Helden II – Die Lieblings-Live-Platten I

Bevor wieder was dazwischen kommt, muss ich nun endlich zur Musik schreiben. Hatte ich ja schon vor drei Jahren mal vor – und schwupp, schon ist es passiert. Und da es sich da auch um die Ursuppe meiner Jugend handelt, geht es hier natürlich auch um Helden, deshalb Helden II.

Meine Helden waren – und sind – solche, von denen ich nicht annehme, dass manche von Euch noch was damit anfangen können. Das ist, sagen wir mal, der Kolateralschaden der späten Geburt.  But anyway, da müsst Ihr durch.

Also, um mal die wichtigsten Namen zu nennen (und da werdet ihr schon die meisten kennen nehm ich mal an): Townes van Zandt, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Neil Young,  Ian Hunter, Little Feat, Jackson Browne, Joni Mitchell, Dexter Gordon, B.B. King, Sonny Terry & Brownie McGhee, Miles Davis, Southside Johnny & the Asbury Jukes, Kinks, Mott the Hoople, Eric Burdon, Rolling Stones, Willie Nelson, Johnny Cash, Todd Snider, Kinky Friedman, Carol King, Lucinda Williams, Rory Block, Harry Chapin, Lou Rawls, James Taylor, Hannes Wader, Konstantin Wecker, André Heller… ich hör hier mal auf zu namedroppen, aber nur vorübergehend.

Für heute hab ich mir nämlich ausgedacht, Euch mal eine kleine Liste hinzuschreiben mit den Live-Alben, die ich bis heute am liebsten höre und selbstredend für die allerbesten halte (ich höre tatsächlich generell am liebsten Live-Aufnahmen, wenn Sie denn gut sind).

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Little Feat - Waiting for ColumbusLittle Feat – Waiting for Columbus (1978)
Die sind die grössten, ganz klar. Little Feat hab ich erst 1977 entdeckt. Da haben sie im  damals noch brandneuen Rockpalast gespielt,  in der allerersten Rockpalastnacht in der Grugahalle in Essen. Das war noch mit den wunderbaren Moderatoren Albrecht ‚Tschörmen Telewischen Prautli Priesenz‘ Metzger und dem besten und beklopptesten Rockjournalisten und Musik-Fan, den ich im Fernsehen je gesehen haben,  Alan Bangs.

In dieser ersten Nacht haben Little Feat, Rory Gallagher und Roger McGuinn gespielt – und es war einfach mitreissend. Little Feat war damals eine unglaublich dynamische Live-Band.

Da gab es Lowell George in seiner weißen Latzhose, ein grandioser Sänger und vor allem Slide-Gitarrist. Für mich immer noch DER Slide Guitar Spieler, der sich abwechselnd mit dem anderen Gitarristen Paul Barrere und dem Keyboarder Bill Payne musikalisch duellierte.

Und dann gab es  natürlich noch die Tower of Power Horn Section. In dieser Nacht habe ich gelernt, was Bläser im Rock’n’Roll zu suchen haben.

Ach so, ja die Platte, Waiting for Columbus. Die kam dann ein Jahr nach dieser grandiosen Rocknacht raus – und die musste ich natürlich sofort haben. Eine Doppel-LP war das – heute gibt es mehrere CD-Versionen davon, aber irgendwie klingen die alle nicht so, wie meine alte, knackende LP, die nächtelang meinen Kopfhörer besetzten und mir heiße Ohren bescherte.

Auf dieser LP kommt für mich die Live-Atmosphäre ganz direkt rüber. Diese ganze Dynamik, die auch in der Rockpalastnacht drin war, aber auch die herrlich sentimentalen Country-Anklänge zwischen diesem, mit enormem Druck gespielten Rock’n’Roll Boogie.

Die Seiten 3 und 4 höre ich immer noch am liebsten. Auf Seite 3 finden sich, direkt ineinander übergehend, Dixie Chicken, Tripe Face Boogie und Rocket in my Pocket. Das ist für mich bis heute DIE Live-Sequenz im Rock’n’Roll überhaupt. Und Lowell George und Bill Payne sind hier unschlagbar. Leider findet man keinen Mitschnitt von allen drei Stücken hintereinander bei Youtube. Immerhin, das Mittelstück ‚Tripe Face Boogie aus dem Rockpalast-Konzert kann man hier sehen. Und dann beginnt die vierte Seite mit dem wunderbar sehnsüchtigem Willin‘ für Lowells‘ Dallas Alice, das in Don’t Bogart that Joint übergeht. Dann geht es weiter mit dem Apolitical Blues mit Mick Taylor an der Gitarre, den Sailin‘ Shoes um dann in Feats don’t fail me now  zu enden, natürlich (nicht!). Bis heute nicht, und deshalb gehört ‚Waiting for Columbus‘ bis heute zu meinen drei Lieblings-Live-Platten.

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Jackson Browne – Running on Empty (1977)
1977 muss ein echt gutes Jahr gewesen sein. Nicht nur, dass ich Little Feat entdeckt ahbe, nein da kam auch dieses ziemlich einzigartige Live-Album raus. Das war die erste LP, die ich von Jackson Browne  je gekauft habe – und ich find  immer noch, es ist seine beste.

