Archiv der Kategorie: Gedichte

Neues aus der Matratzengruft 04 | Derek Walcott – Mittsommer, Tobago

 

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Mittsommer, Tobago

Breite sonnengesteinigte Strände.


Weißblühende Hitze.
Ein grüner Fluß.

Eine Brücke,

gelbgebrannte Palmen

Derek Walcott : Gedichte, ausgewählt von Raoul Schrott, Siegfried Völker und Michael Krüger. München, Wien, Carl Hanser Verlag 1999, S. 8

 

Zum Autor
Derek Walcott wurde 1930 auf der Karibikinsel St. Lucia geboren und veröffentlichte mit 18 Jahren seinen ersten Gedichtband (die Angaben sind, je nach Quelle leicht unterschiedlich).

Er studierte in Jamaika, arbeitete dann in Trinidad als Journalist und gründete 1959 ein Theater, für das er Stücke schrieb und inszenierte.

Heute lebt Derek Walcott in den USA, wo er an der Boston University Dramaturgie lehrt.

Den Nobelpreis für Literatur erhielt der „karibische Homer“, wie ihn die englischsprachige Welt nannte, 1992

 

Das Gedicht
ist eines, das sich in meinen Augen selbst erklärt, wenn man den Titel liest.

Was mich daran beeindruckt hat, ist diese Momentaufnahme, die bei mir sofort atmosphärische Bilder im Kopf entstehen lässt, die einen eine ganze Weile beschäftigen.

 

Das Werk
ist recht umfangreich, In Deutschland nimmt sich der Hanser Verlag seiner an – allerdings nur mit 5 Gedichtbänden, wovon im Moment auch nur der Gedichtband „Der weisse Reiher“ lieferbar zu sein scheint, so dass man getrost auf die englischsprachigen Ausgaben, insbesondere die Gedicht-Sammelbände, ausweichen kann.

Wer mehr über das gesamte Werk dieses Dichters, Dramatikers und Essayisten wissen möchte schaut tatsächlich wg. des Überblicks mal bei der deutschen Wikipedia rein ->> hier der Link

 

Die hopefully erste und letzte wichtige Abschweifung zu diesem Thema
Ich habe inzwischen beschlossen, mich auf das LESEN zu konzentrieren, ohne daran zu denken, dass daraus unbedingt eine Besprechung werden muss. Das klappt derzeit prima und ich habe in den letzten Wochen richtig viele Bücher lesen können.

Und für die mögliche Zukunft habe ich mir vorgenommen,  jeweils drei der Bücher, die ich tatsächlich gut, wichtig oder auch total schlecht fand, in einem Post kurz vorzustellen, vielleicht mit einer Kurzbesprechung und auf jeden Fall mit einer ganz subjektiven Empfehlung versehen.

Neues aus der Matratzengruft | 03

habe das gehasst

ging ne weile nicht so gut
habe das gehaßt
diese miesen
halb voll halb leer momente

hab mich immer wieder aufgerafft
meinen werkimmanenten
optimismus gesucht und manchmal
sogar gefunden

wurde immer wieder hochgebracht
vom anblick meiner liebsten
und von ihren unermüdlichen
versuchen

jetzt ist nix wirklich besser, aber:
manchmal tut’s der kopf wieder,
und icke freu mir’n ast
bevor es wieder vorbeigeht

soviel hoffnung so viel verzweiflung
wie kann man da nicht bleiben wollen
am leben

 

ERSTE DRINGEND NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
hier war mal wieder lange nix los, stimmt’s ? Das hat Gründe, die will ich nicht wieder aufzählen. Ganz sicher nicht, weil ich keine Lust zum Bloggen hätte jedenfalls. – Und ich muss mich bei all den lieben Leuten bedanken, die mir unter kai@skyaboveoldblueplace.de Emails geschickt haben! Wenn ich es schaffe, werde ich sie beantworten.

