Archiv der Kategorie: Song of the day

Song of the Day – Julian Dawson zum Besuch der Queen

BROKEN DOWN PALACE

broken-down palace the king’s lost his crown
the queen’s stepping out and she’s painting the town
all of the colours have faded to grey
a rainbow romance and they’ve thrown it away
a rainbow romance and they’ve thrown it away

the whole world is wearing the emperor’s new clothes
and he shall have headlines wherever he goes
in this broken-down palace the time moves so slow
we danced the last waltz such a long time ago
we danced the last waltz such a long time ago

as soon as the orchestra started to play
it sounded like sunset to me
the moment the last violins died away
every fool in this kingdom could see

that this broken-down palace is crumbling down
the walls and the windows will cover the ground
in this shaky old palace where time moves so slow
there once lived a king such a long time ago
there once lived a king such a long time ago

© Julian  Dawson
From the album: Under The Sun, Blue Rose, 1999

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Erste Notwendige Abschweifung
Das ist natürlich eher ein Lied über das Ende einer Liebe, es könnte zum Beispiel von Charles und Diana handeln – aber natürlich übertragen wir das heute mal auf das bonbonfarbige,  tangerinrot gespritzte Stromlinienbaby, also die Frau mit der Mimik eines Steins, die so hervorragend die Cameron/Thatcher’sche There-must-be-a-difference-in-class-Politik vertritt, was man ja hierzulande als ‚Haltung‘ übersetzt. – Owei, jetzt merkt man, wie mich das ekelt und anwidert?

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Zweite notwendige Abschweifung
broken-down palace the king’s lost his crown
the queen’s stepping out and she’s painting the town
all of the colours have faded to grey

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Dritte, völlig sinnfreie Abschweifung
Wollt Ihr sehen, wie die Queen schläft? BLÖD hat BLÖD Reporterin Dora Varro ins Schlafzimmer der Queen im Adlon geschickt. Betten testen.

http://www.bild.de/unterhaltung/royals/queen-elizabeth-2/besucht-deutschland-bild-im-bett-der-queen-41462712.bild.html

Und Blondie ist very impressed. Blondie ist übrigens auch so ein Prototyp für Dingens. Dingens sind so moderne, junge Frauen… ach ne, jetzt ist aber gut, sonst krijischdekrätz… und Alice schreibt ja auch für BLÖD, das muss also Feminismus pur sein…

Vierte und letzte und absolut notwendige Abschweifung
Julian Dawson ist einer meiner allerliebsten britischen Songwriter, den ich nicht umsonst schon einmal für den Song of the day ausgewählt habe. Das heute ist natürlich ein bisschen eine Art Missbrauch – aber irgendwie kamen mir gestern bei diesen Bonbon-Bildern in den Abendnachrichten so ein paar Assoziationen, die ich  loswerden wollte. Und da lag der Song of the day als Vehikel einfach sehr nahe.
Die Youtube-Aufnahme des Songs stammt von einem Auftritt auf einer Musikmesse, deshalb gibt es da auch diese Hintergrundgeräusche. Wenn Ihr also in eine ungestörte Aufnahme reinhören möchtet, dann könnt Ihr das über iTunes oder andere böse Musikvertriebler kostenlos machen. Einfach nach den Alben ‚Under the sun‘ schauen. Da ist das Stück drauf. – HIER geht es übrigens zur Homepage von Julian Dawson. Die ist sehr informativ und einige Videos gibt es auch.

Song of the Day – Konstantin Wecker: Ich lebe immer am Strand

Wenn man nicht an den Strand kommt, muss man ihn nach Hause holen. Und natürlich fällt mir dazu sofort das schöne Lied von Konstantin Wecker aus seiner allerselbstverliebtesten Phase ein. Auch einer, der sein Leben bis zum Anschlag lebt.
Und weil manchmal das eigene Leben am Anschlag zu sein scheint und man sich fragt, wie das wohl weitergehen kann,  ist das heute das Lied des Tages und ich möchte es meiner grossen Liebe widmen.

Konstantin Wecker: Ich lebe immer am Strand Polydor 1974

Es ist von der Langspielplatte (doch, so hiess das mal) gleichen Titels, die 1974 bei Polydor erschien. Polydor hiess mal eine Plattenfirma, die gibt es nicht mehr, oder sagen wir, die läuft jetzt unter dem Namen  Polydor/Island als Wurmfortsatz der Universal Music Group, wie ungefähr alles. was nicht unter Sony läuft. Hier hört Ihr es in einer wunderschönen Version aus den 2000er Jahren.

Ich lebe immer am Strand

Ich lebe immer am Strand

Ich lebe immer am Strand

Du, ich lebe immer am Strand
unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
ein fast vertraut imaginäres.

Und die Göttinnen Roms steigen herab zu mir,
voll von Welle und Gischt und nur mich im Visier.
Und wo die Campagna noch ein weiches Stück Erde hat,
da besteigen sie mich, und ich habe die ganze Stadt,
das ganze rötliche Rom, in meiner Schenkelgewalt.
Die Wölfin kauert sich an meine Göttergestalt.

Du, ich lebe immer am Strand
unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
ein fast vertraut imaginäres.

