Apocalypse now! oder: RettetDieBücher!

Nach der Apokalypse: Ein Licht geht auf

Nach der Apokalypse: Ein Licht geht auf

Momentan fliegen die Stöckchen wieder verdammt tief und man muss schon sehr aufpassen, dass man von keinem getroffen wird.

Vor kurzem hatte mich ja schon eines von Claudia von Ihrem Grauen Sofa aus zum Thema Bücher und Hunde erwischt. Dem konnte ich wegen des wunderbaren Beitrages dazu dann leider nicht entgehen – und nun schmeißt mir auch noch Mara von buzzaldrins eines zu –  und noch einmal geht es mir so, weil ich die Idee gut finde, denn sie führt einen dazu, sich an das bisher Gelesene zu erinnern.

Die Geschichte hat bei Tobias und seinem Blog texte und bilder begonnen und geht seitdem weiter und weiter und weiter und weiter  …. und nun  ist sie bei mir gelandet.

Damit alle wissen, worum es geht zitiere ich hier Tobias von texte und bilder , sein freundliches Einverständnis vorausgesetzt:

Wenn du drei Bücher vor der Apokalypse, die alle anderen Bücher auf dem Planeten zerstört, retten könntest – welche wären es? … Welche Bücher sind es wert, gerettet zu werden? Welcher Lesestoff muss unbedingt vor der Apokalypse bewahrt werden? …Das Wichtigste dabei ist natürlich das Warum: Warum sind es genau diese drei und nicht andere? Die Entscheidung ist keine leichte. Daher sollte man sich beschränken – sagen wir auf eine Begründung in nicht mehr als 140 Zeichen pro Buch. 

Wer es noch genauer wissen möchte klickt einfach auf einen der Links weiter oben.

Man sieht an der Fragestellung schon, die Schwierigkeit besteht in der Art der Auswahl: versuche ich das auf subjektiver Grundlage oder entscheide ich mich für drei (drei!!!, man müsste eigentlich 30 oder 300 oder… nennen) Titel nach der Frage, was gehört zur Weltliteratur. Tja, und dann soll man das auch noch mit 140 Zeichen bewerkstelligen!!! Ich? Ausgerechnet??? Mara! Aber gut, ich werde es versuchen – und um es vorweg zu sagen, ich bastele da auf der ganz persönlichen und nicht auf der Weltliteraturschiene herum. Hier nun meine Titel:

 

LukianLukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge. Übersetzt aus dem Griechischen von Christoph Martin Wieland. 1987 als erster Band der von HME herausgegebenen und von Franz Greno verlegten Anderen Bibliothek. Und nur in dieser wundervollen Ausgabe, in Blei gesetzt auf einer Monotype, in Nördlingen auf feinstem Papier gedruckt, fadengeheftet, mit Lesebändchen und einem geprägten Lederrückenschildchen. Das Cover in tiefem, melierten BLAU. 627 Seiten. Bis hierher zählt das mit den 140 Zeichen nicht, glaube ich, aber ab jetzt das

Warum
Rhetoriker und Sophist, dem nichts heilig und alles diskussionswürdig war Amüsant und lehrreich für alle und jederzeit und in dieser Ausgabe auch haptisch ein Genuß
(ohne Leerzeichen, mit falschem Genuss – und die Satzzeichen habe ich auch weggelassen, bisschen Schwund ist eben immer, wenn man sich schon auf SMS-Länge einlassen muss.

 

UlyssesJames Joyce: Ulysses. Neu übersetzt von Hans Wollschläger, zuerst erschienen im Suhrkamp Verlag, 1975, 987 Seiten.

Warum
Ein Tag im Leben eines Menschen und eine ganze Welt entsteht Dublin Molly Bloom Die Übersetzung von Hans Wollschläger 1976 bei einer Lesung mit ihm Großartiges Chaos
sparsam gewesen, bloß 139 Zeichen gebraucht!

 

ungeduschtMax Goldt: Ungeduscht, Geduzt und Ausgebuht. a-verbal Verlag, 1988. Wenn ich ein weiteres nenne dürfte dann noch ‚Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz‘ (1987) vom selben Autor im selben Verlag.

