Leben – Liebe – Literatur

Am 7. Juni habe ich hier unter dem Titel ‘Birlikte – Zusammenstehen’ zum letzten mal etwas mit buchstäblich letzter Kraft geposted. Nun ist das auch schon wieder mehr als 2 Wochen her, in denen ich nicht nur nix schreiben, sondern auch keine Kommentare oder Beiträge von anderen Blogs lesen geschweige denn kommentieren konnte.

Das ist mal wieder der verflixten Gesundheit geschuldet, die sich bei mir als ein äusserst labiles Gebilde beschreiben lässt. Heute jedenfalls, 2 akute Nierenversagen, 1 akutes Leberversagen und einem dazugehörigen Aufenthalt auf einer Intensivstation später, möchte ich mal wieder den Versuch machen, mich zurückzumelden.

LEBEN

Es gibt mich also immer noch, auch wenn die Existenzfrage eine immer wuchtigere und akutere wird. Und wieder habe ich Hoffnung, noch einmal für eine Weile in einigermassen lebenswerter Form davonzukommen. Inzwischen mit noch grösseren körperlichen Einschränkungen und Abhängigkeiten.

LIEBE

Dass ich noch nicht aufgegeben habe hängt mit meiner doch ziemlich ausgeprägten Lust am Leben, meinem phantastischen Netzwerk von Familie und Freunden (mal wieder ein riesengrosses Dankeschön an alle, die Ihr immer und so treu und zuverlässig für mich und Iris da seid) und an der unglaublichen Kraft und Liebe meiner Iris zusammen. – So, bevor es zu rührselig wird an dieser Stelle erstmal genug zum Thema.

Ich hoffe nun, dass ich in absehbarer Zeit und in vorhersehbar unvorhersehbaren Abständen an dieser Stelle auch mal wieder etwas über Literatur von mir geben kann, denn auch der Literatur gilt nach wie vor meine Liebe – und da ich tatsächlich seit einigen Tagen wieder in der Lage bin, zu Lesen, möchte ich auch gleich damit anfangen.

LITERATUR

Ruth Ozeki: „Geschichte für den Augenblick“, dt. von Tobias Schnettler, S. Fischer, 560 S., 19,99 Euro. E-Book: 17,99 Euro.

Cover - Ozeki - GeschichteDie ‘Geschichte für einen Augenblick’ von Ruth Ozeki habe ich mir sofort nach Maras Besprechung bei buzzaldrins besorgt. Das Buch ist ein echtes Brikett von 560 Seiten, mit vielen Fussnoten (insbesondere japanische Erklärungen und Übersetzungen betreffend) und mehreren Anhängen.

Vor  zwei Tagen, als Kopf und Körper es wieder zuliessen habe ich damit angefangen. Der Text nimmt einen sofort gefangen, und auch wenn ich für meine Verhältnisse nur kleine Portionen hintereinander lesen kann, bin ich nun schon auf Seite 200 – und freue mich jedes mal wieder, wenn ich es schaffe, weiterzulesen.

Das Buch hat zwei Erzählebenen (eigentlich noch ein paar mehr, jeweils innerhalb einer Ebene). Auf der einen Seite des Pazifiks erzählt die Protagonistin Naoko Yasutani, eine 16-jährige Schülerin in ihrem Tagebuch von ihrem unglücklichen Leben mit ihrer unglücklichen Familie in Tokio, auf der anderen Seite – und buchstäblich auch auf der anderen Seite des Pazifiks – können wir der Finderin des Tagebuches, der Autorin Ruth, die grade grosse Probleme hat, ihre Autobiographie abzuschliessen, beim Herantasten und Lesen dieses Tagebuches zusehen.

Ruth lebt auf der anderen Seite, nämlich auf einer kleinen Insel vor Kanada in einem noch kleineren Ort namens Whaletown. Dort hat sie, bei einem morgendlichen Strandspaziergang, eine Plastiktüte in einer Plastiktüte in einer Plastiktüte gefunden, durch die es rot schimmerte. Das rote stellt sich als das Tagebuch des Mädchens Naoko Yasutani heraus, in dem diese Naoko ihren Selbstmord ankündigt – und dessen Geschichte fasziniert Ruth nach anfänglichem Zögern bei der Lektüre immer mehr – und lenkt sie von ihrem vorläufigen Scheitern am Memoiren-Projekt ab.

