Meine Daten, Deine Daten – Juli Zeh und Philip Riederle im Gespräch

irreMan hat es ja fast schon wieder vergessen: nicht nur das Kanzlerinnen-Handy wird abgehört (was mir am Ende schnurz ist), sondern überhaupt fast alles wird abgehört und gesammelt, was an privaten Daten über uns sammelbar ist. Völlig willkürlich. Darüber habe ich ein sehr lesenswertes Gesprächsinterview im aktuellen Chrismon-Magazin gefunden, einem evangelischen Magazin, das in vielen überregionalen Tageszeitungen beiliegt und zuweilen sehr interessante weltliche Beiträge enthält. So auch in diesem Fall. Die Gesprächspartner sind die Autorin Juli Zeh (Nullzeit, Spieltrieb und in diesem Zusammenhang besonders: Angriff auf die Freiheit, zusammen mit Ilja Trowanow) und der sogenannte Digital Native (uff) Philip Riederle (19), der im letzten Jahr den Titel „Wer wir sind und was wir wollen“ veröffentlichte und Vorträge vor Managern und anderen über ‚Die Lebenswelt seiner Generation‘ hält.

Der Untertitel des Gesprächs lautet ‚Die Schriftstellerin und der Digital Native über Kundenkarten, internetfähige Brillen – und die totale Überwachung‘

Es geht um die Privatsphäre eines jeden von uns, wie wir damit umgehen können und wer, ausser uns selbst, dafür Verantwortung trägt (genauer: tragen müsste).

Das Gespräch findet sich HIER

9 Antworten zu “Meine Daten, Deine Daten – Juli Zeh und Philip Riederle im Gespräch

  1. Pingback: Von Big Data zum Überwachungskapitalismus | skyaboveoldblueplace

  2. Lieber Kai,
    bin ich wohl offensichtlich von Blindheit oder Unkonzentrietheit geschlagen gewesen, jedenfalls habe ich den Artikel gestern nicht entdeckt. Dabei treibt mich das Thema sehr um, nicht zuletzt auch durch die Auszeichnung Laniers mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels. (Sein Buch liegt noch hier, es gibt so viel schönere zu lesen, obwohl seins ein wichtiges ist. Er betrachtet jedoch weniger den Staat als vielmehr die privaten Unternehmen, die unsere Daten nicht nur sammeln und auswerten, sondern damit auch noch schön Geld verdienen und uns mit passgenauer Werbung versorgen möchten – Data Mining halt). Unsere digitalen Daten und der Umgang damit sind jedenfalls ein ganz wichtiges Thema – und so freue ich mich, dass Du mich noch einmal auf Juli Zehs Interview hingewiesen hast.
    Viele Grüße, Claudia

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    • Liebe Claudia,
      das Buch von Lanier habe ich auch auf dem Zettel, nicht, weil ich dazu Lust habe, sondern, weil es wohl wirklich wichtig ist. Ich schiebe es aber noch von mir weg, im Moment brauche ich andere Sachen. Trotzdem wollte ich mit meinem kurzen Post auf dieses Interview hinweisen und damit vielleicht dieses Riesenproblem wieder wieder ein bisschen bewusster machen (wahrscheinlich mir selbst am meisten). Du erwähnstbzu Recht das Data Mining der großen (und natürlich auch der noch nicht so großen) Internetriesen – hier ist ja übrigens lustig, dass Facebook immer noch in den roten Zahlen steckt, was aber die Aktienmärkte nicht daran hinderte, diesen kleinen Kontrollfreak über Aktienkurse stinkreich und mächtig zu machen. Es ist alles so widersinnig. Was wollte ich sagen: ja, das Data Mining und vor allem, was man damit machen kann ist das grosse Ding und die grosse Gefahr. Ich würde aber inzwischen fast nicht mehr zwischen den Spionage-Einrichtungen der Staaten und den grossen Firmen unterscheiden. Da gibt es auf beiden Seiten so viel Heuchelei und hingenommene Intransparenz – und genau das macht Angst und anscheinend ohnmächtig. Die Regierungen, denen die staatlichen Spionageorganisationen theoretisch unterstehen, sind anscheinend kaum mehr kontrollierbar, oder hat jemand den Eindruck, Frau Merkel weiß, was der BND tut oder kann es beeinflussen. Geschweige denn dass Herr Obama über die NSA/CIA/etc-Aktivitäten wirklich Bescheid weiss (bin sicher, auch sein Handy wird on denen abgehört) oder gar beeinflussen könnte, was die tun.
      Liebe Grüsse
      Kai

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  3. Hallo Kai, aus uns wird noch ein philosophierendes Schreib-Paar🙂
    Mit dem Vergleich zum Tierreich meinte ich, dass die meines Wissens nur töten aus Instinkt und Hunger, aber nicht aus Lust, Machtgefühl und perverser Phantasien wie der Mensch. – Die Nahrungskette finde ich in Ordnung, damit also auch, dass Schwächere oder Langsamere von stärkeren oder schnelleren Tieren gefressen werden – so ist es von der Natur gedacht. Im Paradies war es vielleicht anders, da hat jemand täglich Futter verteilt wie im Zoo – doch das kam ja auch von anderen Lebewesen, denn ein Löwe oder ein Tiger, die sind nun mal nicht mit Körnerfutter zufrieden.
    In dem Dokumentarfilm über Walter Jankas Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“, in dem ich als eine von vier Befragten mitspielen durfte, ging es u.a. um den Prozess mit Hilde Benjamin. Erschütternd fand ich, warum sich z.B. Anna Seghers nicht entlastend für Janka eingesetzt hat. Wahrscheinlich ist bei (geahnter) Gefahr den meisten das Hemd näher als der Rock. Seghers wäre sicher nichts passiert, wenn sie sich eingemischt hätte. Aber vielleicht waren die Erfahrungen aus dem Dritten Reich noch so präsent, dass sie nicht „konnte“.
    Du schreibst „Fast könnte man denken, die sind heute noch hinterfotziger, denn die nehmen diese Proben – digitale Spuren, Bewegungs- und Lebenspofile – ganz und gar wahllos.“ – und ich meine, die sind es schon deswegen, weil die Technik so viel besser ist und so viel mehr schreckliche Sachen erlaubt. Und jetzt setzen wir beide hier auch eine „Geruchsprobe“.
    Ich muss bald in die Stadt – mit einem Mann und seiner Familie treffen. Er ist so alt wie mein Sohn und hat in meiner Görlitzer Zeit in der Nachbarwohnung gewohnt.
    Liebe Grüße von mir

