“C’est fini! Pour cette fois!” / Es ist vorbei. Für diese Runde. #CharlieHebdo #JeSuisCharlie

skyaboveoldblueplace:

Charlie Hebdo. Jüdischer Supermarkt. Druckerei. Tankstelle. Schüsse auf Moscheen. Nigeria. Loko Haram. Pegida.

Fehlen Euch auch die Worte? Und geht Euch trotzdem fast das Hirn über vor lauter Gedanken darüber, wie das alles passieren konnte und vor allem, woran es liegt und was man ändern kann. Wo die Zusammenhänge sind.

Gehen Euch auch die Gedanken komplett durcheinander von emphatischem Mitleiden, Trauern, Verzweifeln. Ertappt Ihr Euch auch bei so komischen, fast hasserfüllten Gedanken, die Ihr nie denken wolltet und solltet

Mir geht es so. Mir fehlen die Worte. Aber man darf nicht Schweigen. WIR dürfen nicht Schweigen.

Pegida will jetzt als Verein anerkannt und gemeinnützig werden. Pegida gibt es jetzt auch in Österreich. Frau Le Pen will wieder die Todesstrafe in Frankreich einführen.

Nein, wir dürfen jetzt nicht Schweigen, so sehr uns auch die Worte fehlen.

Heike Pohl ist Journalistin und hat Worte gefunden. Sie hat sie auf ihrem Blog Textwerk veröffentlicht und ich möchte sie hier rebloggen.
Es ist ein längerer Text. Lest ihn bitte bis zum Ende, er ist gut, er ist wichtig. Ich habe dort die Worte gefunden, die mir fehlten. Ich hoffe, es geht Euch auch so.

Ursprünglich veröffentlicht auf heike pohl :

“C’est fini! Pour cette fois!” (Es ist vorbei. Für diese Runde.)
Das sagt eine junge Französin der Presse, nachdem am Abend der dritte Attentäter in Paris getötet wurde.

Mittwoch, 07. Januar, 12:34 Uhr
Ich lese bei Facebook den Post eines Kollegen und darin vom Überfall auf eine Zeitungsredaktion in Paris. Kurze Zeit später klicke ich auf einen der vielen Links, die mir von den unterschiedlichsten Quellen angezeigt werden. Ich kann bereits eine gewisse Form der Dynamik fühlen, die mit dieser Nachricht spürbar wird, noch bevor mir der ungeheuer laute Knall des ersten Schusses durch Mark und Bein fährt. Wie gelähmt sitze ich vor dem Bildschirm und schaffe es nicht, den Blick abzuwenden. Menschen fliehen über das Dach eines Hauses. Jemand filmt eine Szene, die sich unten auf der Straße abspielt. Die Menschen sind in Panik. Weitere Schüsse fallen und ich drehe – fast selbst in Panik – wild am…

Original ansehen noch 1.460 Wörter

Mark Twain – über die deutsche Sprache

Some German words are so long that they have a perspective.

Quelle: A Tramp Abroad, Appendix D, The Awful German Language

Petit Fours all in a row

Büchergilde Gutenberg – Edition Petits Fours

Notwendige Abschweifung 1
Vor einiger Zeit habe ich die kleine feine Reihe Petits Fours bei der Büchergilde Gutenberg entdeckt, aufmerksam gemacht durch Birgit vom Blog Sätze & Schätze. Birgit wiederum ist zu Ihrem Blog-Beitrag durch die Bücherliebhaberin und ihren sehr lesenswerten Aufsatz über verschiedene Editionen der Büchergilde auf glasperlenspiel13 angeregt worden. Auf glasperlenspiel13 gibt es übrigens noch einige weitere, sehr interessante Beiträge und Interviews, die anlässlich des diesjährigen 90. Geburtstages der Büchergilde erschienen sind. Hier findet ihr alle Büchergilde-Beiträge. – ALSO hier blogkreiselt es aber mal so richtig…
Ich habe mich jedenfalls sofort in diese kleinen feinen graphischen Liliput-Kostbarkeiten verliebt und habe, um die köstliche Dinger erwerben zu können, sogar meine alte Mitgliedschaft wieder aufleben lassen. In diesem Falle kann ich übrigens sagen, ich hab mich da letztlich gerne ‘zwingen’ lassen,  meine Mitgliedschaft wieder aufleben zu lassen, denn es gibt derart viele tolle Sachen für Büchermenschen bei denen, dass so ein Jahr wegen mir auch 8 Quartale haben könnte. Insbesondere, was, wie im Falle der Petit Fours oder auch anderer Büchergilde-Editionen die Kombination von Text und Graphik betrifft, ist die Büchergilde eine grossartige Quelle.
Ende der Abschweifung

