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Strietzeliana II

Liebe Gemeinde,

nach langer Durststrecke gibt es heute endlich mal wieder was neues aus Strietzel. Dabei hatte ich mir ja fest vorgenommen, nach dem Vorbild unserer besten aller Elfenfreundinnen, einen kleinen Ostsee/Schlei/Maasholm-Urlaubsblog schreiben.

Nun ja, es wurde dann für meine deutlich bessere Hälfte (dbH) und mich aus den zumindest manchen von Euch bekannten Gründen eher eine Art Urlaubs-Block.

Der Fussballer an sich würde wohl von einem wahren Seuchenjahr sprechen oder um es mit  Andreas Brehme, dem letzten großen deutschen Linksverteidiger vor Marcel Schmelzer zu sagen: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

Na gut, bei uns betraf und betrifft es leider andere Körperteile – und das soll es jetzt auch zu diesem Thema gewesen sein. Denn andererseits können wir uns immerhin glücklich schätzen, dass wir, auch wenn wir einigermaßen lädiert daherkommen, ein wunderbares Zuhause haben, das die Seele schon mal ganz schön trösten kann.

Ganz abgesehen von all unseren wunderbaren Freunden, die in letzter Zeit immer dann da waren, wenn wir sie gebraucht haben. Euch allen ein riesiges Dankeschön – und nun möchte der Trainer möchte hier eigentlich keinen aus der Mannschaft besonders herausstellen, aber es muss sein: Liebe Elfen, soviel Danke kann man gar nicht sagen, wie nötig wäre, Ihr seid die besten Elfen aller Zeiten!

Aber nun mal zu den Strietzeliana: Heute morgen bin ich mit unserer Hündin mal wieder unseren Lieblingsfeldwegspaziergang am Ende von Uckerath gelaufen. Da wir für unsere Verhältnisse – dank der winterlichen Zeitumstellung – recht früh unterwegs waren, war es nach einer Nacht mit Minusgraden noch recht frisch, fetter Nebel lag über den Feldern und der angrenzende Wald war fast gar nicht zu sehen. Die Hündin fand es irgendwie anders als sonst und schaute sich immer mal besorgt zu mir um, bis plötzlich der Nebel durchbrochen wurde (naja, die strahlende Sonne hat sich wohl endlich durch den Nebel gekämpft) und vor uns rechts vom Weg eine Herde Kühe auftauchte. Doll, so eine Kuhherde, die aus dem Nebel auftaucht, und dann war für die Hündin auch alles wieder in Ordnung. Mir fiel dazu ein kleines Haiku (remember Haiku?) ein:

UCKERATH
Nebel überm Feld
Kuhherde taucht plötzlich auf
Alles wieder gut

Ok, ist nix dolles, aber ein Haiku muss schon sein. Jedenfalls war es ein schöner Spaziergang bei letztlich dann srahlendem Sonnenschein und sonnigen  -1 Grad.

Überhaupt haben wir jetzt so eine Mischung aus Herbst, Sommer und Winter, wobei grade im Moment der Winter zu gewinnen scheint und wir es uns heute schön gemütlich gemacht haben. Nein, es gibt keine Klimaveränderung.

Jedenfalls hier jetzt ein paar Bilder, damit Ihr seht, wie wunderschön wir es hier im Strietzelort haben:

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WAS VOM SOMMER ÜBRIGBLIEB

kümmerliche Tomatenerntereste 2012

a nackerte Terassen

letzte Liegestühle vor dem Winter

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WAS WIR IN STRIETZEL SO ALLES HABEN

unsere Meise, ja natürlich, ne Meise haben wir auch,

unsere Schafe


und noch mehr Schafe

Nachbars Pferde

einen kleinen Igel im Garten

der auch schon mal auf Entdeckungstour geht

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unseren Professor Clown

und natürlich unseren kleinen Schutzengel..

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WAS DER HERBST SO MIT SICH BRINGT
nämlich ne ganze Menge, zum Beispiel sonnige Herbstspaziergänge

India macht nen Herbstspaziergang

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und muss schon mal auf die lahmen Menschen warten

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oder vor der Bank mit unserem Lieblingsbaum

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und weil es so schön ist hier der Lieblingsbaum mit Indian Summer-Wald im Hintergrund.

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Manchmal geht man Zapfen sammeln

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und mach fette Zapfenbeute.

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und macht danach Rast, na wo? Unterm Lieblingsbaum natürlich!