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  4. Ich glaube, viel ist nicht mehr privat. Trotzdem weigere ich mich, mich davon allzu sehr verunsichern zu lassen. Nenn mich naiv oder trotzig – sicherlich ist beides etwas zutreffend. Doch fühlt sich das für mich besser an als resigniert oder paranoid zu sein – und die Fakten bleiben die gleichen.

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    • Liebe Sandra,
      da hast Du wahrscheinlich recht, viel bleibt denen bei Bedarf nicht verborgen. Aber damit muss man sich ja nicht einfach so abfinden. Ich finde schon, dass der Staat BRD sich um die Privatsphäre seiner Bürger deutlich mehr und intensiver – und vielleicht auch mal auf Kosten des großen Heititeiti mit den USA – darum zu kümmern hat. Da sind diese Leute absolute Totalversager – und ich vermute, zumindest bei einigen, mit voller Absicht.
      Liebe Grüße sagt das alte Zirkuspferd

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  5. Hallo, schön, dass du mal wieder schreibst – allerdings ist das Thema weniger schön. Da dachte ich nun, ich hätte 1989 so ein Gesox hinter mir gelassen (2010 habe ich mich mal darüber geäußert: http://chh150845.wordpress.com/2010/01/16/die-stasi-weder-freund-noch-helfer/ oder hier http://chh150845.wordpress.com/2010/01/15/abiturbeurteilung-aus-der-ddr/
    … und jetzt sind sie mir einfach hinterhergekommen. Gut, da ich keinen Job mehr brauche, können sie mir nicht mehr persönlich schaden, aber widerlich ist es schon.
    Manchmal lobe ich mir doch die Umgangsformen im Tierreich – gut, da kaut mal einer (Lenny, unser Hund) einem anderen Hund das Ohr an oder ab, aber ansonsten ist alles klarer und sauberer.
    Wir bleiben sauber, nicht wahr?

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    • Liebe Clara,
      klar, wir bleiben sauber – oder versuchen es zumindest. Ich fürchte, die Umgangsformen der Tiere auf den Menschen zu übertragen werden nur in manchen Bereichen klappen. In der Finanz- und sonstwie Dreckswirtschaft z.B.: da frisst auch der eine den anderen, wenn er Hunger hat einfach auf. Instinkt nennt man das, oder. Also ich glaube, die Tierwelt ist genauso brutal für die kleinen Fische, wie die Menschenwelt. Ich fürchte, man darf sich da keine allzu idyllischen Vorstellungen machen – es sei denn, man geht in den Zoo, da sind wenigstens alle gleich gefangen.
      Ich habe übrigens Deine beiden verlinkten Artikel gelesen, das macht wütend. Ich kenne das alles ja nur sozusagen angelesen – eines meiner Schwerpunktthemen im Studium war die sogenannte DDR-Literatur – das Thema, nicht nur Literatur, sondern vor allem der Staat DDR, Stasi, Überwachung, das politische System, das Sozialismus genannt wurde, die gutgläubigen oder sagen wir gutmeinenden wie Janka z.B. hat mich bis zur Wende und darüber hinaus nicht losgelassen. Ich habe Jankas Bücher Schwierigkeiten mit der Wahrheit und Spuren eines Lebens gelesen, habe schon vor der Wende mich mit dem Prozess wegen ‚Konterrevolution‘ gegen Janka, Gustav Seibt, Zöger (die anderen Namen habe ich nicht mehr im Kopf) intensiv beschäftigt und bin dann nach der Wende doch aus allen Wolken gefallen, weil das alles noch viel widerlicher, verlogener, hinterhältiger und dreckschweiniger war, als ich sowieso schon vermutete. Und ich begann, Leute wie Harich und andere zu verachten. Möglicherweise zu unrecht, weiss ich, wie mutig ich da gewesen wäre?
      Das ganze Ausmass ist mir dann noch einmal vor Augen geführt worden, als ich den Erich Löst auf der Buchmesse Anfang der 90er Jahre am Stand seines damals neu gegründeten Lindenverlags getroffen habe und er mir eine Art Einmachglas mit einem Schwamm drin zeigte. Das war eine Geruchsprobe von ihm, die die Stasis von ihm genommen hatten. Und da trifft sich das wieder mit den heutigen Methoden, nur dass die eben digital sind. Da werden auch, fast wahllos digitale Geruchsproben genommen zur späteren Verwendung gegen Menschen. Fast könnte man denken, die sind heute noch hinterfotziger, denn die nehmen diese Proben – digitale Spuren, Bewegungs- und Lebenspofile – ganz und gar wahllos.
      Naja, jetzt höre ich auf, man könnt sich sonst zu Tode aufregen, aber wir wollen ja doch trotzdem ganz fröhlich Leben und den mit dem A….e winken.
      Liebe Grüsse
      Kai

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