Archiv der Kategorie: Aus der Matratzengruft

Neues aus der Matratzengruft 06 | Zitate und Notate 02 || Catherine Meurisse

Donnerstag, 15.06.2017, und ich kämpfe immer noch mit dem Programm….

Liebe verbliebene Blogbesucher!

Seit Monaten versuche ich hier einen Beitrag über Catherine Meurisse zu schreiben. Madame Meurisse ist die ehemalige Chefkarikaturistin der Zeitschrift ,Charlie Hebdo‘, die aus purem Zufall (sie kam zu spät zur Redaktions-Sitzung) den Anschlag überlebte. Aber ich hab’s nie hingekriegt. Und auch heute wird es nur ein klitzekleiner Beitrag, ein paar Sätze nur, die Euch sagen sollen: es gibt mich noch, ich bin noch da – auch wenn es grade mal wieder nicht für lange Texte reicht.

Deshalb einen ganz besonderen Dank an Euch, die Ihr trotzdem immer wieder den Blog besucht – und auch noch ein ganz persönlicher Dank an diejenige, die mir immer wieder Halt und Mut gegeben hat!

Liebe Grüße,

Kai

9783551734242

Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden.

Mit „Die Leichtigkeit“ hat Catherine Meurisse ein intensives und sehr persönliches Buch geschaffen, das ihrer Trauer Raum gibt und zugleich eine Ermutigung ist, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern.

Entnommen: Perlentaucher, Berlin im Herbst 2016

Neues aus der Matratzengruft 04 | Derek Walcott – Mittsommer, Tobago

 

DW2

Mittsommer, Tobago

Breite sonnengesteinigte Strände.


Weißblühende Hitze.
Ein grüner Fluß.

Eine Brücke,

gelbgebrannte Palmen

Derek Walcott : Gedichte, ausgewählt von Raoul Schrott, Siegfried Völker und Michael Krüger. München, Wien, Carl Hanser Verlag 1999, S. 8

 

Zum Autor
Derek Walcott wurde 1930 auf der Karibikinsel St. Lucia geboren und veröffentlichte mit 18 Jahren seinen ersten Gedichtband (die Angaben sind, je nach Quelle leicht unterschiedlich).

Er studierte in Jamaika, arbeitete dann in Trinidad als Journalist und gründete 1959 ein Theater, für das er Stücke schrieb und inszenierte.

Heute lebt Derek Walcott in den USA, wo er an der Boston University Dramaturgie lehrt.

Den Nobelpreis für Literatur erhielt der „karibische Homer“, wie ihn die englischsprachige Welt nannte, 1992

 

Das Gedicht
ist eines, das sich in meinen Augen selbst erklärt, wenn man den Titel liest.

Was mich daran beeindruckt hat, ist diese Momentaufnahme, die bei mir sofort atmosphärische Bilder im Kopf entstehen lässt, die einen eine ganze Weile beschäftigen.

 

Das Werk
ist recht umfangreich, In Deutschland nimmt sich der Hanser Verlag seiner an – allerdings nur mit 5 Gedichtbänden, wovon im Moment auch nur der Gedichtband „Der weisse Reiher“ lieferbar zu sein scheint, so dass man getrost auf die englischsprachigen Ausgaben, insbesondere die Gedicht-Sammelbände, ausweichen kann.

Wer mehr über das gesamte Werk dieses Dichters, Dramatikers und Essayisten wissen möchte schaut tatsächlich wg. des Überblicks mal bei der deutschen Wikipedia rein ->> hier der Link

 

Die hopefully erste und letzte wichtige Abschweifung zu diesem Thema
Ich habe inzwischen beschlossen, mich auf das LESEN zu konzentrieren, ohne daran zu denken, dass daraus unbedingt eine Besprechung werden muss. Das klappt derzeit prima und ich habe in den letzten Wochen richtig viele Bücher lesen können.

Und für die mögliche Zukunft habe ich mir vorgenommen,  jeweils drei der Bücher, die ich tatsächlich gut, wichtig oder auch total schlecht fand, in einem Post kurz vorzustellen, vielleicht mit einer Kurzbesprechung und auf jeden Fall mit einer ganz subjektiven Empfehlung versehen.