Joachim Ringelnatz - Reklame Gedicht

Joachim Ringelnatz – Reklame
Gedicht

Notwendige Abschweifung  2
Diese Abschweifung ist notwendig, weil ich an dieser Stelle unbedingt auf einen meiner neuen Lieblingblogs, die ringelnatzereien hinweisen möchte. Nicht ganz zufällig hat auch da Birgit von Sätze & Schätze ihre Hand im Spiel, denn sie, Matthias vom Blog  beatgeneration | beat and beyond (wer sich fürs Thema interessiert findet da eine super Quelle) und ein geheimnisvoller Super-Administrator führen diesen tollen Blog gemeinsam zu Ehren des grossen Joachim Ringelnatz. Man findet auf diesem Blog, eine ungeheure Menge an Hinweisen, Zitaten, Gedichten und Informationen von und über Ringelnatz und seine Zeitgenossen. Jedem, der diesen Dichter liebt oder ihn einfach auf unterhaltsame Art und Weise näher kennenlernen möchte, sei dieser Blog ans Herz gelegt. Ja, und was soll ich sagen? Auch auf diesem Blog findet sich eine Petits Fours-Besprechung, denn es gibt dieses ausgesprochen lustige und schön umgesetzte Petit Four zu Ringelnatzens Gedicht ‘Reklame’, das ihr da oben abgebildet seht. Hier geht es zum Artikel darüber, sie haben ihn ‘ringelnatz und das männerleiden’ genannt – und das komplette Gedicht könnt ihr dort auch lesen. Es geht in diesem Gedicht, das für die Petits Fours Edition von Katja Spitzer wunderschön illustriert wurde, übrigens um eine Reklame für ‘Prostalind’. Hm, ich muss jetzt kurz mal Pause machen, muss mal grad irgendwo hin…
Ende der Abschweifung

Mark Twain - Sonntagsheiligung Edition Petits Fours

Mark Twain – Sonntagsheiligung
Edition Petits Fours

Mark Twain – Sonntagsheiligung
Ok, hatte ich fast vergessen über diese ganze Kulinarik mit den Natzereien… Darum geht es: Eines der Petit Fours heisst Mark Twain: Sonntagsheiligung in Deutschland , und wurde von Golden Cosmos (das ist ein Künstlerduo, bestehend aus Doris Freigifas und Daniel Dolz) illustriert und ist dem Buch Mit heiteren Augen. Geschichten von Mark Twain entnommen. Dieses Buch wiederum erschien erstmals 1924, im Gründungsjahr, bei der Büchergilde Gutenberg, war also eine der ersten Publikationen. So schliesst sich der Kreis zum 90-jährigen Jubiläum in diesem Jahr. Zufälle gibt’s…

Das Zitat
So, und wie komme ich jetzt auf das Zitat – in dem im Petits Fours wiedergegebenen Text kommt es selbstredend nicht vor? Ganz einfach, in der Notiz über Mark Twain, die sich ganz am Ende des Büchleins noch nach dem Impressum versteckt findet, steht es, als Beispiel für Mark Twains satirische Sichtweise auf die Welt und andere Dinge.

Und Warum?
Auch ganz einfach. Weil ich, im Gegensatz zu dem hochverehrten Mark Twain, die deutsche Sprache sehr gern mag – und das liegt nicht nur, aber auch, an den manchmal ellenlangen Wörtern, die in deutscher Sprache möglich sind. Mal ganz zu schweigen von den ellenlangen Sätzen, die ich, zum eventuellen Missvergnügen meiner geneigten Leserschaft so gerne bilde…
Und davon abgesehen, was kann es schöneres geben, als ein Wort mit Perspektive! Oder kann jemand einem hochpoetischen Wort wie  Schräg­len­kerdop­pel­ge­lenk­hin­ter­achse einfach so widerstehen? Na also. Was mögen sich da für grossartige Geschichten hinter verbergen, was da alles noch nachkommen kann…
Schade übrigens, dass das angeblich längste deutsche Wort aufgrund einer Gesetzesänderung im Jahre 2013 einfach so verschwunden ist. Es handelt sich um den herrliche Begriff Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. Hier kann man sein Verschwinden betrauern.