Naoko wiederum, die 16-jährige aus Tokio, ist tatsächlich im kalifornischen Sunyvale aufgewachsen, als Tochter japanischer Eltern. Der Vater, ein Programmierer aus Tokio bekam einst von einer amerikanischen Firma ein lukratives Job-Angebot und wanderte samt Familie dorthin aus. Als die Firma während der Dotcom-Blase pleite geht und der Vater seinen Job verliert, muss die Kleinfamilie wieder zurück nach Tokio – eine Stadt, die für die sich als Amerikanerin fühlende Naoko in jeder Hinsicht fremd ist und fremd bleibt. Die Situation verschlimmert sich schliesslich dadurch, dass der Vater keinen Job mehr findet und als depressiver und selbstmordgefährdeter Hikikomori (verkürzt etwa: Stubenhocker) seine Tage nur noch zu Hause verbringt.

Das ist in etwa die Situation von Naoko und Ruth, das Buch spielt, von Ruths Ebene aus betrachtet etwa ein Jahr nach dem Tsunami.

Schliesslich gibt es noch eine dritte Protagonistin, Naokos 104-jährige Grossmutter und buddhistische  Nonne Jiko, die die beiden anderen, man könnte sagen im Traum und in der Wirklichkeit zusammenführt. Für mich scheint Jiko die eigentliche Hauptperson in dieser Geschichte zu werden, aber, soweit bin ich nicht nicht…

Es ist eine Geschichte um Sein und Zeit – und um einen Eindruck vom ganzen Buch zu bekommen, sollte man unbedingt Maras eindrückliche Besprechung lesen. Darüber hinaus gibt es noch einige schöne, ebenfalls lesenswerte Besprechungen, die ich am Ende bei den Links vermerke.

Man lernt in diesem Buch eine Menge über Japan, insbesondere über das gnadenlose Schulsystem dort, über Mobbing unter japanischen Schülern – Naoko wird in ihrer Klasse als Fremdling extrem gemobbt – über Selbstmord und seine Stellung und Funktion in der japanischen Gesellschaft.

Man erfährt eine Menge über den Tsunami und seine Auswirkungen, über Krähen und Raben und andere Naturerscheinungen in Whaletown – und nicht zuletzt über die riesigen Müllteppiche in den Meeren und ihre verheerenden Auswirkungen.

Am Ende meines Posts möchte ich den Anfang zitieren, den Anfang des Buches:

Ein ewiger Buddha sagt:

Es gibt die Zeit, auf dem höchsten Gipfel zu stehen.
Es gibt die Zeit, auf den Grund des Ozeans zu gehen.
Es gibt die Zeit der drei Köpfe und der acht Arme.
Es gibt die Zeit des sechzehn oder acht Fuss (hohen goldenen Körpers).
Es gibt die Zeit des Wanderstocks und des Wedels.
Es gibt die Zeit der Säule und der Steinlaterne.
Es gibt die Zeit des dritten Sohns des Zhang und des vierten Sohns des Li (etwa: von Hinz und Kunz)
Und es gibt die Zeit der grossen Erde und des Raums. 

Dogen Zenji, “Die Sein-Zeit”

Für mich, den mich die ersten beiden und die letzte Zeile besonders angesprochen haben, habe ich, um mir diesen Roman ein bisschen anzueignen, dieses hier draus gemacht:

als konsequenz
im jetzt leben 

aber was ist
jetzt 

jetzt ist immer
grade 

also immer
schon vorbei 

gibt es also nur
vergangenheit?

gibt es also nur
zukunft?

vergangenheit?
vorbei

zukunft?
noch nicht hier

SEIN ZEIT

So, nun werde ich mal weiterlesen und sehen, was da für mich noch drin steht. Eine endgültige Besprechung wird es von mir vermutlich nicht geben, dafür sei noch einmal dringend aufs Maras Beitrag hingewiesen. Bei der Gelegenheit, Mara, ein grosser Dank an Dich für diesen grossartigen Buchtip!