Lausige Akrobaten | Zitat zum Montag

Eigentlich sind wir doch verdammt lausige Akrobaten, aber wir machen manchmal ein paar richtig tolle Sprünge, alter Freund, und es gibt all die anderen Akrobaten, die nicht springen“

Zitiert aus einem Brief von Hemingway (KeyWest, 28. Mai 1934) an F. Scott Fitzgerald. Zitiert aus:
Ernest Hemingway/F.Scott Fitzgerald : Wir sind verdammt lausige Akrobaten ; Eine Freundschaft in Briefen. hrsg. von Benjamin Lebert, Hamburg, 2013, Hoffmann und Campe Verlag. S. 127

Briefwechsel Hemingway - ScottBöses unterstellend, könnte man dieses Zitat als Beispiel dafür hernehmen, wie die Zeitung mit dem roten Stempel auf der ersten Seite Zitate zerschnipselt, aus dem Zusammenhang reist – um dann eine neue Wahrheit zu schaffen.

Ganz so schlimm finde ich es hier nicht, aber ich hätte dem Herausgeber Benjamin Lebert doch ein glücklicheres Händchen bei der Auswahl des Titels gewünscht.

So bleibt es also bei den ‚lausigen Akrobaten‘  – und jeder Hemingway-Leser weiss, dass der sich so etwas niemals angezogen hätte. Und dass der entscheidende Punkt natürlich im hinteren Satzteil steht, in dem er sich und Scott eben abhebt von den anderen lausigen Akrobaten. – So, aber mehr will ich dazu gar nicht schreiben.

 

Zum Buch,
das eine wahrhaft wunderliche Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher zeitgenössischer Schriftsteller tatsächlich ganz wunderbar darstellt noch dieses:
Lebert setzt dem Briefwechsel eine profunde Einleitung voraus und hat die Briefe chronologisch angeordnet, Der erste von Hemingway an Scott ist datiert vom 1. Juli 1925. Der letzte, von Scott am Hemingway, vom 8.November 1940. Am 21. Dezember 1940 erlag Scott dann in Hollywood den Folgen seines schweren Alkoholismus.

Es ist ein schmaler, aber wirklich lesenswerter Band –   158 S.,  mit Anmerkungen im Anhang zum Verständnis jedes einzelnen Briefes. –  Es stellt die beiden Freunde und ihr nicht immer einfaches Verhältnis zueinander sehr schön aus der Nähe dar.

 

Nicht völlig überflüssige Abschweifung zum Ende
Wenn denn ein Zitat aus dem Buch als Titel herhalten sollte, dann hätte mir das von Seite 74/75 deutlich besser gefallen:

„Im Herbst gab es den Krieg noch immer, aber wir gingen nicht mehr hin.“

So, jetzt weiß man auch, woher das kommt, das Zitat ist aus Scotts‘ Brief an Hemingway vom 18. April 1927. Und der Krieg, der gemeint ist, ist der Spanische Bürgerkrieg, in den beide Schriftsteller als Reporter und Beobachter involviert waren.

 

Ganz wichtige allerletzte Abschweifung obendrauf
Falls ihr denn die klugen und kenntnisreichen Kommentare von Erich vom Blog mannigfaltiges  und von Stefan vom Blog Freiraum gelesen haben solltet – und ihr solltet unbedingt – dann wisst ihr auch, dass ich diesmal mit ein paar meiner Ausführungen einen ganz schönen Bock geschossen habe. Da habe ich wohl diesmal rund um das Buch nicht gründlich genug  recherchiert. Shit happens und nun ist das Dingen auch raus. Die Zitate sind nach wie vor richtig für mich, so wie das ganze lesenswerte Buch! Statt aber jetzt meine Klöpse nachträglich zu reparieren lass ich sie einfach so stehen, Man muss auch zu seinen Fehlern stehen!
Aber was für ein Glück, dass ich so aufmerksame und kenntnisreiche Leser habe, wie Erich und Stefan – und nun mach ich es mir ganz einfach und verweise bei meinen Klöpsen einfach auf die Kommentare von Erich und Stefan. Die sind sowieso sehr lehrreich.
Vielen Dank also an Erich und Stefan, eine dicke Entschuldigung an alle und zum alleeallerletzte Schluss noch einmal eine uneingeschränkte Empfehlung für das Buch!