Ein Witz von Herrn Klee und Herrn Feld

Michel Bergmann

© Arche Verlag | Kathrin Steigerwald

Grade lese ich ‚Herr Klee und Herr Feld‘ von Michel Bergmann, einem Autor, den ich bis jetzt leider nicht wahrgenommen habe. Ein großer Fehler, denn der Mann schreibt grossartige Geschichten.

Notwendiger Einschub
Das Buch ist eigentlich der dritte Teil einer Trilogie. Die vorhergehenden Bände heissen ‚Die Teilacher‘ und ‚Machloikes‘, ich hab sie noch nicht gelesen, werde das aber sehr bald nachholen. Die Teilacher liegen schon auf dem Tisch… Trotzdem ist es gar kein Problem, beim dritten Band einzusteigen, denn der Autor hat die Bände so angelegt, dass man sie als eigenständige Romane lesen kann.
Notwendiger Einschub – Ende

So, jetzt nochmal: Das Buch erzählt die Geschichte eines jüdischen Brüderpaares, Moritz (77) und Alfred (75) Kleefeld, die zusammen in einer Gründerzeitvilla in Frankfurt am Main recht lebenslustig Ihrem Lebensende entgegengrummeln. Ich will hier gar nicht mehr erzählen, habe das Buch ja auch noch gar nicht ausgelesen, nur so viel: es ist ein tolles Buch. Es ist traurig, lustig, melancholisch, ohne dass es irgendwie Gefahr liefe, ins kitschige abzurutschen –  und es ist von diesem wunderbaren jüdischen Humor durchdrungen.

Und Humor ist dann auch das Stichwort – und der Grund, warum ich mich hier sozusagen schon mal vorab mit diesem Buch melde: Heute, bei der morgendlichen Bettlektüre, kam ich bloss bis Seite 186/187, danach ging erstmal nix mehr, und das kam so:
Es geht an dieser Stelle in einer Rückblende darum, dass die beiden Brüder Ihre tote Mutter, die mit 89 genug vom Leben hatte und mittels einer Trittleiter auf die Brüstung Ihres Balkons gestiegen und von dort in den Tod gesprungen war, identifizieren und ihre Beerdigung organisieren müssen. Bei dieser traurigen Angelegenheit philosophieren die beiden darüber, ob ihre Mutter wohl in den Himmel eingelassen wird – und Alfred erzählt seinem Bruder diesen Witz:

Ein alter Mann mit einem weißen Bart steht am Himmelstor und will rein, da kommt Petrus und fragt: Wer bist du? Da sagt der Mann: Ich heisse Josef, bin Zimmermann und komme aus der heiligen Stadt. Und sonst noch was?, fragt Petrus. Ja, sagt der Mann, mein Sohn ist aus toter Materie lebendig geworden und die ganze Welt liebt ihn! Da hat Petrus einen Verdacht und läuft zu Jesus. Du, sagt er, da draussen ist ein alter Mann, der sagt, er heiße Josef, sei Zimmermann, komme aus der heiligen Stadt und sein Sohn sei wieder lebendig geworden, nachdem er tot war! Jesus rennt ganz aufgeregt vor das Himmelstor, sieht den Alten, fällt ihm um den Hals und ruft: Papa! Der Mann lächelt ihn glücklich an und sagt: Pinocchio!

Ich habe das sofort meiner dbH vorgelesen und wir beide mussten dolle lachen. Diese Variante, in dem der Witz quasi potenziert wird, kannte ich noch nicht. In der Hoffnung, dass nicht nur meine dbH und ich, sondern auch andere sich darüber sehr verfröhlichen können gebe ich ihn hier mal vorab weiter.

Mehr zum Buch gibt es dann zu einem späteren Zeitpunkt, muss ja erstmal zu Ende lesen. Ausserdem geht mir die Suhrkamp-Geschichte nicht aus dem Sinn. Vielleicht müsst Ihr dazu also vorher auch noch was aushalten…

Bis dahin sagt ein in Geschichten versenkender Weise sich wieder aufrappelnder Kai

2 Antworten zu “Ein Witz von Herrn Klee und Herrn Feld

  1. Na ganz einfach, weil ich den dritten als ersten ganz frisch als Neuerscheinung in der Buchhandlung meines Vertrauens gesehen und weil er mich beim anlesen sehr angesprochen hat. Und natürlich, weil ich die ersten Bände nicht kannte, das hab ich erst im nachhinein bei der Beschäftigung mit dem Autor festgestellt. Ausserdem ist in diesem Fall glücklicherweise die Lesereihenfolge relariv wurscht, weil die Bände auch jeder für sich einen abgeschlossenen Roman darstellen.

    So, nun wünsche ich dem VfB noch ca. 4 Tore und Dir und der kleinen Elke noch einen schönen Abend und vor allem morgen eine Gute Fahrt, meldet Euch mal von der Insel

    wünscht sich das alte Wrack namens Kai

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  2. Lieber augerappelter (ich nehme das gute Ende mal vorweg) Kai, eben hab ich Elke beim Fußball schauen mit lautem Lache gestört: die Pinocchio-Variante kannte ich auch noch nicht 👍
    Eine Nachfrage zu Deinen Lesegewohnheiten habe ich doch: warum beginnst Du mitt Teil 3 statt 1?
    Grüße von der aschäferin im Reisefieber!

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