Und allen, die ihn noch nicht gelesen haben eine fette Empfehlung, dieses grossartige Buch nicht zu verpassen. Es könnte alles so schnell gehen…

DIE LINKS

BuzzaldrinS (Mars Besprechung) >>> der Link

masuko13 – auch eine ausgesprochen lesenswerte Besprechung  >>> der Link

Japanische Literatur – auch hier gibt es eine lesenswerte (Kurz-)Besprechung, aber auch, wenn man sich, wie ich, im durch die Lektüre dieses Buches mehr für Japan und japanische Literatur interessiert, scheint mir diese Seite eine echte Fundgrube zu sein >>> der Link

Kölner Stadt-Anzeiger vom 6.3.2014 – sehr ausführliche Besprechung >>> der Link

Hundertvierzehn. Das literarische Online-Magazin des S.Fischer Verlages – auch hier eine verlagsseitig natürlich positive, aber durchaus interessante Besprechung >>> der Link

S.Fischer Verlag – Homepage des Buches mitsamt Leseprobe, die man als PDF runterlasen kann >>> der Link

 

NACHTRAG

Diesen Text habe ich vor drei Tagen im Krankenhaus geschrieben. Seit heute morgen bin ich nun endlich wieder zu Hause (jawoll!!!) und tatsächlich habe ich in den letzten drei Tagen neben den Untersuchungen und viel Ausruhen nichts anderes getan, als dieses Buch zu lesen. Und gestern war der Text endgültig aus – leider. Im Laufe der Lektüre passieren noch so viele verrückte, traurige, lustige und vor allem des Nachdenkens werte Dinge, so dass ich nur sagen kann, das Buch wird immer besser – lest dieses Buch. Jiko übrigens, die 104-jährige Großmutter, die als buddhistische Nonne in einem Kloster wohnt und neben großer Weisheit auch einen ganz handfesten Sinn fürs Leben ihr eigen nennt, ist für mich am Ende tatsächlich die faszinierende Haupt-Haupt-Person des Buches. – Für mich gehört die Geschichte für einen Augenblick von Ruth Ozeki schon jetzt zu den Lieblingsbüchern, mindestens diesen Jahres. Vielleicht würde es Euch ja auch so gehen…

BIRLIKTE – Zusammenstehen – und warum wir die Stadt Köln DOCH loben wollen (II)

Birlikte - Zusammenstehen - Online-Artikel auf Netz gegen Nazis vom 6. Juni 2014

Nach meinem kurzen Beitrag zur Feierei wg 65 Jahre Grundgesetz, der eine erstaunliche und für mich ausserordentlich erfreuliche Resonanz in der Bloggergemeinde nach sich zog, muss heute unbedingt der Hinweis auf dieses Ereignis in Köln sein. Hier geht es ebenfalls um die Würde des Menschen – und letztlich darum, dass es auch in unserem Land manchmal heißt: Die Würde des Menschen ist antastbar.

 

Notwendige Abschweifung I
Mein Verhältnis zu dieser Stadt Köln ist ein sehr ambivalentes – mir geht diese fürchterliche Selbstverliebtheit, dieses Geklüngel und Geschunkel zu wirklich  jedem Anlass, also dieser ewige Karneval total auf den Keks. Ich habe das schon einmal detaillierter in einer anderen kleinen Abschweifung manifestiert, und bevor ich mich wiederhole, kann man bei Bedarf HIER nachlesen, was genau ich meine.
Ende der Abschweifung

 

Ja, ABER!!!
Ja, ABER!!! Weil: immer wieder sind diese Kölner dann doch zu großartigen Sachen fähig, die so vermutlich nirgendwo anders passieren könnten. Und sowas ist eben auch BIRLIKTE  – und das ist eben die andere Seite der Kölner, die wirklich tolle und bewundernswerte.

 

BIRLIKTE – ein Kunst- und Kulturfest
Der Reihe nach: Vor genau 10 Jahren im Juni 2004 haben die drei Schweine von der sogenannten NSU (ob es noch mehr Beteiligte gab hat man bis heute angeblich immer nicht nicht sicher klären können) in der Kölner Keupstrasse eine Nagelbombe zur Explosion gebracht und damit nicht nur 22 Menschen teilweise schwer verletzt und traumatisiert, sondern eigentlich eine ganze Strasse, ach eine ganze Stadt.

Skandalös, ja geradezu rassistisch und unmenschlich möchte ich die folgenden Ermittlungsarbeit von Polizei, BKA, LKA, BND und wie sie alle heißen nennen. Ein Verdacht in Richtung Rechtsradikale kam nicht auf bzw. wurde sofort verworfen. Vielmehr wurde unter anderem dahingehend ermittelt, dass die Einwohner der Keupstrasse selbst, überwiegend Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (ich hasse diese Wort, das sind alles Kölner), oder etwa  ‘Menschen aus dem Milieu’, die Täter wären.

