Archiv der Kategorie: Biographisches

Da bin ich mal wieder No. X

einem kleinen Schatten folgend
in ein großes Sonnenfeld
wenn der Tag dann schließlich aufgeht

erstarre

ich vom Sonnenschock
und der Pracht, die dann erstrahlt

 

Erste notwendige Abschweifung
Dieser kleine, poetisch gemeinte Text fiel mir im Zusammenhang mit dem Gedicht von Amanda Auerbach RIGHTS ein. Das war ein überschriebener Post, der ursprünglich ein Text zu Matthias Zschokkes Lieber Nils (man siehts noch oben am Web Adressfeld) gewesen ist, danach zur EILMELDUNG umgeschrieben wurde und am Ende eben zu Amanda Auerbach wurde.

Schmetterlings- oder Sommerflieder

Zum Gedicht
Ich denke, der Text erschließt sich von selber. Er beschreibt genau die Situation, in der ich wieder einigermaßen bei Bewusstsein zu Hause am Esstisch saß und das ungeheuer vielfältige Grün ‚unseres‘ Waldes, und vor allem die vielen Blüten des Schmetterlingsflieders samt dazugehörigen Schmetterlingswolken, die fröhlich aus dem Flieder aufsteigen, sehen durfte… Ein richtiger Schock zuerst und dann ein Glücksmoment der ganz besonderen Art. Das ist schon alles und war so viel.

Zweite notwendige Abschweifung
Ich möchte diesen kleinen Text zum Anlass nehmen und einfach sagen, Ich bin wieder da! War mal wieder eine Weile weg und versuche jetzt, meine Arbeit am Blog wieder aufzunehmen.
Was nichts mit Literatur, Politik oder Musik im weitesten Sinne zu tun hat, könnte vielleicht mal mein persönliches online-Tagebuch werden.

Dritte notwendige Abschweifung
So, jetzt hab ich mir mal wieder viel zu viel vorgenommen, immer unter dem Vorbehalt, dass meine weitaus bessere Hälfte und ich meinen Gesundheitszustand nicht noch einmal derart abdriften lassen, dass ich für einige Tage ein großes Loch in meinem Gedächtnis habe. Das ist keine schöne Sache.

 

Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen, Kommentare oder gerne auch Anfragen an meine persönliche Email Adresse kai60@me.com

Lausige Akrobaten | Zitat zum Montag

Eigentlich sind wir doch verdammt lausige Akrobaten, aber wir machen manchmal ein paar richtig tolle Sprünge, alter Freund, und es gibt all die anderen Akrobaten, die nicht springen“

Zitiert aus einem Brief von Hemingway (KeyWest, 28. Mai 1934) an F. Scott Fitzgerald. Zitiert aus:
Ernest Hemingway/F.Scott Fitzgerald : Wir sind verdammt lausige Akrobaten ; Eine Freundschaft in Briefen. hrsg. von Benjamin Lebert, Hamburg, 2013, Hoffmann und Campe Verlag. S. 127

Briefwechsel Hemingway - ScottBöses unterstellend, könnte man dieses Zitat als Beispiel dafür hernehmen, wie die Zeitung mit dem roten Stempel auf der ersten Seite Zitate zerschnipselt, aus dem Zusammenhang reist – um dann eine neue Wahrheit zu schaffen.

Ganz so schlimm finde ich es hier nicht, aber ich hätte dem Herausgeber Benjamin Lebert doch ein glücklicheres Händchen bei der Auswahl des Titels gewünscht.

So bleibt es also bei den ‚lausigen Akrobaten‘  – und jeder Hemingway-Leser weiss, dass der sich so etwas niemals angezogen hätte. Und dass der entscheidende Punkt natürlich im hinteren Satzteil steht, in dem er sich und Scott eben abhebt von den anderen lausigen Akrobaten. – So, aber mehr will ich dazu gar nicht schreiben.