Und die Dirnen der Stadt betten mich abends ein.
Ihre herrlichen Körper brechen auf mich herein.
Und aus den Ruinen strömen die Diebe zum Meer.
Aufruhr flammt auf, sie entbinden ein Aufwieglerheer.
Das ganze rötliche Rom halten die Diebe besetzt.
Die Wölfin schaudert sich und weitet die Augen entsetzt.

Du, ich lebe immer am Strand
unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
ein fast vertraut imaginäres.

Meine schweigsame Hand wühlt sich zum Meer wie ein Tier.
Salz prasselt herab, und ich bin betört von mir.
Und tief aus dem Wasser steigen Galeeren empor,
Päpste am Kiel, um die Masten ein Trauerflor.
Das ganze südliche Meer breitet sich aus in der Stadt.
Die Wölfin heult und sinniert, was sie wohl falsch gemacht hat.

Du, ich lebe immer am Strand
unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
ein fast vertraut imaginäres.

Studiofassung 1974: CD Das pralle Leben (1997), CD Meisterstücke (2001)

Es fehlt uns hier natürlich ein bisschen der Blütenfall des Meeres, aber nicht an Vorstellungskraft. Also weder Mensch noch Hund:

Bella am Strand

Bella am Strand

 

Song of the day – B.B. King: The Thrill is gone

800px-B.B._King_in_2009

B.B,. King & Lucille

Photography by Tom Beetz
[CC BY 2.0(http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D
via Wikimedia Commons

Ist natürlich völliger Quatsch. Der Mann wird zwar im September, wenn wir alle Glück haben, 90 Jahre alt, aber sobald er auf der Bühne sein Stühlchen erreicht hat  und seine Lucille im Arm hält, sind sie alle wieder da, diese perlenden Töne, von denen Mark Knopfler auch heute  noch träumt. Und ich mag Mark Knopflers Gitarrenspiel wirklich sehr.

Wie komm ich jetzt überhaupt darauf? Also, das ist Stefan von Freiraum schuld, der gestern ein wunderbares Regenwaldfoto gepostet, den Beitrag treffend ‚Come Rain‘ genannt und dazu auch noch einen YouTube-Link zu Come Rain or Come Shine gesungen von Ray Charles zur musikalischen Untermalung des Bildes gesetzt hat. Wunderschön.

Und  natürlich habe ich dann noch ein bisschen weiter geschaut und bin schliesslich im Madison Square Garden im Jahre 2009 gelandet. Da kommt der dicke alte Mann mit seiner bunten Glitzerjacke  auf die Bühne gewackelt, setzt sich hin, sagt ein paar Worte zu Stevie Wonder – und lässt seine  Lucille sprechen, einfach zum Wegschmelzen:

Stevie Wonder & B.B. King: October 29 and 30, 2009 Rock & Roll Hall of Fame 25th Anniversary Concert Madison Square Garden, New York

B.B. und Lucille begleiten mich seit den 70er Jahren – es war unser Englisch-LK-Lehrer, der mich und ein paar andere Musikfreaks 1977 auf unserer Abi-Abschlussfahrt nach London in mein erstes B.B. King-Konzert mitnahm. Ins legendäre Hammersmith Odeon in London, Hammersmith (sic!).  Und das war und ist  bis heute eines der schönsten Konzerte, das ich in meinem ganzen Leben besucht habe (ok, Springsteen…), und das waren eine Menge. So eine Lebenslust, so eine treibende, lebendige Musik, dieser Blues, diese Lucille, diese Stimme.

Und diese ganzen, mit der Zeit völlig entrückten, entzückten schwarzen Menschen um uns rum. In diesem Konzert habe ich auch zum ersten Mal erlebt, wie es ist, anders zu sein, als fast alle anderen. Und doch waren wir alle so angekommen, so gemeinsam zu Hause  in dieser Musik. Wir waren einfach ein Teil dieses unglaublich fröhlichen, beglückten Publikums.

Und das Tolle war, als nach dem Konzert die Lichter wieder angingen, war der Zauber noch lange nicht verflogen, wie das häufig nach Konzerten passiert. Nein, alle haben sich irgendwie beseelt angegrinst und alles war für einen Moment gut.   B.B. und Lucille und die Band hatte an diesem Abend wohl so eine Art Glücklichmacher-Gen…

Manchmal stelle ich  mir vor, alle Welt, die ganze zerstrittene Menschheit, würde genau heute Abend gemeinsam genau so ein Konzert erleben. Danach würde es allen wie Schuppen aus den Augen fallen, was wir hier für eine Grottenscheisse miteinander treiben – und alles wäre endlich gut.

Na ja, so ist es leider nicht – und nun geht es dem Blues Boy derzeit leider nicht so gut, er hat Diabetes und angeblich im April einen leichten Herzinfarkt gehabt. Es steht also zu befürchten, dass er seinen 90sten nicht mehr erlebt. Aber erhoffen darf man sich das doch – jedenfalls wünsche ich ihm Gute Besserung und auf jeden Fall keine Quälerei zum Ende. Sein Testament hat er jedenfalls schon mal gemacht – und sich damit selber widerlegt: The Thrill is Gone – von wegen!