Da war die Keupstrasse in Köln und ihre Bewohner  also zum ‘Milieu’ geworden, womit natürlich ‘kriminelles Milieu’ gemeint war. Sie, die OPFER mussten sich infolge dieser ‘heißen Spur’ erniedrigenden Befragungen stellen, was am Ende für viele von Ihnen eine doppelte Traumatisierung bedeutet.  Ja, es führte soweit, dass teilweise selbst die Freunde und Verwandten in der Türkei sich von Ihnen, den OPFERN, abwandten und an diese Mär glaubten.

2011 hat man dann im Zuge der NSU-Ermittlungen eher zufällig herausgefunden, dass diese drei NSU-Schweine das gemacht haben.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis die Einwohner der Mülheimer Keupstrasse auch offiziell rehabilitiert wurden – durch einen Zufall sozusagen. Das gehört auch zu unserem Rechtssaat: Sein wiederholtes Versagen, wenn es um rechte Terrorgruppen, um Rassismus, um Faschismus geht. Es sitzen an den entscheidenden Stellen in all diesen datensammelnden Behörden immer noch zu viele Typen, die auf dem rechten Auge blind sind.

An all das soll nach 10 Jahren mit dem BIRLIKTE-Fest erinnert werden. Ja, mal wieder auf die kölsche Art, mit einer Kundgebung und einem sich daran anschließenden Kunst- und Kulturfest. Und bestimmt wird irgendwo auch wieder geschunkelt…

“Für Köln ist es wichtig, aufzuarbeiten was bei dem Anschlag und in den Jahren danach passiert ist . Köln braucht immer auch eine groß Bühne, um sich etwas in Sicherheit u schunkeln. Aber Birlikte bietet eine große Chance. Das Attentat war ein Angriff auf unsere Freiheit.” (Carolin Kebekus im KSTA, Birlikte Extra, Seite III, vom 7.6.2014)

Das Aktionsbündnis BIRLIKTE ein Zusammenschluss meherer Gruppen und Institutionen, die sich in Köln und anderswo für Respekt und Toleranz im Umgang miteinander einsetzen. Sie schreiben über sich selber

„Gemeinsam gegen Rassismus und Ausgrenzung – für eine gerechte und solidarische Gesellschaft“: Unter diesem Motto hat sich das „Birlikte“-Aktionsbündnis zusammengetan. Viele geben viel in dieses Bündnis hinein: Kreativität, Organisationsfähigkeit, Geld und Engagement – ohne Rücksicht auf die eigenen Ressourcen und immer der gemeinsamen Sache verpflichtet. (von der Webseite Birlikte.info)

Das wirklich Schöne ist, dass man merkt, quasi ganz Köln ist mit Herzblut an dieser Sache, an diesem Fest der Erinnerung beteiligt. Die meinen das wirklich ernst. Das ist keine Alibi-Veranstaltung, wie es so viele gibt. In allen Medien wird berichtet, der Kölner Stadtsanzeiger bringt eine Extra-Titelseite, auf der sich die einschlägigen Artikel zu Birlikte sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch finden, es gibt eine Informationsseite im Online-Auftritt der Zeitung und vieles mehr.

Interessant und wirklich bemerkenswert finde ich übrigens den Gastbeitrag des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Man kann ihn HIER nachlesen – und man kann sich ein bisschen vorstellen, was das für ein Präsident hätte sein können, ohne diese Barbie-Puppe, ohne diese grausliche Bildzeitungs-Connection, ohne dieses ganze jämmerliche Verhalten. Insofern wirklich schade.

Zur Erinnerung hier noch der Auszug aus seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit:

Zu allererst brauchen wir aber eine klare Haltung. Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe in seinem West-östlichen Divan zum Ausdruck gebracht: “Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.” (aus der Bremer Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010)

HIER kann man übrigens die ganze Rede nachlesen. Ich finde es tatsächlich lohnend.

Der aktuelle BP, Herr Gauck, hat sich dazu mehrfach sehr distanzierend geäussert, nachzulesen z.B. HIER.
Nun ja, er wird bei der Kundgebung eine Rede halten, sicher wieder über Freiheit, die er meint. Ich bin mit diesem Mann leider nicht häufig einverstanden, finde es aber dennoch gut, dass auch seine Stimme als oberster Repräsentant der BRD zu hören ist – hoffen wir das Beste…  Leider gibt es inzwischen Proteste gegen seinen Auftritt, die ich im Vorhinein ziemlich dumm finde – erst mal anhören, dann reagieren. Wer übrigens seine Rede hören bzw. sehen möchte, das WDR Fernsehen überträgt die komplette Kundgebung, die am Pfingstmontag um 16 Uhr beginnt, inklusive der Rede von Herrn Gauck.

