Schlagwort-Archive: Blues

Power of the Blues – B.B. King ist nicht tot

„What legacy would you like to leave? What would you like people to say about you when you’re gone?

About me? I tried. I’d like for them to think that I tried, because I did. I don’t feel that no big stone should be put over my head, saying he did this, he did that. Unless there’s something that I really did do. I believe I’m just ordinary. And I’d like for people to think of me that way, as just a guy that tried. Wanted to be loved by other people because he loved people. And he’s an ordinary guy that’s not here with us any more.“

B.B. King in einem Interview mit dem Rolling Stone Autor Brian Hiatt im Jahr 2008
Das ganze Interview kann man HIER lesen,

 

Komisch, vor 8 Tagen habe ich am Ende meines Posts Song of the Day – B.B. King: The Thrill is Gone geschrieben:

„Es steht also zu befürchten, dass er seinen 90sten nicht mehr erlebt. Aber erhoffen darf man sich das doch – jedenfalls wünsche ich ihm Gute Besserung und auf jeden Fall keine Quälerei zum Ende.“

Und nun ist er zwei Tage später doch gestorben, immerhin zu Hause und hoffentlich so friedlich wie möglich. Aber natürlich ist er nicht tot, denn in seiner Musik lebt er ja weiter, und das ist immerhin tröstlich.

Ich will hier keinen Nachruf oder sowas schreiben, da gibt es in den Blogs und auf den Online-Portalen der Zeitschriften einige sehr gute und ich muss meinen Senf nicht auch noch dazu geben – statt dessen werde ich die aus meiner Sicht  interessantesten, informativsten und am wenigsten klischeebehafteten Posts und Artikel unten verlinken.

 

Von mir nur noch ein paar persönliche Anmerkungen
Was mich immer am meisten an B.B.King berührt hat, war natürlich dieser einzigartige, unverkennbare Gitarrenton, seine raue und doch verdammt soulfulle Bluesstimme – und vor allem diese ungeheure Kraft, die er mit seiner Musik rüberbrachte.
BBKingInLondonDeshalb auch hier der Titel des Posts, der sich natürlich auch auf einen gleichnamigen Song bezieht, den B.B. King auf einen meiner beiden B.B. King all time favourite Alben, nämlich B.B. King in London zusammen mit Pete Wingfield, dem Autoren des Songs und einer Menge illustrer Musiker, wie Alexis Korner, Peter Green, Klaus Voorman, Ringo Starr, Steve Marriott sowie mit einer mächtigen Horn Section um Bobby Keys, Jim Price, Chuck Findley und anderen aufgenommen hat.
Dieses Album ist vielleicht eines der am wenigsten King-typischen, es wurde bei seinem Erscheinen sehr ambivalent aufgenommen und es sind sehr unterschiedliche Songs darauf, von denen nur einer, Ghetto Woman, aus B.B.’s eigener Feder stammt. Ich mag gerade die Vielfältigkeit, die ungeheure Musikalität, die hier von allen Musikern ausgestrahlt wird – und dann am Ende natürlich, dass es trotz aller Vielfalt eine richtige B.B. King-Platte ist, die er mit seiner Stimme und seiner Lucille zusammenhält.
Ihr könnt hier unten nun leider nicht den Song Power of the Blues hören, den habe ich auf Youtube nicht gefunden, aber der  Song der diese Platte einleitet, das gute alte Caldonia habe  ich in einer sehr kraftvollen Version gefunden. Mit einer ungeheuren kraftvollen, bläserlastigen Version dieses Stückes hat er übrigens das von mir im ersten Post beschriebene Konzert im Hammersmith Odeon in London eröffnet. Danach tanzte der ganze Saal auf den runtergekommenen Samtklappsitzen und hörte bis Konzertende nicht mehr auf:

HIER kann man übrigens in alle Titel von In London zumindest mal reinhören.

 

BBKing_LiveAtTheRegalDas andere Album, was ich gerne noch erwähnen möchte, weil es mich nun schon so lange begleitet, ist das 1964 aufgenommene Live at the Regal in Chicago. Auch hier spürt man die ungeheure Kraft dieser Musik und HIER kann man für ein paar Takte reinhören. Es beginnt mit dem programmatischen Every Day I Have the Blues von Memphis Slim:

 

So, von mir gibt es hier jetzt nix mehr, bloss wie versprochen noc die Links.