 

ZWEITE DRINGEND NOTWENDIGE ABSCHWEIFUNG
ein ganz grosser Sonnenstrahl war in letzter Zeit ein Video, das meine Tochter mir geschickt hat. Ich stell es einfach hier mal hin. Es ist ein Lied von ein paar kölner Jungs, die, wenn es nach mir ginge in der nächsten Zeit das ganz große Ding werden müssten. Hier also erst ‚Oft gefragt‘, (da musste ich als Papa einer 33-jährigen doch mehr als einmal schwer schlucken) danach ein anderer wunderschöner Song mit dem Titel ‚Barfuß am Klavier‘. Ach ja, die Gruppe heißt AnnenMayKantereit, und bestimmt haben schon viele von Euch vor mirdavon gehört..

 

Und hier kommt das Klavier:

 

LINKS

http://AnnenMayKantereit.com

https://facebook.com/AnnenMayKantereit

http://instagram.com/AnnenMayKantereit

 

Milo de Angelis | Das vermittelte Staunen

Das Vermittelte Staunen

Sogar jetzt
über dem Golf, rot
gegen den Himmel, der Augenblick, nur
Angst, den Faden zu verlieren

 

La meraviglia mediata

Persino adesso
sul golfo, il rosso
contro il cielo, l’attimo, è soltanto
paura di perdere il filo

.

Milo de Angelis - Alphabet des AugenblicksMilo de Angelis : Alphabet des Augenblicks ; Gedichte.
Aus dem Italienischen von Piero Salabé

veröffentlicht in der Reihe: Edition Lyrik Kabinett Bei Hanser, München, 2013
.
Zweisprachige Ausgabe. Das Gedicht befindet sich auf den Seiten 28/29

 

 

Zum Autor
Milo De Angelis, 1951 in Mailand geboren, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Dichter Italiens. Seit seinem hoch gepriesenen Debüt Somiglianze (1976) hat er zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt Quell’andarsene nel buoio dei cortili (2010). Milo De Angelis arbeitet auch als Lehrer und Übersetzer.  Alphabet des Augenblicks (Hanser, 2013) versammelt in einer zweisprachigen Ausgabe eine Auswahl seiner besten Gedichte.
s.a.: Hanser Literaturverlage – Milo de Angelis  ;  The Poetry Foundation   ;   Literaturwerkstatt Berlin

 

Zum Gedicht
gibt es gleich ein paar wenige Worte – dafür brauchen wir aber erstmal noch ein paar Informationen über die Edition, in der das Buch erschienen ist.

 

Edition Lyrik Kabinett Bei Hanser – Stiftung Lyrik Kabinett München
Die Bände der Edition Lyrik Kabinett erscheinen  bei Hanser. Ansonsten ist die Stiftung mitsamt Lyrik-Bibliothek unabhängig. Hier ein Zitat aus dem Stiftungszweck:

Die öffentliche gemeinnützige Stiftung Lyrik Kabinett — von Ursula Haeusgen 2003 errichtet — hat zum Ziel, eine internationale Lyrik-Bibliothek (mit derzeit ca. 50.000 Bänden) zu erhalten, auszubauen und sie für die Zukunft zu sichern.

Daneben richtet die Stiftung Lesungen und Veranstaltungen zur internationalen Lyrik aus. Etwa die Hälfte sind Autorenlesungen, die andere Hälfte bringt „lebendig gebliebene“ Autoren früherer Generationen zu Gehör. Deutsch- und anderssprachige Autoren sind in etwa zu gleichen Teilen vertreten. Die Lesungen fremdsprachiger Autoren erfolgen in der Regel immer zweisprachig. Den Lesungen geht eine kurze Einführung voraus, im Mittelpunkt steht das Wort des Dichters selbst.

Mehr dazu findet man auf der Website der Stiftung.