So, jetzt habe ich genug geschrieben und meiner Begeisterung für dieses Fest und die Art und Weise, wie die Kölner das angehen zum Ausdruck gebracht. Meine dbH und ich würden sehr gerne dort hingehen und dabei sein – aber nun sind wir beide recht malade und nicht transportfähig und  werden zumindest die o.g.  Kundgebung am Fernsehen erleben, das immerhin.

Birlikte - Plakat

Plakat Birlikte

Für solche unter den verehrten Leserinnen und Lesern, dIe in Köln-Nähe wohnen und Lust bekommen haben, die Veranstaltung zu besuchen hänge ich hier mal das Veranstaltungsplakat hin. Das Logo oben habe ich übrigens von der Birlikte-Homepage. Das darf man da runterladen. Und so hoffe ich mal, dass es Copyright-technisch in Ordnung ist, wenn ich auch das Plakat hier platziere. Ist ja immerhin für eine gute Sache. Wer genaueres über das Programm der drei Tage wissen möchte klickt einfach mal HIER rein.

Meine persönliche Empfehlung | Die Lücke – ein Stück Keupstrasse
auch, weil mich das besonders interessiert hätte: Heute, am 7.Juni findet im Depot des Schauspiels  Köln, Schanzenstrasse 6 – 20 und in der Keupstrasse selber die Premiere des Stückes ‘Die Lücke – ein Stück Keupstrasse’ statt. Es ist ein Projekt von Nuran David Calis über das Leben in der Keupstraße und die Folgen des Anschlags. Das Stück  ist in enger Zusammenarbeit mit der IG Keupstraße und unter Beteiligung der Anwohner der Keupstraße entstanden.

 

Zum Schluss  die Links noch einmal in der Übersicht

Birlikte – Home | Der Aufruf

Birlikte – Tagesprogramm für alle drei Tage

Gastbeitrag Chjristian Wulff

Rede Christian Wulff zum 20. Jahrestag der dt. Einheit

Kölner Stadt-Anzeiger | alle KSTA-Artikel zu Birlikte

stern online über Birlikte vom 6. Juni 2014

Spiegel online – Gauck distanziert sich von Wulffs Islam-Rede

WDR Online – Bericht über Birlikte mit Hinweis auf Übertragung der Kundgebung

Protest gegen Gauchs Auftritt auf der Kundgebung – KSTA

Schaupiel Köln | Die Lücke – ein Stück Keupstrasse

 

65 Jahre Grundgesetz – eine Feierei mit Navid Kermani

GG1Wir nehmen das ja so hin, dieses Grundgesetz. Und wir nehmen das manchmal gar nicht so ernst, so zum Beispiel den schönen Paragrafen 16, der eigentlich einmal schlicht hieß  Politisch Verfolgte genießen Asylrecht. Das haben 1993 deutsche Politiker unter weitgehender Zustimmung des deutschen Volkes durch einen Wust von hässlichen Zusätzen ausgehebelt. Nur so kann es sein, dass das reichste Land der EU die wenigsten Flüchtlinge aufnimmt. Egal ob es sich um solche handelt, die übers Mittelmeer nach Lampedusa flüchten, oder die vielen syrischen Flüchtlinge, die eher in der ach so bösen Türkei Zuflucht finden, als bei uns.

Aber damit wollte ich gar nicht anfangen. Eigentlich wollte ich so anfangen:
Gestern vor 65 Jahren trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft – und bis heute ist es ein, wenn auch an einigen Stellen notwendig geänderter (aus 2 mach 1), an andere Stelle (s.o. § 16) schwer vergewaltigter, aber doch grundlegender Text für unser aller Zusammenleben.

Ich hätte dazu eine ganze Menge anzumerken, aber ich habe eben die Rede entdeckt, die Navid Kermani vor dem Bundestag bei einer Veranstaltung aus dem nämlichen Anlass gehalten hat. Damit ist eigentlich alles gesagt. Navid Kermani ist ein deutscher Publizist – ich habe auf diesem Blog bereits eines seiner letzten Bücher besprochen.

Ich möchte also an dieser Stelle einfach bloß auf diese kluge Rede hinweisen, die man hier >>> https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2014/-/280688  nachlesen und hier http://www.youtube.com/watch?v=hj_7dZO3pSs nachgören und -sehen kann.