 

Zum Buch,
das eine wahrhaft wunderliche Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher zeitgenössischer Schriftsteller tatsächlich ganz wunderbar darstellt noch dieses:
Lebert setzt dem Briefwechsel eine profunde Einleitung voraus und hat die Briefe chronologisch angeordnet, Der erste von Hemingway an Scott ist datiert vom 1. Juli 1925. Der letzte, von Scott am Hemingway, vom 8.November 1940. Am 21. Dezember 1940 erlag Scott dann in Hollywood den Folgen seines schweren Alkoholismus.

Es ist ein schmaler, aber wirklich lesenswerter Band –   158 S.,  mit Anmerkungen im Anhang zum Verständnis jedes einzelnen Briefes. –  Es stellt die beiden Freunde und ihr nicht immer einfaches Verhältnis zueinander sehr schön aus der Nähe dar.

 

Nicht völlig überflüssige Abschweifung zum Ende
Wenn denn ein Zitat aus dem Buch als Titel herhalten sollte, dann hätte mir das von Seite 74/75 deutlich besser gefallen:

„Im Herbst gab es den Krieg noch immer, aber wir gingen nicht mehr hin.“

So, jetzt weiß man auch, woher das kommt, das Zitat ist aus Scotts‘ Brief an Hemingway vom 18. April 1927. Und der Krieg, der gemeint ist, ist der Spanische Bürgerkrieg, in den beide Schriftsteller als Reporter und Beobachter involviert waren.

 

Ganz wichtige allerletzte Abschweifung obendrauf
Falls ihr denn die klugen und kenntnisreichen Kommentare von Erich vom Blog mannigfaltiges  und von Stefan vom Blog Freiraum gelesen haben solltet – und ihr solltet unbedingt – dann wisst ihr auch, dass ich diesmal mit ein paar meiner Ausführungen einen ganz schönen Bock geschossen habe. Da habe ich wohl diesmal rund um das Buch nicht gründlich genug  recherchiert. Shit happens und nun ist das Dingen auch raus. Die Zitate sind nach wie vor richtig für mich, so wie das ganze lesenswerte Buch! Statt aber jetzt meine Klöpse nachträglich zu reparieren lass ich sie einfach so stehen, Man muss auch zu seinen Fehlern stehen!
Aber was für ein Glück, dass ich so aufmerksame und kenntnisreiche Leser habe, wie Erich und Stefan – und nun mach ich es mir ganz einfach und verweise bei meinen Klöpsen einfach auf die Kommentare von Erich und Stefan. Die sind sowieso sehr lehrreich.
Vielen Dank also an Erich und Stefan, eine dicke Entschuldigung an alle und zum alleeallerletzte Schluss noch einmal eine uneingeschränkte Empfehlung für das Buch!

Neues aus der Matratzengruft | 02

na altes haus
alt siehst du aus
den zinken kenn ich noch

matschblauen augs
glotzt du da raus
wer weiss wohin

schwer an den
tränensäcken tragend –
war da mal strahlenderes blau?

hast du je fröhlich
mal geschaut?

jetzt bist du
neu und alt
zugleich

und der versuch
dich zu
erkennen –

den der du warst
der du jetzt
bist

der endet in
der endet in –
ja was?

in
schallendem
gelächter

aler mann am morgen

 

Erste notwendige Abschweifung
Nachdem ich Aus der Matratzengruft |01 geschrieben und gepostet habe, bekam ich so viele berührende, wunderbare, ermunternde, mitfühlende und mitdenkende Kommentare, die mich geradezu überwältigten und ein bisschen sprachlos machten.

Ich habe versucht, jedem zu antworten. Sehr weit habe ich es noch nicht geschafft. Blöderweise musste ich dann kurz nach dem letzten Post Damals ist ja immer auch schon wieder mit einem Nierenversagen in die Klinik und erst, seit ich vor ein paar Tagen die ITS verlasssen und auf die Normalstation durfte, habe ich mich so langsam wieder an den Blog rangemacht.

In der Zwischenzeit haben sich so viele Dinge ereignet, sowohl mit meinem Körper als auch in meinem Innenleben, wie ich es noch nie in meinem Leben erfahren habe. Eine wahre Achterbahnfahrt zwischen Leben und Sterben, unter der meine Iris und alle meine Liebsten wohl viel mehr gelitten haben, als ich.