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.ABER DANN KOMMT NATÜRLICH DAS SCHÖNSTE AN HERBST UND WINTER

zum Beispiel heute, bei vier Grad in der Sonne, ok, wenn man es nicht weiß…  aber das Bild musste einfach sein

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Der Kamin wird angemacht..

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Herr Karlsson nimmt seine Tätigkeit auf

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Iris bäckt lecker Birnentarte

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und dann gibt es Birnentarte mit Tee für die dbH und

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Birnentarte mit Kaffee aus dem großen Becher für den alten Kai, lecker! Auch wenn man sich das Ding hier mit nem Eichhorn teilen muss…

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Tja, da hat er gut lachen, der Blogautor mit der neuen Brille und den alten Zähnen (ich hab es versucht, aber ich hab meine Zähne auch mit Photoshop nicht schöner hingekriegt).

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Ach kuck, da kommt noch eine Nachzüglerin, die musste uns noch ein Ei zum Frühstück legt.

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So ist das also grade hier in unserem Strietzelort. Nächstes Mal werd ich Euch wieder was anderes erzählen – vielleicht über meine derzeitige Bettlektüre, die Biografie von Salman Rushdie. Ein irres Buch über ein irrsinniges Leben. Na, schaun mer mal. Und ganz bestimmt müsst Ihr auch wieder ein Haiku ertragen…

Bis dahin grüsst Euch die ganze Strietzelbagage und ganz besonders der einarmige, alte Kai..

ach ja, genau, das hat der Herbst ja auch noch mitgebracht, na hätte gar nicht sein müssen

Haiku-Manie oder: Japaner in Köln

So, liebe Leute, jetzt hat sich aus meinem Post Gedicht des Tages. und dem letzten eine wahre Haiku-Manie ergeben, an der sich über diesen und den Freundesblog Elke, Sandra, meine dbH und ich sich beteiligt haben.

Ich will hier mal kurz zusammenstellen, was dabei alles rausgekommen ist. Also ich find es toll, weil diese japanische Gedichtform einen einfach zwingt, sich komprimiert auszudrücken (was nicht wirklich meine Stärke ist, weshalb meine Haikus auch nicht die dollsten sind).

Also hier die gesammelten Werke – und damit fing alles an:

Ron Padgett
That
was fast.
I mean life.

First: five syllables
Second: seven syllables
Third: five syllables

Dann sozusagen ein historisches Original: 

Matsuo Basho (japan. Dichter, 15. Jh)
Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein
Oh! Das Geräusch des Wassers.

und die viel schönere Variante dazu:

Uralter Teich.
Ein Frosch springt hinein.
Plop.

Und jetzt  das gesammelte Schaffen von

Iris (dbH)
Herzen flattern wild
wie Deine Haare im Wind
Defilibrator.

strahlendes Leben
tief atmendes Sonnenlicht
fata morgana

Sandra
Der Wald ist dunkel.
Die Vögel zwischern leise –
fliegen zu Dir hin.

Schafsköttelkicken
über den Deich nach Dangast
Rhabarberkuchen
das ist einfach großartig, finde ich

Elfenreisen-Blog.
Die Spinnen weben ihr Netz.
Elfen haben keins.

Hautgeprickel zart.
Elfenflügel flattern wild
am Jadebusen.

Elke
Schwitzende Leiber
wandeln zum Waldsee:
nicht alle Elfen schwimmen.

Kai
Doppelter brechreiz
Rente wirtschaft fdp
Prolliberale

sommer sogenannter
tomatensonnensehnen
ganz schlechte ernte

küchenwasserhahn
tropftundtropftundtropftundtropft
nervensäge

Tag voller Wunder
mit Brötchen frisch auf den Tisch
aber ohne Mückenstich

und zum Schuss noch ein trauriges Tanka von mir, weil eine befreundete Hündin vorgestern gestorben ist:

Jojo träumt nicht mehr
schüchterne Hundeseele
jetzt träumt sie wieder

Trost, Freunde, gibt‘s da keinen
wisst: Ihr hattet ein Leben

 

Ich finde, das ist eine ganz ansehnliche Ausbeute – und ich bin nach wie vor fasziniert von dieser Form und was man mit Worten alles machen kann.

Beim simmelieren darüber  hab ich mich gestern an eine Situation aus der Mitte der 80er Jahre erinnert, die mir in Köln am Bahnhof passiert ist, als ich da an der legendären Rievkoochebuud (selig) einen ebensolchen verzehrte. Ach ja, und die große weisse Treppe war da noch nicht da.

