Helden

Irgendwie ist es schon zum verrückt werden. Nun wollte ich doch endlich mal was über Musik schreiben – oder zumindest sowas zum Besten geben  z.B. meine besten Live-Alben aller Zeiten oder so ähnlich.

Aber nun hab ich gerade in der guten alten Tante Stadtanzeiger einen Artikel gelesen, der mich doch ziemlich bewegt hat – und den ich hier zumindest mal weiterempfehlen möchte.

Also, im Kölner Stadtanzeiger vom Sa., 6.Juli 2012 , S. 9) findet sich eine Reportage von Tom Frohn mit dem Titel „Der Geruch von Freiheit“. Einen Teil davon kann man hier unter demselben Titel mit dem Untertitel ‚Seit 56 Jahren ein Paar‘ online lesen. Schade, dass man das nicht ganz lesen kann, grad so was wirklich Wichtiges.

Worum geht es? Um ein Paar, der eine, Alfred Schiefer, ist 81, der andere, Ludwig Rubruck 83 – und auf dem Foto sehen die beiden noch ziemlich kregel aus. Ja klar, natürlich sind die schwul – und eben seit 56 Jahren ein Paar. Und das ist auch ihre Geschichte, aufregend, beeindruckend, aber nicht gerade einfach, nämlich das gelebte Schwulsein in der Bundesrepublik D., dem westlichen Hort der Freiheit. Und nun bekommen sie für Ihre Arbeit die Kompassnadel 2012 vom Schwulen Netzwerk NRW verliehen. Anlass ist der CSD-Empfang in diesem Jahr. Wie gesagt, hier kann man einen Teil dieser sehr lesenswerten Reportage lesen – und hier sind Leute mit einenm Papier-Abo klar im Vorteil, die können nämlich das ganze Teil lesen.

Warum ich darüber schreibe? Einmal, weil mich dieser Artikel wirklich sehr bewegt und gerührt hat, und weil diese beiden alten Knaben für mich wirkliche Helden sind. Aber darüber hinaus auch, weil es zeigt, wie skandalös in diesem Land, in dieser Gesellschaft immer noch mit Homosexualität umgegangen wird.

Mit dem letzten Satz der Reportage wird noch enmal Ludwig Rubruck zitiert:

“ Es gibt nur noch eins, was ich im Leben möchte. Ich kann immer nur sagen: Das ist mein Partner. Das Gesetz erlaubt nicht mehr, weil es juristisch gesehen nur eine Partnerschaft ist. Ich möchte aber in meinem Leben noch einmal sagen dürfen: Das ist mein Ehemann.“

Ja, das möcht ich auch noch mal erleben, dass unsere angeblich so libertäre Gesellschaft, unser kopftuchverbietender Staat, es erlaubt, dass das Normale normal ist und auch so genannt werden darf.

Statt dessen kann man von dieser Reportage lernen, dass der verdammte § 175, der 1872 in Deutschland eingeführt wurde, 1969 bloß eingeschränkt  (‚Schutzalter‘ war damals 21 Jahre) und erst 1994 ganz aufgehoben wurde. Und 1991, ja wirklich, erst 1991, hat die WHO, also die World Health Organization der UN Homosexualität aus ihrem Krankheiten-Katalog gestrichen.

Notwendige Abschweifung
Dazu aus meiner persönlichen Erfahrung: Anfang dieses Jahrtausends habe ich mal eine Schwangerschaft lang bei einem katholischen Verein in Bonn gearbeitet. Als Lektor einer Rezensionszeitschrift, die von den vielen katholischen, meist ehrenamtlich geleiteten Büchereien in Deutschland als Erwerbungshilfe genutzt wird.

Da wurde für eine Nummer ernsthaft ein Buch mit dem Titel ‚Homosexualität ist heilbar‘ rezensiert – und zwar wohlwollend! Für mich mit einer der Gründe, da wieder aufzuhören. Ich konnte die Veröffentlichung dieser Rezension nicht verhindern. Jaja, diese Katholiken.

So, nun will ich mal versuchen, mich nicht weiter aufzuregen, sondern mich meinem kleinen süssen Enkelchen zuwenden, der uns hier seit einer guten Woche große Freude bereitet – seine Eltern natürlich auch!

Und Euch, liebe Frauenspersonen, die Ihr jetzt schon wisst, wen ich meine, wünsche ich, dass Ihr weiterhin hemmungslos und gesetzesübertretend ‚meine Frau‘ zu Euren Liebsten sagt. Vielelicht ändert sich dann in unserem katrierten Land ja doch noch mal was – obwohl, mit dieser CSU als Regierungspartei und mit dieser unglaublichen Frau Schröder, die da kräftig dabei ist, jegliche emanzipatorischen Fortschritte wieder möglcihst weit zurückzudrehen, ist es derzeit eher nicht wahrscheinlich. Aber man kann diese widerliche Bande ja auch wieder abwählen. Au wei, jetzt reg ich mich schon wieder auf, nix da, jetzt ist Schluss für heute

sagt mal wieder der alte Opa Kai

P.S. und nächstes Mal dann endlich Musik, ähem

Eine Antwort zu “Helden

  1. Liebster „Opa Kai“, da lobe ich mir doch unseren Standesbeamten, der „janz op Kölsche Art“ von Ehe sprach und damit eine Form von „gerichtlicher“ oder besser „amtlicher Übung“ praktizierte, die uns Bräuten und sogar den Eltern der Bräute gefallen hat. Und natürlich bleibt meine Frau meine Frau!

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