis vier Zeilen weiter oben… So, jetzt wisst Ihr Bescheid.
ENDE DER ABSCHWEIFUNG

 

DIE BESPRECHUNG
Jetzt liege ich hier also nackt und bäuchlings auf meinem zwei mal zwei Meter grossen Riesenbogen Bogen weissen Papiers und versuche, dabei immer um die eigene Achse drehend, mich spiralförmig auf diese Besprechung zuzuschreiben, quasi einen Brief an mich selbst zu schreiben, in der Hoffnung, meine Mitte zu finden, also das absolute Nichts…. Ach, das der schwarze Hundist so so schwierig! Dauernd bleibt man mit dem Bauch am Papier kleben, alles verkrumpelt, die Tinte verschmiert, bleibt an meinem Bauch haften und ich muss wieder von vorne anfangen.
Wie haben diese zwei Herren das nur gemacht? Aber mal von vorne an:

Marion Davies Beach House

Ms Davies Beach House.     zur Quelle: einfach aufs Bild klicken

Die zwei Herren, der Herr Chaplin und der Herr Churchill, haben sich während einer Party der Schauspielerin und langjährigen Geliebte William Randolph Hearsts’, Marion Davies, 1927 anlässlich der Einweihung ihres bescheidenen  Santa Monica ‘Beach House’ (kaum einhundert Zimmer) auf der Flucht vor eben dieser (Party) und noch dazu vor dem schwarzen Hund auf einem für ihrer beider Leben und für dieses Buch hochwichtigen ersten von vielen folgenden Spaziergängen getroffen. (Solche Schachtelsätze kommen von dem latenten Schwindelgefühl, das einen bei dieser ständigen Dreherei befällt!).

Auf diesem ersten gemeinsamen Spaziergang am Strand an der Küste Kaliforniens gingen sie eine Weile schweigend nebeneinander her bis sich folgender Dialog entspinnt:

… Churchill: “Sind Sie krank?”
“Sehe ich so aus?”, fragte Chaplin zurück.
“Ja”
“Wie sehe ich aus?”
“Wie ein Mann, der an Selbstmord denkt”, hatte Churchill geantwortet.
“Das können Sie in der Dunkelheit gar nicht beurteilen.”
“Ist es so?”
Köhlmeier: Zwei Herren am Strand, S. 27

Damit haben die beiden ihr lebenslanges Thema gefunden. Schwere Depression, von beiden in ihren Gesprächen ‘der schwarze Hund’ genannt, und der daraus resultierende anfallhafte Wunsch, sich selbst zu töten. Weil beide zeitweise unter schwersten Depressionen litten und beide in diesen Phasen dem Selbstmord mal mehr, mal weniger nahe kamen.

Anschliessend übernimmt der in diesem Roman mal auktorial, mal neutral und manchmal sogar personal agierende Erzähler und klärt auf:

Bei anderer Gelegenheit erklärte einer dem anderen, er habe in diesem Augenblick beschlossen, sich nicht vorzustellen. Beide fanden die Aussicht auf eine Beichte im Schatten von Nacht und Anonymität verlockender als eine namentliche Bekanntschaft mit welcher Zelebrität auch immer. Sie gaben zu, vielleicht nicht die Person des anderen erkannt zu haben, sehr wohl aber die Persönlichkeit, und meinten damit deren Drangsal. Chaplin – der ohne Zweifel eine Affinität zu romantischen Archetypen hatte – sagte, es sei ihm ein Schauder über den Rücken gelaufen bei dem Gedanken, einem Doppelgänger zu begegnen, freilich einem, dem er nicht im geringsten ähnlich sah, einem zweiten Ich im fleischlichen Kleid eines anderen, sozusagen. Churchill – auch er war in seinem Herzensgrund geprägt von den verführerischen Überspanntheiten des 19. Jahrhunderts (Bram Stoker, der Autor von Dracula, war immerhin ein Freund seines Vaters gewesen, und über Robert Louis Stevensons Novelle Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde hatte er seine erste Rede gehalten, als Fünfzehnjähriger in der Harrow School als Abschlussarbeit im Englischunterricht) -, Churchill bestätigte, ihm seien ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen, und daß er und Mr. Chaplin erstens äußerlich, zweitens nach ihrer Herkunft und vor allem drittens in ihren politischen Ansichten sich voneinander gar so stark unterschieden, habe das Unheimliche an der Sache nur noch gesteigert, zugleich aber auch ein Gefühl nie gekannter Vertrautheit in ihm aufgerufen.
   “Ist es so?, fragte Churchill wieder.
   “Ja, es ist so” antwortete Chaplin.
Köhlmeier: Zwei Herren am Strand, S. 27-28

