Haiku-Manie oder: Japaner in Köln

So, liebe Leute, jetzt hat sich aus meinem Post Gedicht des Tages. und dem letzten eine wahre Haiku-Manie ergeben, an der sich über diesen und den Freundesblog Elke, Sandra, meine dbH und ich sich beteiligt haben.

Ich will hier mal kurz zusammenstellen, was dabei alles rausgekommen ist. Also ich find es toll, weil diese japanische Gedichtform einen einfach zwingt, sich komprimiert auszudrücken (was nicht wirklich meine Stärke ist, weshalb meine Haikus auch nicht die dollsten sind).

Also hier die gesammelten Werke – und damit fing alles an:

Ron Padgett
That
was fast.
I mean life.

First: five syllables
Second: seven syllables
Third: five syllables

Dann sozusagen ein historisches Original: 

Matsuo Basho (japan. Dichter, 15. Jh)
Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein
Oh! Das Geräusch des Wassers.

und die viel schönere Variante dazu:

Uralter Teich.
Ein Frosch springt hinein.
Plop.

Und jetzt  das gesammelte Schaffen von

Iris (dbH)
Herzen flattern wild
wie Deine Haare im Wind
Defilibrator.

strahlendes Leben
tief atmendes Sonnenlicht
fata morgana

Sandra
Der Wald ist dunkel.
Die Vögel zwischern leise –
fliegen zu Dir hin.

Schafsköttelkicken
über den Deich nach Dangast
Rhabarberkuchen
das ist einfach großartig, finde ich

Elfenreisen-Blog.
Die Spinnen weben ihr Netz.
Elfen haben keins.

Hautgeprickel zart.
Elfenflügel flattern wild
am Jadebusen.

Elke
Schwitzende Leiber
wandeln zum Waldsee:
nicht alle Elfen schwimmen.

Kai
Doppelter brechreiz
Rente wirtschaft fdp
Prolliberale

sommer sogenannter
tomatensonnensehnen
ganz schlechte ernte

küchenwasserhahn
tropftundtropftundtropftundtropft
nervensäge

Tag voller Wunder
mit Brötchen frisch auf den Tisch
aber ohne Mückenstich

und zum Schuss noch ein trauriges Tanka von mir, weil eine befreundete Hündin vorgestern gestorben ist:

Jojo träumt nicht mehr
schüchterne Hundeseele
jetzt träumt sie wieder

Trost, Freunde, gibt‘s da keinen
wisst: Ihr hattet ein Leben

 

Ich finde, das ist eine ganz ansehnliche Ausbeute – und ich bin nach wie vor fasziniert von dieser Form und was man mit Worten alles machen kann.

Beim simmelieren darüber  hab ich mich gestern an eine Situation aus der Mitte der 80er Jahre erinnert, die mir in Köln am Bahnhof passiert ist, als ich da an der legendären Rievkoochebuud (selig) einen ebensolchen verzehrte. Ach ja, und die große weisse Treppe war da noch nicht da.

Ich hab das damals aufgeschrieben und setze das jetzt einfach mal so hier hin – weil es sich um  ein quasi japanisches Erlebnis handelte (oho, da kommt er endlich, der Zusammenhang, ein bisschen weit hergeholt aber macht nix).

 

Japanisches Reisebild

Zwei Japaner auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln, beide mit Kameras behängt. Bleiben stehen, etwa in der Mitte der Linie zwischen Bahnhofsbuchhandlung und Rievkoochebuud.

Der eine geht zu der Bude und holt eine Portion Reibekuchen, kommt wieder zurück und egt die Reibekuchen auf irgendeinen Pfeiler, der da steht. Kurzes japanisches Palaver, dann nimmt der eine seinen Fotoapparat in beide Hände und stellt sich hin mit Blickrichtung Dom und darunterliegender Tiefgarageneinfahrt.

Der andere hat sich in der Zeit völlig unnötigerweise die Haare mit den Händen noch ein bisschen mehr an den Kopf geklatscht. Er nimmt jetzt die Reibekuchen, stellt sich mit dem Rücken zu Dom, Rievkoochebuud, Tiefgarage und darüber liegender Domplatte – geht weisungsgemäß noch ein paar Schritte zurück, damit das ganze Ensemble auch schön aufs Bild kommt – und hält dann die Reibekuchen und sein freundlichstes Grinsen in die Kamera. Danach ein kurzes, surrendes Geräusch, zur Sicherheit noch ein zweites und das Bild ist fertig.

Gleich drauf das Ganze umgekehrt, der andere Typ bekommt die Reibekuchen, stellt sich mit dem Rücken zur Köln-Staffage und gleich sind wieder zwei Bilder mit Japaner, Grinsen, Reibekuchen, Rievkoochebuud, Tiefgarage, Domplatte und Dom fertig.

Danach werden die Reibekuchen in den nächsten Mülleimer geworfen, wiederum kurzes japanisches Palaver und beide gehen ab.

Der Beobachter folgt auffällig und sieht, wie die beiden in die nahegelegene McDonalds-Speisegaststätte verschwinden. Der Beobachter läuft dabei gegen einen Laternenpfahl und sinkt weich auf den mit Pappbechern gepflasterten Gehsteig. So also, denkt er, sieht der Japaner die heilige Stadt Köln.

 

Jau, das war es für heute, beim nächsten Mal vielleicht mehr aus dem Fundus, mit Haiku ist jetzt jedenfalls erstmal Schluss, vielleicht.

Sagt der alte FastFoodKai

Eine Antwort zu “Haiku-Manie oder: Japaner in Köln

  1. Gerade eben habe ich zu Elke gesagt: Haiku hat wieder geschrieben – mich dann in Kai verbessert und jetzt festgestellt, dass ich nach der Haiku-Sammlung (großartige Idee, hätte von mir sein können) amüsante Geschichen über Kartoffelplätzchen und Papppppburgerherstelller zu lesen bekomme. Also ehrlich, ich sag lieber Haijn-San zu Dir!
    Als Anekdote zum Kölner Dom fällt mir ein, dass ich vor dem Eingangsbereich desselben Fastfoodherstellers in der Komödienstraße (also am Fuße der Domplatte) von zwei Touristen angsprochen wurde, wo denn der Dom sei. Ich deutete nur schräg nach oben und dachte: manchmal ist es ganz hilfreich, die Nasen gelegenlich aus dem Stadtplan zu erheben…

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