Das Ganze ist also ein ausgesprochen ambitioniertes Projekt, insbesondere die Lyrik-Bibliothek, die räumlich in der Bibliothek der LMU angesiedelt ist, und deren Bestand sich auch online durchsuchen lässt.  Die Stiftung veranstaltet Lesungen, Diskussionen, hat eine Veranstaltungsreihe Münchner Reden zur Poesie begonnen und bringt nicht nur bei Hanser sondern aus selbstständig jährlich mehere Publikationen heraus. Es lohnt sich jedenfalls für alle Freunde der Poesie mal ein etwas genauerer Blick auf die Website, die, vorsichtig gesagt, auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheint und sicher auf jemanden wartet, der sie einmal gründlich aufräumt. Trotzdem! Es ist alles zu finden und für Freunde der Poesie einfach ein Muss!

Münchner Reden zur Poesie - KrügerAus der Reihe der Münchner Reden zur Poesie stammt nun auch die Rede von Michael Krüger, Das Ungeplante zulassen – Eine Verteidigung des Dichterischen. Hierin geht es um die Frage nach den Ursprüngen dichterischer Inspiration. Krüger bringt hier auf 26 Seiten eine großartige Zusammenfssung zu diesem Thema, nicht ohne seine eigene Meinung kräftig mit einfließen zu lassen. Es ist direkt bei der Stiftung Lyrik Kabinett zu erwerben, ist buchbinderisch ein Gedicht und kostet gerde mal 12 €. Ich empfehle es gerne allen, die noch Gedichte lesen. Womit wir nun endlich wieder

 

Zum Gedicht
kommen können. Wie gesagt, mehr als ein paar Worte gibt es nicht dazu. Den Rest müsst Ihr schon selbst erledigen. Ich schreib es hier noch mal hin, zur Erinnerung…

Sogar jetzt
über dem Golf, rot
gegen den Himmel, der Augenblick, nur
Angst, den Faden zu verlieren

Also: Man hat de Angelis den Dichter der (Mailänder) Peripherie genannt, weil viele seiner Gedichte von Mailand handeln. Keines endet irgendwie optimistisch und so hat man ihm auch das Etikett Neo-Orphisch oder auch neo-hermetisch. Hermetisch ist dieses nun nicht, wie ich finde, ob es von Mailand handelt, weiß ich auch nicht, mit orphisch, also in sehr schlicht gesagt, dem Untergang entgegen, könnte ich mich schon mehr anfreunden, aber alle Theorie beiseite, das Gedicht hat mich einfach beim ersten Lesen schon wie ein Blitz getroffen, es ist wie ein Licht, das dunkel scheint. Anders gesagt, selbst im schönsten Augenblick
„nur Angst, den Faden zu verlieren“
So geht es mir derzeit, ich muss mich ständig bemühen, mir zu sagen, nein, das Glas ist nicht halbleer sondern halbvoll. – Und wer hat nicht schon einmal das Gefühl gehabt, den Faden zu verliere.

Sind jetzt doch noch ein paar mehr Worte geworden, ich will aber jetzt damit aufhören, nicht ohne zu sagen, dass dieses Gedicht für mich die blanke Poesie ist. Da kommt mein Puppenkopf nicht mit, der muss dafür viel zu viele Worte machen. – So, und jetzt seid Ihr endlich dran.

 

Doch noch ein klitzekleine notwendige Abschweifung
Ein knapper Monat liegt zwischen diesem und meinem letzten Post. Das ist so nicht beabsichtigt gewesen, aber manchmal ist das Glas eben halb leer oder man hat zu sehr Angst, den Faden zu verlieren. Das hier ist also auch so ne Art Therapie – trotzdem kann es immer wieder sein, dass es solche längeren Blogpausen gibt, die eigentlich nicht als solche geplant sind.
Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Ihr mir dennoch weiterhin gewogen bleibt und meinen Spuren hier im Blog folgt. Es bedeutet mir eine Menge, auch der Austausch per Kommentar!