An dieser Stelle nimmt die Geschichte ihren Lauf, oder sagen wir besser, der Erzähler nimmt den Faden wieder auf, den er schon mit den verstörenden ersten drei Abschnitten auf der allerersten Seite dieses Buches quasi in einer Vorblende zu spinnen beginnt:

Am Weihnachtstag 1931, gegen Mittag – so erzählte mir mein Vater –, stand ein Mann auf den Stu­fen zum Eingang des Hauses 119 East 70th Street in Manhattan, New York. Er wollte Mr. Winston Churchill besuchen, der hier vorübergehend bei seiner Cousine weilte.
Der Besucher war nicht angemeldet, das Personal kannte ihn nicht, weder der Butler noch die Krankenschwester, und daß er be­hauptete, Charlie Chaplin zu sein, wies ihn in ihren Augen als einen gefährlichen Irren aus. Sie drohten mit der Polizei, der Butler schließlich sogar mit einer Brown Bess Muskete, die allerdings nicht funktionstüchtig war, sondern für gewöhnlich als eines von zwei Erinnerungsstücken aus dem Unabhängigkeitskrieg über der Garderobe in der Lobby hing. Erst als der Mann, die Hände zu einem Trichter an den Mund gelegt, so laut er konnte – er konnte nicht laut –, durch den Türschlitz, in dem sein Knie klemmte, rief: »Winston, Winston, ich bin es, Charlie. Ich bin da, Winston. Ich bin gekommen!«, und Churchill, dessen Zimmer sich glücklicherweise im Parterre befand, seinerseits, so laut er konnte – auch er konnte in diesen Tagen nicht laut –, zurückrief – »Glad tidings you bring!« –, ließ man ihn ein­ treten.
Churchill saß im Bett. Vor sich hatte er ein Nudelbrett als Schreib­unterlage, mit Hand beschriebene Blätter, Füllhalter und Buntstifte. In einer Ecke standen eine übermannshohe Staffelei und ein Tisch, voll mit Tuben, Pinseln, Flaschen, Töpfen. Neben dem Kopfkissen stapelten sich Bücher. Den Oberkörper hatte er frei, die linke Schulter und die linke Brusthälfte waren bandagiert, Arm und Hals gelb von alten Blutergüssen.

Köhlmeier: Zwei Herren am Strand, S. 11

Wer ist eigentlich der Erzähler? Der Erzähler der Geschichte führt sich selbst als Sohn eines Mannes ein, der in jungen Jahren Chaplin und Churchill begegnete und aus dieser Begegnung den lebenslangen Wunsch mitnahm, entweder Clown oder Staatsmann werden zu wollen. Das klappte zwar nicht (er wurde  Kommunalbeamter), aber immerhin lernte er bei einem Symposium zu Ehren des 100. Geburtstages Churchills im Jahre 1974 in Aachen den Very private Private Secretary to a very prime Prime Minister kennen, nämlich einen Mr. William Knott.  Mit diesem kam er in Kontakt:

Aus dieser Begegnung entstand eine Brieffreundschaft, die es auf zwei bis drei nicht selten an die zehn Seiten umfassende Schreiben pro Woche und Person brachte und zehn Jahre hielt, bis zum Tod von William Knott.
Das Konvolut (über 1000 Seiten) mitsamt einigen fotokopierten Dokumenten habe ich dem Churchill Archives Centre in Cambridge übergeben, wo es von Montag bis Freitag zwischen 9 – 17 Uhr eingesehen werden kann.
Köhlmeier: Zwei Herren am Strand, S. 19