Außerdem hat sie innerhalb kürzester Zeit bereits eine breite und sehr unterschiedliche Rezeption und Resonanz gefunden hat, was man unter diesen Links hier verfolgen kann:

ZEIT >>> http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-05/kermani-bundestag-rede-grundgesetz-kommentar

FAZ >>> http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/navid-kermani-im-bundestag-ein-vollkommener-text-12954481.html

Süddeutsche >>> http://www.sueddeutsche.de/politik/kritik-am-deutschen-asylrecht-kermani-stoesst-debatte-im-bundestag-an-1.1973124

Spiegel >>> http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grundgesetz-kermani-kritisiert-fluechtlingspolitik-a-971294.html

Die WELT >>> http://www.welt.de/politik/deutschland/article128346612/Bundestag-Feierstunde-endet-beinahe-im-Eklat.html

ntv >>> http://www.n-tv.de/politik/Danke-Deutschland-article12887951.html

tagesschau 01 >>> http://www.tagesschau.de/inland/grundgesetz196.html

tagesschau 02 >>> http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1396412.html
Interview mit NK

 

 

 

In eigener Sache

Seit Ostern habe ich hier nichts mehr geschrieben und mich auch kaum noch mit Kommentaren auf anderen Blogs bemerkbar gemacht. Der Grund dafür war nicht etwa Desinteresse, sondern eine sehr heftige körperlichen Krise, die ich als sehr existenzbedrohend  empfunden habe – und die es wohl auch war.

vorher

vorher

Die schlimmste Zeit habe ich nun hoffentlich geschafft (mein Nephrologe, der wunderbare, sprach mir von einem schweren Weg, der zu gehen sei, und wie Recht er hatte) und nun bin ich wieder ganz gierig auf das Leben, das übrig bleibt.

Es gibt, neben dem Arzt, der mich auf diesem Weg zuverlässig begleitet hat und das immer noch tut, und unseren wunderbaren Freunden, auf die man sich in großartiger Weise immer verlassen kann, einen Menschen, der bewirkt hat, dass ich nicht aufgebe, und das ist meine Iris. In meinen Beiträgen taucht Sie manchmal als dbH (deutlich bessere Hälfte) auf. Tatsächlich ist sie meine Partnerin, Ehefrau, Geliebte und allerbeste Freundin – und nicht weniger als mein Lebenselixier.

meine dbH

meine dbH

Ich weiß nicht, wieviele Menschen so ein Glück haben, ich bin jedenfalls so unglaublich dankbar dafür – und wünsche das jedem Menschen.

Wir haben in dieser Zeit viel miteinander  geredet und Tod und Sterben waren und sind wichtige Themen. Es ist so unglaublich befreiend, über den eigenen Tod, über das Sterben, den Weg dahin, reden zu können und beides als Teil des Lebens zu betrachten. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich meiner Iris dafür bin – und ich weiß, wie schwer das für Sie ist.

nachher - mit dbH

nachher – mit dbH

Jedenfalls haben wir zusammen ein paar Entscheidungen getroffen, nicht nur fürs Sterben, sondern auch für das Leben, das uns zusammen bleibt. Die wichtigste war die Entscheidung, dass wir uns von all dem unnötigen Ballast befreien, den wir nun seit Jahrzehnten mit uns rumschleppen. Das betrifft vor allem Dinge. Dinge, die sich im Laufe der Jahre ansammeln, die man nicht wirklich braucht und die man aber nicht wegwerfen möchte. Es wird hier sicher noch einmal in der einen oder anderen Form Thema sein, denn es geht auch um hunderte von Büchern und um knapp 1000 Vinyl-Platten,  also um die Dinge, die ich liebe, Musik und Literatur – und die ich natürlich auch nicht lassen werde.

So weit erstmal. Dies sollte eine Erklärung für meine Abwesenheit sein und vor allem ein riesengroßes Dankeschön an meine dbH, an alle Freunde, die schon wissen, wen ich meine und an alle Bloggerinnen und Blogger die mich zwischendurch mit ein paar netten Worten  ermuntert haben.

India - gewindelt

India – gewindelt

Ach je, natürlich muss ich mich auch noch bei unserer kleinen Hündin bedanken, die mich immer wieder mit ihren mehr oder weniger seltsamen Aktionen und Tätigkeiten sehr erheitert. Hier hat sie sich von ihrem gewindeltem Zustand (muss manchmal sein, auch eine Hündin hat mal Durchfall… ) nicht abhalten lassen, auch noch den allerletzten Kekskrümel aus dem Teppich zu saugen…

Bess demnähxt an dieser Stelle
sagt der Kai