 

DIE LINKS

Auf M7 von Gerhard Mersmann findet sich einer der besten Beiträge, weil nicht nur lobhudelnden:
https://form7.wordpress.com/2015/05/15/der-konig-geht-der-konig-lebt/

Auf Freiraum von Stefan Haase findet sich ein knackig-kurzer, doch sehr  informativer und mit sehr vielen weiterführenden Links versehener Artikel, auf Deutsch und Englisch:
https://stefanhaase.wordpress.com/2015/05/15/b-b-king/

Im amerikanischen Rolling Stone wurde 2008 das oben schon erwähnte Interview mit B.B. King unter dem Titel B.B. King: How I Got My Sound veröffentlich – und anlässlich seines Todes auf der RS-Website noch einmal online veröffentlicht:
http://www.rollingstone.com/music/features/b-b-king-how-i-got-my-sound-20150515

Natürlich hat auch der deutsche Rolling Stone sein Artikelchef beigetragen:
http://www.rollingstone.de/der-botschafter-des-blues-zum-tod-von-b-b-king-762429/ 

Auch im Freitag gab es einen knackigen, leicht melancholischen Nachruf inkl. The Thrill is Gone performed von B.B.King zusammen mit Tracy Chapman:
http://www.rollingstone.de/der-botschafter-des-blues-zum-tod-von-b-b-king-762429/

Und natürlich hat auch die Zeit sich des toten Blues-Mannes angenommen, und zwar unter dem schönen Titel Bye-bye, Lucille:
http://www.zeit.de/kultur/musik/2015-05/b-b-king-blues-nachruf

Last not least noch der Artikel aus Spiegel online:
http://www.spiegel.de/kultur/musik/b-b-king-gestorben-nachruf-zum-tode-des-blues-boy-a-1033832.html

 

 

Song of the day – B.B. King: The Thrill is gone

800px-B.B._King_in_2009

B.B,. King & Lucille

Photography by Tom Beetz
[CC BY 2.0(http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D
via Wikimedia Commons

Ist natürlich völliger Quatsch. Der Mann wird zwar im September, wenn wir alle Glück haben, 90 Jahre alt, aber sobald er auf der Bühne sein Stühlchen erreicht hat  und seine Lucille im Arm hält, sind sie alle wieder da, diese perlenden Töne, von denen Mark Knopfler auch heute  noch träumt. Und ich mag Mark Knopflers Gitarrenspiel wirklich sehr.

Wie komm ich jetzt überhaupt darauf? Also, das ist Stefan von Freiraum schuld, der gestern ein wunderbares Regenwaldfoto gepostet, den Beitrag treffend ‚Come Rain‘ genannt und dazu auch noch einen YouTube-Link zu Come Rain or Come Shine gesungen von Ray Charles zur musikalischen Untermalung des Bildes gesetzt hat. Wunderschön.

Und  natürlich habe ich dann noch ein bisschen weiter geschaut und bin schliesslich im Madison Square Garden im Jahre 2009 gelandet. Da kommt der dicke alte Mann mit seiner bunten Glitzerjacke  auf die Bühne gewackelt, setzt sich hin, sagt ein paar Worte zu Stevie Wonder – und lässt seine  Lucille sprechen, einfach zum Wegschmelzen:

Stevie Wonder & B.B. King: October 29 and 30, 2009 Rock & Roll Hall of Fame 25th Anniversary Concert Madison Square Garden, New York

B.B. und Lucille begleiten mich seit den 70er Jahren – es war unser Englisch-LK-Lehrer, der mich und ein paar andere Musikfreaks 1977 auf unserer Abi-Abschlussfahrt nach London in mein erstes B.B. King-Konzert mitnahm. Ins legendäre Hammersmith Odeon in London, Hammersmith (sic!).  Und das war und ist  bis heute eines der schönsten Konzerte, das ich in meinem ganzen Leben besucht habe (ok, Springsteen…), und das waren eine Menge. So eine Lebenslust, so eine treibende, lebendige Musik, dieser Blues, diese Lucille, diese Stimme.

Und diese ganzen, mit der Zeit völlig entrückten, entzückten schwarzen Menschen um uns rum. In diesem Konzert habe ich auch zum ersten Mal erlebt, wie es ist, anders zu sein, als fast alle anderen. Und doch waren wir alle so angekommen, so gemeinsam zu Hause  in dieser Musik. Wir waren einfach ein Teil dieses unglaublich fröhlichen, beglückten Publikums.

Und das Tolle war, als nach dem Konzert die Lichter wieder angingen, war der Zauber noch lange nicht verflogen, wie das häufig nach Konzerten passiert. Nein, alle haben sich irgendwie beseelt angegrinst und alles war für einen Moment gut.   B.B. und Lucille und die Band hatte an diesem Abend wohl so eine Art Glücklichmacher-Gen…

Manchmal stelle ich  mir vor, alle Welt, die ganze zerstrittene Menschheit, würde genau heute Abend gemeinsam genau so ein Konzert erleben. Danach würde es allen wie Schuppen aus den Augen fallen, was wir hier für eine Grottenscheisse miteinander treiben – und alles wäre endlich gut.

Na ja, so ist es leider nicht – und nun geht es dem Blues Boy derzeit leider nicht so gut, er hat Diabetes und angeblich im April einen leichten Herzinfarkt gehabt. Es steht also zu befürchten, dass er seinen 90sten nicht mehr erlebt. Aber erhoffen darf man sich das doch – jedenfalls wünsche ich ihm Gute Besserung und auf jeden Fall keine Quälerei zum Ende. Sein Testament hat er jedenfalls schon mal gemacht – und sich damit selber widerlegt: The Thrill is Gone – von wegen!