Aus diesem Konvolut also bezieht der Erzähler sein Wissen und daraus wird diese Geschichte (re)konstruiert. Das Churchill Archives Centre in Cambridge gibt es. Als gewissenhafter Bibliothekar habe ich natürlich den Katalog der Sammlung durchsucht. Aber ebenso natürlich findet sich der Name William Knott nirgends – und das erklärt sehr schön, wie Michael Köhlmeier diesen Roman konstruiert hat. Er mischt in diesem Buch historische Fakten, wie die Freundschaft der beiden C’s und deren gemeinsames Leiden, mit Erfundenem. Und er macht das so gut, dass man als Leser in diese scheinbar ganz sachlich aber eben auch überaus packend erzählte Geschichte dieser beiden historischen Figuren und ihrer schwarzen Abgründe immer mehr und immer schneller hineingezogen wird. Dabei erfährt der Leser wie nebenbei eine Menge interessanter Fakten über Leben und Werk der beiden Protagonisten, die überaus spannend zu lesen sind und sich zu einem eigentlich, wenn man die Unterschiedlichkeit der beiden Helden betrachtet, unmöglich erscheinenden Gesamtbild und einfach einer tollen Geschichte zusammenfügen.

STOP!!!
Über den Inhalt des Buches möchte ich an dieser Stelle nichts weiter verraten – in der Hoffnung, mit meinen umchronologischen Anmerkungen und Zitaten Lust aufs Buch gemacht zu haben. Ja, ich wünsche diesem Buch viele Leser, mindestens so viele wie dem Gewinner des Deutschen Buchpreises 2014.

Von der Longlist dieses Preises hat es das Buch nicht einmal auf die Shortlist geschafft (deshalb das ‘verloren’ im Titel des Posts). Ich habe das nicht verstanden, aber ich glaube, ich verstehe diesen ganzen Preis und den Hype darum sowieso nicht richtig. Was für eine Borniertheit, wenn Leute (die Jury) bestimmen, dass dieses oder jenes Buch der beste deutschsprachige Roman des Jahres ist, aber was schreib ich mich hier wieder in Rage…

ÜBERAUS NOTWENDIGER NACHTRAG
Was ist denn nun diese Methode des Clowns???       Die Methode des Clowns ist die Methode, die Chaplin benutzt, um aus der Depression raus und von den Selbstmordgedanken wegzukommen. Churchill fragt Chaplin im Roman danach – und die Antwort wird uns vom Erzähler so kolportiert:

Chaplin begann mit einer rhetorischen Frage: “Warum ist ein Clown ein Clown? Es ist doch nichts Lustiges an ihm. Der größte Clown ist Buster Keaton. Was ist an Buster Keaton lustig? Was macht ihn zum Clown? Das Wissen, das die Welt meschugge ist? Der Mensch ist klein wie ein Floh. Aber der Geist eines Flohs, das sagt uns der Dichter, ist übernatürlich böse.”
   Und Churchill: “Kein Vorwort, bitte! Die Methode, Charlie! Keine Theorie! Uns interessiert nur die Praxis!”
   “Gut. Die Praxis. Ich schreibe mir einen Brief. Verstehen Sie, Winston? Einen Brief an mich selbst.”
   “Ich verstehe es nicht.”
   “Buster Keaton hat mich auf diese Methode aufmerksam gemacht. Ich soll mir einen großen Bogen Papier besorgen, hat er gesagt. Den soll ich über den Fußboden ausbreiten. Ja?”
   “Ja. Weiter, Charlie, weiter!”
   “Auf diesen Bogen Papier lege ich mich.”
   “Wie?”
   “Bäuchlings.”
   “Bäuchlings, gut. Weiter, weiter!”

   “Gegen den Gedanken, ich könnte verrückt sein, hilft nur, etwas Verrücktes zu tun. Das ist etwas sehr Ernstes, Winston. Das ist die Methode des Clowns. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der ernster wäre als ein Clown.”
   “Ja, ja, ich verstehe. Das hat man hundertmal gelesen. Weiter!”
   “Ich muss dabei nackt sein. Ich darf nichts mit der Welt zu tun haben. Ich muss allein mit mir sein. Das ist sehr wichtig. Eine Hose bereits ist die Welt, und ein Hemd ist auch die Welt.”