Besonders an dem Teil ist jedenfalls, dass die 10 Songs an ganz unterschiedlichen Lokationen, also z.B. in verschiedenen Hotelzimmern, im Tourbus, im Proberaum oder eben auch in verschedenen Konzerthallen aufgenommen wurden (man kann das hier sehr schön nachlesen). Für mich ist diese Scheibe einfach der Inbegriff von music on the road, von Live-Musik und von dieser ganz besonderen Atmosphäre, die entsteht, wenn die Musiker mit Liebe und Leidenschaft dabei sind.

Was ich meine? Zum Beispiel der Song The Road.  Die erste Hälfte ist ein Mitschnitt aus einem Hotelzimmer, die zweite Hälfte kommt dann aus einer Konzerthalle. Man merkt den Umschnitt natürlich, die vorher total intime Atmosphäre bekommt plötzlich so einen kleinen Adrenalinschub durchs Publikum. Einfach toll.

Oder diese grandios verschnupfte Version von Cocaine, im Hotelzimmer aufgenommen, mit ein paar netten kommentaren zwischen den Strophen, man stellt sich vor, dass es dunkel ist und die Jungs sind tatsächlich auf der Suche…

Und dann der Schluss der LP, der aus zwei Stücken besteht, die ineinander übergehen, The Load-out und das inzwischen fast totgedudelte Stay (im Original von Maurice Williams and the Zodiacs). Das ist so ne Art sehnsuchtsvolle  Beschwörung ans Publikum, an die Roadies, an die Musik. Besser kann man ein Live-Album nicht abschließen, finde ich.

Naja egal, dieses Album höre ich jetzt schon seit 35 Jahren und es ist immer noch nicht alle. Deshalb steht es hier in dieser Liste ganz vorne.

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Steve Harley & Cockney Rebel - Face to FaceSteve Harley & Cockney Rebel – Face to Face (1977)
Und noch mal 1977. Da kam nämlich auch die dritte meiner drei Favoriten-Live-Scheiben raus, das ‚Face to Face‘ genannte Live-Album von Steve Harley & Cockney Rebel.

Steve Harley war so ne Art Glam-Rocker, der in den 70ern angefangen hat, mit Folksongs in Londoner Clubs aufgetreten ist, bis er dann mit ein paar anderen zusammen ‚Cockney Rebel‘ gegründet hat. Die bekanntesten Songs von Cockney Rebel sind wohl, Make me smile, Sebastian und Here comes the sun (da hat er den George Harrison Song gecovert).

Die Live-Platte Face to Face, natürlich auch ein Doppelalbum, ist jedenfalls in ihrer Gesamtheit bis heute für mich das Beste, was es von Steve Harley & Cockney Rebel gibt – und es kommt auch auf dieser Scheibe eine unglaublich tolle Stimmung rüber.

Meine Lieblings-Songs sind eigentlich alle, natürlich die schon genannten Hits wie Make me smile mit diesem sagenhaften ersten Takten, die so toll nur auf der Live-Platte rüberkommen. Aber was ich wirklich besonders mag, das sind so Sachen wie (If this is love) give me more, The Best years of our lives, (Love) compared with you und dann diese beiden zusammenhängenden Stücke Seeking a love (to share my pillow) und Tumbling Down (Oh dear, look what they’ve done to the blues, blues, blues). Ach Gott, und dann ist da noch Red is a mean, mean colour und so viele andere tolle Stücke. Ich hör das heute noch ganz oft, am liebsten laut im Auto, nach der Arbeit, oder nachts vom iPod.

Wie auch immer, falls Ihr nicht schon  zu jung seid, für so nen wunderbaren alten Kram, dann hört Euch die Sachen mal in Ruhe an. Mich begleitet das ganze Zeux schon ein Leben lang – und das wird wohl auch so bleiben.

Soooo, jetzt stelle ich fest, dass ich für die 3 besten Alben auf meiner langen Liste schon nen halben Roman geschrieben habe, das kann ja heiter werden, aber das müsst Ihr durch – wenn Ihr wollt.

Jedenfalls haben wir hier mit Little Feat eine Rock’n’Roll-Kapelle, mit Jackson Browne einen Songwriter und mit Cockney Rebel eine Band, die so chargiert zwischen Glam Rock, Pop und Folk-Anklängen. Das gibt schon mal einen wichtigen Teil meines Musikgeschmackes wieder, ist aber noch lange nicht alles!

Teil II kommt jedenfalls bestimmt, fragt sich nur, wann.

Sagt der alte Kai

Eine Antwort zu “Helden II – Die Lieblings-Live-Platten I

  1. Ach mein Kai, da hast Du aber tolle „Scheiben“ rausgesucht! Weißt du eigentlich noch, wie Du mich damals, vor 120 Jahren in Aachen, mit zu Dir nach Hause genommen hast, um mir „Rosie“ von der Running on Empty Platte vor zu spielen? – Ich war hin und weg: sooo toll! Ich hab mir natürlich auch gleich die LP besorgt und sie Abend für Abend rauf und runter gehört; mitsingen kann ich immer noch fast alle Stücke – Du auch, wie ich aus unseren gelegentlichen Autobahnfahrsessions weiß😉 Überhaupt hast Du mir damals ganz ganz viele tolle Platten vorgespielt, und alle sind bis heute auch auf meiner Bestenliste! Hach, Harry Chapin, Georg Danzer, und so viele andere: ich werd grad ganz sentimental. Danke für diesen schönen Artikel – und vergiss‘ Wolfgang Ambros nicht – der gehört auch mit dazu: es lebe der Zentralfriedhof!!!

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