Ich hab das damals aufgeschrieben und setze das jetzt einfach mal so hier hin – weil es sich um  ein quasi japanisches Erlebnis handelte (oho, da kommt er endlich, der Zusammenhang, ein bisschen weit hergeholt aber macht nix).

 

Japanisches Reisebild

Zwei Japaner auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln, beide mit Kameras behängt. Bleiben stehen, etwa in der Mitte der Linie zwischen Bahnhofsbuchhandlung und Rievkoochebuud.

Der eine geht zu der Bude und holt eine Portion Reibekuchen, kommt wieder zurück und egt die Reibekuchen auf irgendeinen Pfeiler, der da steht. Kurzes japanisches Palaver, dann nimmt der eine seinen Fotoapparat in beide Hände und stellt sich hin mit Blickrichtung Dom und darunterliegender Tiefgarageneinfahrt.

Der andere hat sich in der Zeit völlig unnötigerweise die Haare mit den Händen noch ein bisschen mehr an den Kopf geklatscht. Er nimmt jetzt die Reibekuchen, stellt sich mit dem Rücken zu Dom, Rievkoochebuud, Tiefgarage und darüber liegender Domplatte – geht weisungsgemäß noch ein paar Schritte zurück, damit das ganze Ensemble auch schön aufs Bild kommt – und hält dann die Reibekuchen und sein freundlichstes Grinsen in die Kamera. Danach ein kurzes, surrendes Geräusch, zur Sicherheit noch ein zweites und das Bild ist fertig.

Gleich drauf das Ganze umgekehrt, der andere Typ bekommt die Reibekuchen, stellt sich mit dem Rücken zur Köln-Staffage und gleich sind wieder zwei Bilder mit Japaner, Grinsen, Reibekuchen, Rievkoochebuud, Tiefgarage, Domplatte und Dom fertig.

Danach werden die Reibekuchen in den nächsten Mülleimer geworfen, wiederum kurzes japanisches Palaver und beide gehen ab.

Der Beobachter folgt auffällig und sieht, wie die beiden in die nahegelegene McDonalds-Speisegaststätte verschwinden. Der Beobachter läuft dabei gegen einen Laternenpfahl und sinkt weich auf den mit Pappbechern gepflasterten Gehsteig. So also, denkt er, sieht der Japaner die heilige Stadt Köln.

 

Jau, das war es für heute, beim nächsten Mal vielleicht mehr aus dem Fundus, mit Haiku ist jetzt jedenfalls erstmal Schluss, vielleicht.

Sagt der alte FastFoodKai

Haiku oder Heiko? Tanka!

Auch, wenn es mir so schien, dass mit meinem letzten Blog-Beitrag nicht allzuviele meiner wenigen Lesern etwas anfangen konnten möchte ich das Thema doch nochmal aufgreifen – insbesondere, weil eine Elfe den Hüter des Blogs und seine deutlich bessere Hälfte  mit humorigem Hintersinn ernsthaft nachfragen ließ, ob wohl der Heiko aus Ihrer Klasse gemeint sein könnte.

Zur Erinnerung: es ging im letzten Post um ein Buch von Siri Hustvedt (Sommer ohne Männer, hab es jetzt zu Ende gelesen, großartiges Buch, das zum Ende hin immer besser wird) und um ein kleines Gedicht über Leben und Tod, das formal ein quasi in der Form gebrochenes Haiku ist.

Ich schreib es hier im Original nochmal hin und dann versuche ich kurz zu erklären, was es mit dem Haiku auf sich hat:

That
was fast.
I mean life.
(Ron Padgett)

Also in Kürze: Haiku ist eine alte japanische Gedichtform aus dem 13. Jahrhundert, die formal aus 17 Silben, eigentlich Lauteinheiten (jap.: Moren) besteht und traditionell versucht, einen Gegenstand der Natur oder auch Gedanken oder erlebte Augenblicke  zu beschreiben, ohne dabei Gefühle zu benennen. Im japanischen werden die 17 Silben oft einfach hintereinander geschrieben (und ein Zeichen ist meist eine Silbe), deutsche und amerikanische Lyriker machen aus dieser Form meist 3-Zeiler (5-7-5 Lauteinheiten, was i.d.R. Silben sind) – oft aber auch ganz frei, d.h., die Form wird aufgebrochen und verändert. Das steht alles viel besser beschrieben hier und es lohnt sich wirklich, das mal nachzulesen.

