Song of the day – B.B. King: The Thrill is gone

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B.B,. King & Lucille

Photography by Tom Beetz
[CC BY 2.0(http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D
via Wikimedia Commons

Ist natürlich völliger Quatsch. Der Mann wird zwar im September, wenn wir alle Glück haben, 90 Jahre alt, aber sobald er auf der Bühne sein Stühlchen erreicht hat  und seine Lucille im Arm hält, sind sie alle wieder da, diese perlenden Töne, von denen Mark Knopfler auch heute  noch träumt. Und ich mag Mark Knopflers Gitarrenspiel wirklich sehr.

Wie komm ich jetzt überhaupt darauf? Also, das ist Stefan von Freiraum schuld, der gestern ein wunderbares Regenwaldfoto gepostet, den Beitrag treffend ‚Come Rain‘ genannt und dazu auch noch einen YouTube-Link zu Come Rain or Come Shine gesungen von Ray Charles zur musikalischen Untermalung des Bildes gesetzt hat. Wunderschön.

Und  natürlich habe ich dann noch ein bisschen weiter geschaut und bin schliesslich im Madison Square Garden im Jahre 2009 gelandet. Da kommt der dicke alte Mann mit seiner bunten Glitzerjacke  auf die Bühne gewackelt, setzt sich hin, sagt ein paar Worte zu Stevie Wonder – und lässt seine  Lucille sprechen, einfach zum Wegschmelzen:

Stevie Wonder & B.B. King: October 29 and 30, 2009 Rock & Roll Hall of Fame 25th Anniversary Concert Madison Square Garden, New York

B.B. und Lucille begleiten mich seit den 70er Jahren – es war unser Englisch-LK-Lehrer, der mich und ein paar andere Musikfreaks 1977 auf unserer Abi-Abschlussfahrt nach London in mein erstes B.B. King-Konzert mitnahm. Ins legendäre Hammersmith Odeon in London, Hammersmith (sic!).  Und das war und ist  bis heute eines der schönsten Konzerte, das ich in meinem ganzen Leben besucht habe (ok, Springsteen…), und das waren eine Menge. So eine Lebenslust, so eine treibende, lebendige Musik, dieser Blues, diese Lucille, diese Stimme.

Und diese ganzen, mit der Zeit völlig entrückten, entzückten schwarzen Menschen um uns rum. In diesem Konzert habe ich auch zum ersten Mal erlebt, wie es ist, anders zu sein, als fast alle anderen. Und doch waren wir alle so angekommen, so gemeinsam zu Hause  in dieser Musik. Wir waren einfach ein Teil dieses unglaublich fröhlichen, beglückten Publikums.

Und das Tolle war, als nach dem Konzert die Lichter wieder angingen, war der Zauber noch lange nicht verflogen, wie das häufig nach Konzerten passiert. Nein, alle haben sich irgendwie beseelt angegrinst und alles war für einen Moment gut.   B.B. und Lucille und die Band hatte an diesem Abend wohl so eine Art Glücklichmacher-Gen…

Manchmal stelle ich  mir vor, alle Welt, die ganze zerstrittene Menschheit, würde genau heute Abend gemeinsam genau so ein Konzert erleben. Danach würde es allen wie Schuppen aus den Augen fallen, was wir hier für eine Grottenscheisse miteinander treiben – und alles wäre endlich gut.

Na ja, so ist es leider nicht – und nun geht es dem Blues Boy derzeit leider nicht so gut, er hat Diabetes und angeblich im April einen leichten Herzinfarkt gehabt. Es steht also zu befürchten, dass er seinen 90sten nicht mehr erlebt. Aber erhoffen darf man sich das doch – jedenfalls wünsche ich ihm Gute Besserung und auf jeden Fall keine Quälerei zum Ende. Sein Testament hat er jedenfalls schon mal gemacht – und sich damit selber widerlegt: The Thrill is Gone – von wegen!

4 Antworten zu “Song of the day – B.B. King: The Thrill is gone

  1. Pingback: Power of the Blues – B.B. King ist nicht tot | skyaboveoldblueplace

  2. Solche Konzertabende kenne ich. Sie sind selten und klingen angenehm nach. Danke lieber Kai für die schöne Erwähnung und in diesem Zusammenhang. Dafür bin ich gern schuld🙂 Den Blues Boy und seine Lucille habe ich leider nie live gesehen. Springsteen schon… Lucille und B.B. King gehören zusammen, eine wunderbare zärtliche Melange, die mich ebenso lange begleiten. Danke für Deine stimmungsfrohen Zeilen die trefflich den besonderen Konzertabend beschrieben haben. Der „Thrill“ wird nie vergehen. Musik kann Brücken bauen über alle Grenzen.
    Hab‘ einen entspannten Sonntag
    Stefan

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  3. „The Thrill is Gone – von wegen!“ Danke für diesen wunderbaren Artikel!

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