Warum
Die Hirschgeweihe Damit man später mal die Wahrheit über uns erfährt Weil das Absurde das Leben oft am besten erklärt Wegen der großartigen Sprache, schon in den 80ern
Ha Punktlandung Schon wieder Genau 140 Zeichen abzüglich s.o. Sehr stolz Ab jetzt nur noch Posts in SMS Länge Und Haikus Kein Wort zuviel Verdichtet durch Verdrängung

 

Überrascht über die Auswahl? Ich auch. Eigentlich wollte ich noch das rororo Rocklexikon in der 1976er Auflage von Barry Graves und Sigfried Schmidt-Joos als unabdingbar für die musikalische Geschmacksbildung hinzunehmen, den Kurzroman Goodbye Columbus von Philip Roth als Beispiel dafür, wie schwere Themen leichtfüssig daherkommen können und und und… Aber bitte, drei Bücher und 140 Zeichen. Da habt Ihr nun den Salat.

Weitergeben möchte ich dieses Blogstöckchen zur weiteren Rettung der Bücher vor der Apokalypse sehr gerne an Maren, die den wunderbaren Blog Von Orten und Menschen betreibt. Von ihr weiß ich aus einer Bemerkung in einem Kommentar, dass sie mit Blogstöckchen eigentlich nichts anfangen kann. Da geht es ihr wie mir – aber man sieht ja, was daraus werden kann. Und außerdem möchte ich das Stöckchen vorsichtig an Flattersatz weiterreichen, dessen Blog aus.gelesen ich auch erst vor kurzer Zeit kennengelernt habe und den ich, genau so wie den von Maren mit großem Gewinn lese. – Ich würde mich sehr freuen, wenn sie das Stöckchen aufnehmen würden.

20 Antworten zu “Apocalypse now! oder: RettetDieBücher!

  1. Nun habe ich als erstes die Bibel gewählt, als nächstes denke ich, würde ich ein Kulturlexikon und dann ein Philosophielexikon mit in den Bunker nehmen. Damit ginge ein großer Teil unseres Wissens und unserer Wertmaßstäbe nicht verloren.
    Wenn ich mich der Literatur zuwende, denke ich Ulysses, Shakespeare und Umberto Ecco. Aber ich müsste wenigstens ein Buch austauschen, denn ich würde gerne ein „Stück“ deutsche Literatur mitnehmen. Und wie sieht es mit der Bewahrung vom Humor aus?

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    • Liebe Susanne,
      bitte sei mir nicht böse, dass ich jetzt erst auf Deine schönen Vorschläge reagiere – irgendwie ist mir das aus dem Gesichtsfeld gerutscht, aber vergessen habe ich es nicht.
      Deine Vorschläge, wollte ich jedenfalls sagen, fand ich ausgesprochen bereichernd – und völlig aus der Reihe fallend. Darauf ist bis dato bei dieser Aktion noch keiner gekommen, aber genau, was wären wir ohne dieses Wissen.
      Wenn Du den Humor ansprichst: Ich habe ja den Max Gold eingepackt, aber wenn man das noch ausdehnen möchte, dann würde ich unbedingt noch die Gesamtausgabe von Robert Gernhardt (wir tun jetzt mal so, als ob das EIN Buch wäre mitnehmen. Der ist für mich einer der vielseitigsten und größten zeitgenössischen Humoristen und verdient eigentlich eine ganz eigene Abteilung.
      Liebe Grüße, Kai

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  2. Hahaa. Ich würde die Apocalypse vermutlich nicht überleben, weil ich mich nicht für drei Bücher entscheiden könnte.😀

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  3. Pingback: (Die Sonntagsleserin) KW #15 – April 2014 | Bücherphilosophin.

  4. Das ist eine schwere Frage, Kai, darüber muss ich nachdenken.
    Aber es fällt mir bestimmt etwas dazu ein … spontan will ich tatsächlich die Bibel sagen, obwohl ich in keiner Kirche bin.
    Da muß ich mich hinterfragen, warum mir dieser Gedanke kam….
    Einen schönen Samstag von Susanne

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  5. Lieber Kai, der geschätzte Stanislaw Jerzy Lec würde vielleicht sagen: „Das Leben zwingt den Menschen zu allerlei freiwilligen Handlungen.“ – Ich melde hiermit Vollzug – keine Regel ohne Ausnahme! -, und sage herzlichen Dank für deine Worte: die über die Bücher, die du rettest, ebenso wie die an meine Blog-Adresse gerichteten. Liebe Grüße!