Köhlmeier: Zwei Herren am Strand, S. 59-60

Am Ende schreibt Chaplin also nackt auf dem Bauch liegend und in einer Spirale die von aussen nach innen geht einen Brief an sich selbst, an sein innerstes Inneres. Bis er am Ende beim Nichts ankommt. Da isst die Methode des Clowns.
ENDE DES ÜBERAUS NOTWENDIGEN NACHTRAGS

So, und überhaupt: Schluss jetzt, Lesen ist angesagt! – Und wer noch eine richtig richtige Besprechung dieses Buches lesen möchte, für den kommen nun die Links.

 

NOTWENDIGER NACHTRAG AM TRAG DANACH | Erstens UND der schwarze Hund
Also ERSTENS habe ich nun meine nächtlichen Schreibfehler hoffentlich alle rausradiert – peinlich das, aber ich wollte das Ding heute nacht einfach mal fertig machen und irgendwann hat mein müdes Hirn gesagt: du brauchst einfach nur den ‘publish’ Button drücken  – und schon war es passiert und ich konnte endlich ins Bett…
DER SCHWARZE HUND, ja, der schwarze Hund. Auf den bin ich in meinem Text nicht wirklich eingegangen – und das ist ein echtes Manko, denn der spielt ja eine Hauptrolle in der Geschichte. So möchte ich hier als Nachtrag zumindest ein paar Gedanken dazu loswerden – und ganz ans Ende dieses Textmonsters für die Interessierten ein paar Schwarze-Hund-Links stellen.
Die Herkunft des Begriffs als Metapher für Depression konnte ich nicht klären, will sagen: ich konnte nicht herausbekommen, wer den Begriff in diesem Zusammenhang zum ersten Mal benutzt hat. Er wird aber wohl seit dem 19. Jahrhundert so verwendet. Ausserdem habe ich irgendwo gelesen (weiss leider nicht mehr wo), die Verwendung dieses Begriffes für Depression wäre möglicherweise deshalb sinnvoll, weil ‘Depression’ ein negativ besetzter Begriff sei, der Hund an sich aber ein bei den meisten Menschen positiv besetzter. Schwarz muss er dann wohl trotzdem sein, weil die Farbe die Verbindung herstellt zum schwarzen Loch, in das sich an einer Depression erkrankte Menschen oft hinein geraten sehen. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll das Ziel sein, mit dem schwarzen Hund als ständigem (potenziellen) Begleiter weniger angstvoll umgehen zu können. Das klingt mir jedenfalls nicht ganz abwegig.
Mir fiel dann irgendwann noch ein, dass der Herr Faust auf seinem Osterspaziergang ja einem schwarzen Pudel begegnet, der ihn spiralförmig in immer enger werdenden Kreisen umläuft – bis sich am Ende des Pudels Kern als Tod und Teufel persönlich entpuppte. Und mit dem hat der Doktor ja dann einen Pakt geschlossen, der zumindest Vor- und Nachteile brachte. Und der Vorteil war für Faust eben, dass er so dem Tode entgehen konnte. Ok, vielleicht etwas weit hergeholt, aber irgendwie finde ich es auch ganz schlüssig.
Vielleicht wissen ja einige Leser dieses Blogs mehr darüber. Ich würde mich über diesbezügliche Kommentare jedenfalls sehr freuen.
A propos Kommentar: der allererste Kommentar zu diesem Beitrag von unserer lieben Freundin Sandra war es, der mich auf dieses Manko im Text hinwies.  Gleichzeitig hat Sandra noch einen sehr interessanten Link mitgeschickt, den ich jetzt in die zusätzliche Linkliste mit aufnehme.  – Ganz lieben Dank dafür, liebe Sandra – und nun bist schuld, dass das Monster noch monströser geworden ist…

 