Mein  Fazit
– Mark Twain ist ein Schriftsteller, den ich jetzt endlich mal, über Tom Sawyer hinausgehend, erkunden muss. Natürlich werde ich mit dem Buch über die Reise durch Deutschland beginnen, in dem sich auch der Aufsatz über ‘die schreckliche deutsche Sprache’ befindet…
– Ich finde es klasse, dass es Wörter gibt, die eine Perspektive haben. Perspektive  bedeutet laut Duden online unter anderem Aussicht für die Zukunft. Wenn das nix ist.
– für Büchermenschen lohnt es sich, mal einen Blick auf das Programm der Büchergilde Gutenberg zu werfen.
– Bloglesen kann eine sehr inspirierende Sache sein (danke an Birgit und Bücherliebhaberin).
– man kann mit einem Zitat beginnen und ganz woanders ankommen
– Mark Twain hat eine ganze Liste von zitierenswerten Sätzen hinterlassen (s.a. hier)

Deshalb last not least
noch ein letztes Twain-Zitat, dass ich allen Lehrerinnen und Lehrern widmen möchte:

Zuerst schuf Gott die Idioten. Das war zur Übung. Dann schuf er die Schulverwaltung.

Quelle: Mark Twain –  Following the Equator, chapter LX!

Karl Kraus: An den Bürger

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Totenmaske Karl Kraus von Hans Freiberger, Buenos Aires nach einer Fotografie

 

KARL KRAUS

An den Bürger

Daß im Dunkel die dort leben,
so du selbst nur Sonne hast;
dass für Dich sie Lasten heben,
neben ihrer eignen Last;
dass du frei durch ihre Ketten
Tag erlangst durch ihre Nacht:
was wird von der Schuld dich retten,
dass du daran nie gedacht!

Ausgewählte Gedichte, S. 116
Zürich/New York : Oprecht, 1939

 

ERSTE NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
Rechts oben auf meinem Blog finden sich unter der Überschrift Wochengedicht  Gedichte, die ich in unterschiedlichen Zeitintervallen austausche. Dazu gibt es auch eine Seite des selben Namens, auf der ich alle Wochengedichte in chronologischer Reihenfolge zum Nachlesen archiviere. Was es mit den Wochengedichten auf sich hat und warum die Wochengedichte Wochengedichte heissen und trotzdem nur unregelmässig wechseln und schon gar nicht im wöchentlichen Rhythmus das könnt Ihr alles auf der Seite Wochengedichte nachlesen. Sie ist auch oben bei den Tabs noch einmal verlinkt.
Ende der Abschweifung

Warum heute ein eigener Beitrag für das neue Wochengedicht?
Weil ich sehr gerne darauf hinweisen möchte, daß Karl Kraus, den die  meisten wohl als Publizisten, Satiriker, Begründer, Herausgeber und einzigen Autor der in knallroten Heften zwischen 1899 und 1936 publizierten Politik-, Kultur- und Satire-Zeitschrift  Die Fackel oder vielleicht noch als Autor des dramatischen Mammutwerkes Die letzten Tage der Menschheit kennen, war auch ein wunderbarer Lyriker. Er konnte zärtlich, poetisch, traurig und sehr klar sein. So, wie in dem Gedicht An den Bürger, das ich oben noch einmal zitiert habe.

ZWEITE NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
Die letzten Tage der Menschheit wurden übrigens von drei Autoren (David Boller, Reinhard Pietsch, Jörg Zeller) als Graphic Novel sehr interessant umgesetzt – und was das schönste ist, man kann das Werk in Gänze online betrachten, und zwar HIER
Ende der Abschweifung

Warum gerade dieses Gedicht?
Weil mir, als ich es gestern wieder einmal las, die Aktualität der Aussage derart ins Hirn traf, daß ich es einfach hier weitergeben wollte. Vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, angesichts all der Flüchtlinge auf der Welt, die niemand aufnehmen möchte.

Und gibt es noch einen Grund?
Na klar: Weil ich mir damit die Gelegenheit verschaffe, ein anderes, mir wichtiges Gedicht von Kraus hier vorstellen zu können, das bei mir auf der zweiten Spur bei fast jeder Nachrichtensendung, die ich mir antue mitläuft. Es heißt

Zwei Soldatenlieder

In einem totenstillen Lied
vom Weh zum Wort die Frage zieht:
Wer weiß wo.

Wer weiß, wo dieses stille Leid
begraben liegt, es lärmt die Zeit
vorüber so.

Sie schweigt nicht vor der Ewigkeit
und stirbt und ist doch nicht bereit
zur letzten Ruh.

In einem lebenslauten Lied
vom Wahn zum Wort die Frage zieht:
Wer weiß, wozu!

Ausgewählte Gedichte, S. 84
Zürich/New York : Oprecht, 1939

 und ist auch aus den Ausgewählten Gedichten. – Das war es eigentlich schon und ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt – aber was soll ich sagen: Es war mir ein Bedürfnis.