Ich will das hier nicht schon wieder alles ausbreiten, das Ende vom Lied (dass es natürlich gar nicht gibt) ist, dass ich nun wider Erwarten mit mehr Hoffnung vermutlich morgen hier wieder rausgehe, als ich reingekommen bin.  Es hat sich für mich überraschend eine Möglichkeit ergeben,weiterzuleben. Das hat viel mit Gesprächen, die ich mit mir selber führen musste, und solchen mit meinen wichtigsten Menschen zu tun. Und dass die das mit mir ausgehalten haben. Das Wort Danke ist für all das viel zu klein, deshalb lass ich es hier einfach weg. Das lass ich jetzt mal hier so stehen.

 

Zweite notwendige Abschweifung
in der ich nochmal einen Punkt der ersten Schweiferei aufgreifen möchte, denn: unter den  angesprochenen Kommentaren waren tatsächlich einige, die meine Gedichte gerne gelesen haben.

Ich hätte das nie gedacht, ich war da in den letzten Jahrzehnten eher nicht so mutig, die in irgendeiner Öffentlichkeit zu zeigen. Aber der Wunsch von einigen lieben Freunden und Bloggern, mehr davon zu lesen war auch in dieser Hinsicht eine Ermutigung für mich.

Und nun habt ihr also den Salat und ich werde hier des öfteren mal ein oder zwei von mir verbrochene Gedichte hinschreiben.

Weshalb Gedichte für mich wichtig sind, habe ich ja an anderer Stelle schon versucht zu erklären. und auch jetzt hilft mir diese Form, so manches in meinem Kopf für mich zu klären. Und genau deshalb steht da oben auch der Versuch über das alte Haus.

Letzte notwendige Abschweifung
die nun erklären soll, warum zum Schluss nochen Gedicht sein muss.

Ein Dauerthema ist für mich derzeit das Schreiben von Geschichten, genauer gesagt, das (biographische) Erinnern und die Frage, was bleibt, wenn wir unsere Wahrheit aufschreiben.

Meine Geschichte(n) schreibe ich selbst war da er Satz, der das ganze in Gang gesetzt hat – bitte entschuldige, Jutta, dass Du da schon wieder mit reingezogen wirst – aus dem sich für mich viele Fragen und Überlegungen ergeben haben, die nun auch dieses beiden Enden für mich verbinden, das Leben mit dem Tod eben.

Und: Wie werden die Erinnerungslücken aufgefüllt, wessen Geschichte ist es, wie wahrhaftig kann eine biographische Geschichte sein, wenn man weiss, dass man etwas hinzuerfunden hat, was man aber für echt hält, wenn man weiss, das so vieles Vermutung und Selbstvergewisserung bleibt.

Deshalb also hier noch dieses Gedicht über

alles
was war wird wieder verwendet
von der Tochter der Vater
von der Tochter die Mutter
vom Sohn die Mutter
vom Sohn der Vater

die Mütter die Väter
Geschichten Geschichten
die Trauer die Freude
gemeinsam sein einsam sein
das Gefühl und die Kälte
die Kräfte die Ängste
Sehnsüchte Verluste
alle Zeiten hindurch

wir erkennen uns wieder
wir erkennen uns nicht
wir schreiben Geschichte
ohne Kenntnis der Schlüsse

wer könnte mutiger sein

 

Allerletzte notwendige Abschweifung
weil ich noch zwei Dinge vergessen habe, die mir wichtig sind:

Erstes Ding: ich werde peu á peu versuchen, die wunderbaren Kommentare zum Post vom 18. August zu beantworten. Nein, nein, das soll keine Drohung sein…

Zweites Ding: ich werde den Blog in Zukunft immer wieder für meine Geschichte(n) nutzen, er IST ein bisschen meine Geschichte.
ABER ich werde natürlich demnächst auch wieder mit Freuden anfangen, über Literatur, Musik und anderes schreiben. Ideen gibt es jedenfalls schon genug.