DIE LINKS | BESPRECHUNGEN

Kölner Stadt-Anzeiger am 22. August 2014   >>>   http://www.ksta.de/kultur/michael-koehlmeiers–zwei-herren-am-strand–churchill–chaplin-und-der-hund,15189520,28196326.html

Buzzaldrins Bücher (Mara) am 2. September 2014   >>>     http://buzzaldrins.de/2014/09/02/zwei-herren-strand-michael-kohlmeier/

NDR.de am 2. September 2014   >>> >>> http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Michael-Koehlmeier-Zwei-Herren-am-Strand,zweiherrenamstrand104.html

NZZ am 5. September 2014   >>>   http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/churchill-und-chaplin-als-verbuendete-1.18377789 

FR am 11. September 2014    >>>   http://www.fr-online.de/literatur/michael-koehlmeier–zwei-herren-am-strand–der-ernst-des-clowns,1472266,28382450.html

Wiener Zeitung vom 21. September 2014   >>>   http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher_aktuell/661546_Koehlmeier-Michael-Zwei-Herren-am-Strand.html

Das Graue Sofa (Claudia) am 15. Oktober 2014   >>>   http://dasgrauesofa.wordpress.com/2014/10/15/lll-2014-michael-kohlmeier-zwei-herren-am-strand/

Maike auf dem schönen Blog Herzpotenzial am 17. Oktober 2014 >>>
http://herzpotenzial.com/michael-koehlmeier-zwei-herren-am-strand/  
Übrigens eine der wenigen (für mich die erste) kritischeren Besprechungen. Gerade deshalb sehr lesenswert.

 

 

DIE LINKS | STREIT ÜBER DEN BUCHPREIS

Dana Buchzik in der Welt vom 19.08.2014   >>>   http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article131350003/Auch-in-der-Literatur-ist-ein-aufschrei-faellig.html

Jan Drees auf Lesen mit Links am 19. August 2014   >>>   http://www.lesenmitlinks.de/aufschreiwelt/

Kommentare zum Post von Jan Dress   >>>   http://www.lesenmitlinks.de/aufschreiwelt/#comments (hier findet man relativ in der Mitte auch einen kleinen satirischen Beitrag meinerseits zu diesem Thema)

Buzzaldrins Bücher am 20. August 2014   >>>   http://buzzaldrins.de/2014/08/20/aufschrei/

 

DIE LINKS | DER SCHWARZE HUND

Über Matthew Johnstones Buch ‘Mein schwarzer Hund – wie ich meine Depression an die Leine legte. (Sandras’ Link) Quelle: FAZ ONLINE VOM 14.10.2008   >>>  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/matthew-johnstone-mein-schwarzer-hund-gegen-die-depression-1716252.html

Zu dem Buch von Johnstone gibt es übrigens ein wunderbares Video bei Youtube, das wollte ich nicht vorenthalten:

Über Les Murrays’ Buch ‘Der schwarze Hund – Denkschrift über die Depression’. Quelle: Zeit online vom 15.02.2013   >>>   http://www.zeit.de/2013/08/Les-Murray-Der-Schwarze-Hund

Die Verlagsseite dazu   >>>   http://www.rugerup.de/Der+Schwarze+Hund_AID3286.html

und last not least noch einen Wikipedia-Eintrag   >>>   http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Hund 

Green Abstract

skyaboveoldblueplace:

Stefan macht ja immer fantastische Bilder, aber dieses hier tut den Augen und der Seele so gut, dass ich es gerne hier reblogge.

Ursprünglich veröffentlicht auf Freiraum:

Green (K)
Now it is getting fast, that the nature will change his color. I have taken the image end of September, where I was focussed on a line of trees with a special lush green color. To find the beauty in the odinary is one of my passions in photography. And to capture those abstract scenes is really an award for the day.

Jetzt geht es schnell, dass die Natur ihre Farben wechselt. Das Foto habe ich Ende September aufgenommen, wo ich auf eine Baumreihe fokussiert war zusammen mit der besonders üppigen grünen Farbe. Das schöne im Normalen zu finden ist eine meiner Leidenschaften in der Fotografie. Und solche Motive, Szene im Bild festhalten zu können, ist dann die Belohnung des Tages.

