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Leben in Zeiten von Ebola – eine Polemik

Worüber regen wir uns hier eigentlich auf? Über den Lokführerstreik, den Pilotenstreik, die niedrigen Zinsen, Schimmel im Kühlschrank wegen zu viel Lebensmitteln, eingefrorene Eier äh Eizellen, gestresste Bänker, Bayern München?

„In Syrien selbst zählt UNHCR rund 6,5 Millionen Binnenvertriebene, also Flüchtlinge, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Der Libanon beherbergt Anfang 2014 knapp eine Million syrischer Flüchtlinge, die Türkei hat rund 650.000, Jordanien 585.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, die binnen weniger Monate gekommen waren. Auch im Irak haben mit 225.000 syrischen Flüchtlingen doppelt so viele Flüchtlinge Schutz gesucht, wie Deutschland im letzten Jahr insgesamt an Asylsuchenden verzeichnet hat. Gleichzeitig sind übrigens als Folge des Kriegs auch zahlreiche irakische Flüchtlinge erneut vertrieben worden und aus ihrem bisherigen Zufluchtsland Syrien in ihr Herkunftsland zurückgekehrt, wo die Situation weiterhin sehr problematisch ist.“
Quelle: Pro Asyl, Link:  http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/

In Syrien sind also weit mehr als 6 Millionen Menschen auf der Flucht. Aus dem Land geflohen sind über 3 Millionen Menschen! Zu Schweigen von all den anderen Kriegs- und Armutsflüchtlingen  im Rest der Welt. –  Und nur damit das an dieser Stelle klar ist: Armutsflüchtlinge sind nicht solche die, Politikersprech: halt mal den Gürtel enger schnallen müssen, das sind solche die überwiegend nix mehr zu fressen und zu wohnen haben, die sich nicht mehr frei äussern dürfen, ohne Angst zu haben, verhaftet und gefoltert zu werden usw. usw.

Die Syrer jedenfalls wissen nicht mehr wohin in ihrem Land. Überall Krieg und kein Entrinnen, Nirgends.

Und wir sitzen hier rum und kucken unseren Politikern bei den perversesten Versuchen zu, sich scheinverantwortungsvoll und wortreich aufs allerbilligste rauszuhalten.  Zutiefst betroffen.

Ja, da wird vieles überlegt: Sollen wir vielleicht doch noch 20 Syrer mehr aufnehmen? oder sogar 25? Verkaufen wir derweil weiter Waffen und Waffenteile in die richtigen Teile der Welt? Wie können wir das (als Spezialdemokraten) den Wählern erklären? Den Wählern, nicht den Bürgern! Arbeitsplätze?  Klar, geht immer.  Und komm, wir machen noch schnell eine internationale Konferenz.

Derweil müssen die Flüchtlinge irgendwie leben. Irgendwo. Auf zerbombten Strassen, in Lagern. In Lagern! Remember Lager, Germany? Oder die sterben einfach. Das ist natürlich praktisch.

Der christliche Herr Bosbach (und nicht nur der) sagt:
„Wenn wir den Nachbarländern nicht mehr helfen, wird der Flüchtlingsdruck auf Mitteleuropa noch wachsen. Diesen Ländern zu helfen, muss also schon in unserem eigenen Interesse liegen.“
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-aus-syrien-nachbarstaaten-bitten-um-mehr-hifle-a-999684.html ).

Was heisst das? Das heisst vor allem, der Schwerpunkt liegt auf den eigenen Interesse. Das heisst: Hauptsache, wir halten uns die vom Leib, Hauptsache, die kommen nicht weiter, als bis zur Türkei. Das ist von Aleppo aus immerhin bloss ein Katzensprung. Das schaffen die auch zu Fuss. Haben ja kaum mehr Gepäck. Da können Sie sich dann ja von zwei Seiten bearbeiten lassen.

Also schicken wir Zelte? Oder das abgelaufene Scheissfressen aus alten Bundeswehrbeständen? Kommt Frau von der Leyen gleich mit? Könnte ein paar schöne Bilder geben.  Und immer wieder gerne Waffen an die friedliebenden Staaten, die sie an den IS und andere Verbrecher weitergeben? Ja, das machen wir. Und nennen das alles zusammen dann Humanitäre Hilfe. Was für ein missbrauchter Begriff in diesem Zusammenhang.

Ja, Deutschland hilft. Mit einem sogenannten Aufnahmeprogramm. Das geht dann so bürokratisch wie möglich: http://www.proasyl.de/de/home/syrien/

Flüchtlingshilfe, wie Deutschland sie versteht. Ganz konkret sieht das dann so aus: http://tinyurl.com/k3wbk6u

Das ist nichts weiter als ein Flüchtlingsabschreckungspogrom. Freudscher Verschreiber: -programm. Keine Entschuldigung.
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Und jetzt kommt der Winter. Und mit dem Winter kommt der Tod. Dann können wir wieder unsere alten Lumpen bei der Kleidersammlung für Syrien abgeben.
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Wir sind ein reiches Land. Unsere Politiker sind da immer sehr stolz drauf. Das ist also  mindeste, was wir tun können:
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Mehr Flüchtlinge aus Syrien ohne diese bürokratische Bedingungen, die darauf abzielen, dass die Menschen verhungert, verseucht, oder ermordet sind, bevor sie überhaupt und eventuell bei uns ankommen dürfen.  Einfach aufnehmen!
Verdammt noch mal, hier gibt es dermassen viel überdachten, ungenutzten Raum, die Läden sind voll mit Lebensmitteln, die Spendentöpfe sind angeblich voller Kohle, die nicht abgeholt wird. Also wo ist das Problem? 
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Und was kann jeder Einzelne tun? Keine Angst haben. Offen sein für Menschen, die in Not sind. Auf sie zugehen, wenn sie da sind. Die sind gar nicht so anders. Wir sind alle anders. Keine Ghettos bilden. Alle rechten Arschlöcher in der Wüste aussetzen. Und HIER kann man halbwegs bedenkenlos Spenden. Das ist das Mindeste.
Notwendige Abschweifung zum Schluss
Ich habe das ‚eine Polemik‘ genannt. Es ist natürlich genau so sehr eine Empörung. Und ein Abbild meiner wütenden Hilflosigkeit ob all der Heuchelei. Das musste dringend raus. Es tut mir nicht leid.
Schluss
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