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  6. Pingback: Bücher retten | Von Orten und Menschen

  7. Schöne Mischung – vor allem habe ich den Ulysees bei den anderen Rettern vermisst, das beruhigt, dass er jetzt doch noch überlebt. Und dann zur Entspannung Max Goldt, das passt.

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  8. Bin ich spießig? Ich habe spontan an die Bibel gedacht 😇

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  9. Lieber Kai,
    da ging es Dir heute ja so wie mir! Mir flatterte nämlich genau dieses Blogstöckchen auch auf den Bildschirm, von Sophie losgeschickt. Wie schön, dass wir alle so unterschiedliche Werke einpacken. Wir sollten nun nur noch einen Treffpunkt ausmachen, dann können wir nach der Apokalypse zumindest mit einer kleinen Bibliothek starten.
    Viele Grüße, Claudia

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    • Liebe Claudia,
      ja, es ist so was mit diesen Blogstöckchen. Habe Deinen Beitrag auch heute gelesen und mich sehr an Deiner Auswahl gefreut.
      Jetzt werde ich ich michaber erstmal wieder unter den durchfliegenden Stöckchen wegducken (es sei denn, es wär wieder so was, was mich gleich anspricht, dann macht es ja echt Spaß, muss ich zugeben). Die Idee mit der Bibliothek ist gut. Ich würde mich dann als Bibliothekar zur Verfügung stellen und DANN endlich mal das tun, was Bibliothekaren so gemeinhin unterstellt wird: „Ach, dann lesen Sie also den ganzen Tag nur Bücher?“
      Jaha, das würd ich dann machen…
      Liebe Grüße, Kai

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      • Und während Du über unseren heiligen Bücherschatz wachst, dann und wann eines ausleihst, ein zurückgebrachtes wieder an seinen Platz stellst, ansonsten vertieft in die Lektüre bist, tummeln sich daneben die Hundejungs und Hundemädels — was für eine Idylle nach der Apokalypse!

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  10. Mich würde die Apokalypse mit voller Wucht treffen, während ich vor meinem Bücherregal verzweifle, weil ich vergeblich versuche, mich zu entscheiden. Den Don Quijote, wahrscheinlich, Rafael Albertis „Marinero en Tierra“, und dann wird’s schwierig…

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    • kann ich verstehen, liebe Trippmadam. Da muss man trickreich sein und sich zusammentun. Es gibt ja jetzt bereits eine apokalyptische Bibliothek,s. Kommentar von Claudia, da relativiert sich das schon wieder. Don Quijote wär übrigens klasse, den anderen Autor kenne ich leider gar nicht, werde ich mal recherchieren
      Liebe Grüße, Kai

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  11. Wunderbar deine Antwort auf dieses Blogstöckchen! Ganz besonders toll finde ich die Tatsache, dass ich (noch) keines der drei von dir genannten Bücher kenne! Besonders der Ulysses wird aber wohl auch eher ein langfristiges Leseprojekt – für die Zeit der Rente, oder so.
    🙂

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    • Liebe Mara,
      das war erstmal eine echt schwere Geburt, weil ich mich nicht dauernd wiederholen wollte. Habe ja in meinen letzten Posts schon schon einige mir wichtige Bücher quasi angemeldet.
      Man sieht daran einfach, wie ungeheuer reich und vielfältig das Reservoir an großartiger Literatur ist. Ist doch eigentlich auch ein schöner Rückschluss aus der ganzen Aktion. Da haben wir noch eine ganze Menge Welten vor uns.
      Mit dem Ulysses fang lieber nicht soo spät an (obwohl Du ja noch ein junger Hüpfer bist…), meine Erfahrung ist, dass man da mehrere Anläufe braucht. Und am Stück muss man den eh nicht lesen, aber er lohnt sich auf jeden Fall.
      Liebe Grüße, Kai

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