Original ansehen

Von Big Data zum Überwachungskapitalismus

Shoshana Zuboff

Rede von Shoshana Zuboff in: FAZ, Mo, 15. Sept 2014

Zum Themenkomplex Digitale Welt | Datensicherheit | Big Data | Digitale Zukunft  habe ich an dieser Stelle vor einigen Wochen auf ein interessantes Gespräch zwischen Juli Zeh und Philip Riedle hingewiesen.

Und weil uns das Thema ja so schnell nicht verlässt und auch nicht verlassen darf, wenn wir diese Zukunft verstehen und womöglich beeinflussen wollen, möchte ich heute auf eine Rede der emeritierten Harvard-Professorin für Wirtschaftswissenschaften, Shoshana Zuboff hinweisen, die sie letzten Freitag zur Eröffnung des 10. M100 Sanssouci Colloquiums in der Orangerie von Potsdam-Sanssouci hielt.

Das Kolloquium stand unter dem Oberthema Medienfreiheit im Zeitalter von Big Data, Frau Zuboff  hat es in ihrer Rede allerdings relevant erweitert, und zwar auf die Weiterentwicklung unseres gesellschaftlichen Systems durch und mit dem, was wir derzeit Big Data nennen – oder einfacher mit einer ihrer Zwischenüberschriften gesagt: Wie die Zukunft gestaltet wird.

Dabei skizziert sie den derzeitigen gesellschaftlichen Zustand als einen des Überwachungskapitalismus. Und dabei geht es natürlich bei weitem nicht nur um NSA, CIA, BND und Konsorten, sondern vor allem um das Überwachungskapital, das die grossen (und  auch die kleinen) Internetfirmen mit ihren Big Data generieren – und wie sie das tun. Und mit welchen Folgen für uns.

Die FAZ hat diese wichtige, weil nicht nur die altbekannten Diskussionsmodelle wiederkäuende Rede in ihrer Ausgabe von Montag, dem 15. September unter dem Titel Lasst euch nicht enteignen! dankenswerterweise abgedruckt. Auf der Homepage der FAZ kann man ihn komplett lesen, aber nicht nur das, es gibt dort auch den originalen Text der Rede in Englisch. Das ist insofern interessant, als der Text im Original heisst: A Digital Declaration – und genau diese will Shoshana Zuboff hier anschieben.

Als kleinen Leseanreiz zitiere ich hier aus den fünften Abschnitt der Rede:

Nach meiner Auffassung ist „Big Data“ ein großer Euphemismus. Nach Orwell werden Euphemismen in Politik, Krieg und Geschäft benutzt, um „Lügen wahr und Mord anständig klingen zu lassen“. Euphemismen wie „verbesserte Vernehmungsmethoden“ oder „ethnische Säuberung“ lenken uns von der hässlichen Wahrheit hinter den Worten ab. Die hässliche Wahrheit hier ist, dass ohne unsere Kenntnis oder unsere Einverständniserklärung vieles an „Big Data“ aus unserem Leben abgeschöpft wird. Diese Datenmengen sind die Frucht eines reichen Feldes von Überwachungspraktiken, die konstruiert sind, um für uns unsichtbar und unerkennbar zu bleiben, während wir uns durch die virtuelle und reale Welt bewegen. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklungen nimmt zu: Drohnen, Google Glass, tragbare Computersysteme, das „Internet von Allem“ (vielleicht der größte Euphemismus von allen)….
Quelle: FAZ online, gefunden am 16.09.2014

Die Links

Lasst euch nicht enteignen! – Rede Shoshana Zuboff (dt.)

A Digital Declaration – Rede  Shoshana Zuboff (engl.)

Shoshana Zuboff – Homepage

Harvard Business School – Homepage Shhoshana Zuboff (Faculty)

Honmepage M100 Sanssouci Colloquium 2014

Wikipedia (en) über Shoshana Zuboff

Schürfrechte am Leben | Die Google-Gefahr – Artikel von Shoshana Zuboff (30.04.2014)

Dark Google – engl. Original des Artikels ‘Schürfrechte am Leben (s.o.)