Eine andere schöne Seite ist Haiku heute und dort gibt es auch ein paar weitere Haiku-Beispiele. Eines der berühmtesten japanischen Haikus ist von Matsuo Basho (15. Jahrhundert), und das geht in der Übersetzung so:

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

Die Variante geht so:

Uralter Teich.
Ein Frosch springt hinein.
Plop.

Mir gefällt die zweite Version besser. Haiku-Schreiber nennt man im japanischen Haijin – und seit kurzem gibt es eine vielversprechende Haijin hier in Striezel. Es ist niemand anderes als meine deutlich bessere Hälfte (im folgenden stets ‚dbH‘). Sie hat mir heute ein ganz tolles Haiku geschenkt und das kommt hier:

Herzen flattern wild
wie Deine Haare im Wind
Defilibrator.

Es kann sein, dass wir zu viele Arztserien ansehen, in denen sehr häufig Sätze wie diese fallen: ‚Schnell, beeilt Euch, er geht mir gleich vom Tisch‘ oder, noch Haiku-näher: ‚Achtung! Weg vom Tisch‘ und dann ein paar Sekunden ein erleichtertes ‚Er ist wieder da‘.

So, und nicht dass Ihr denkt, nun hat er’s aber endlich, nein, nun kommt noch das Tanka aus dem Titel. TANKA ist nämlich der große Bruder vom Haiku (liebe Elfe, schau Dich bitte grad mal retrospektiv in Deiner Klasse um, gab es da auch einen Tankwart?), d.h. das ist die deutlich ältere Gedichtform und in der Form ist das ein 5-zeiliges Gedicht mit der Silbenfolge 5-7-5-7-7. Da will ich mich jetzt nicht weiter drüber auslassen, obwohl ich das alles ausgesprochen interessant finde, aber auch dazu gibt es einen ganz guten Artikel im  Scheinbar-Alles-Wisser .

Es gibt übrigens einen sehr schönen Band von F.C. Delius, der heißt Japanische Rolltreppen – Tanka Gedichte, ist leider vergriffen und hat nichts zu tun mit dieser sprechenden japanischen Rolltreppe obwohl, man weiß es nicht…

Jedenfalls, ein schönes Beispiel aus diesem Buch ist dieses hier:

Eilig hier eine
Sekunde ersparen, dort
eine Minute.
Sie dreht, sie dreht sich, die Welt!
Bleib stehen, fühle den Schwung!

Ich hab es heute schon den Elfen in einen Kommentar geschrieben – und seitdem ist es nicht schlechter geworden.

Notwendige Abschweifung I
UND JETZT denkt Ihr Euch wahrscheinlich, warum das alles bloß? Nu, als ich diesen Blog angefangen habe, war meine Idee, über Musik, Poesie und Politik zu schreiben, daher der Untertitel. Aber da gab es ja auch noch keine Strietzeliana und der gekotzte Hund war auch noch ziemlich außer Reichweite.
Stattdessen habe ich mich damals ständig über irgendwelchen politischen Mist aufgeregt und wollte den Blog unter anderem als Ventil dafür benutzen.  Hab ich ja auch gemacht in den ersten beiden Artikeln. Aber dann fand ich das irgendwie zu aufregend, oder besser gesagt, beim Schreiben hab ich mich immer noch mehr über diese geballte Blödheit aufgeregt und es gab gar keinen Ventileffekt, sondern das Gegenteil.
Und statt dann eben über Musik oder Literatur oder sonst was zu schreiben, hab ich es ganz gelassen. Und gelassen scheint nun das entscheidende Adjektiv gewesen zu sein. Denn offensichtlich hat mich (und ich glaube auch, meine dbH) eine gewisse Gelassenheit erfasst, seit wir weg sind von unserer geliebten Bonner Südstadt und hier auf diesem wenig platten Land wohnen. Das kommt wohl durch die grössere Ruhe hier – wenn wir raus gehen, gibt es keinen Slalomlauf zwischen parkenden und fahrenden Autos mehr, kaum 50 Meter weiter können wir schon richtig in die Landschaft schauen usw.
Ja mei, und genau deshalb wird es auch in Zukunft sicher noch den ein oder anderen Post geben, der sich mit unverständlichen Dingen beschäftigt, die mir wichtig sind.

Notwendige (klitzekleine) Abschweifung II
Das Thema Zeit – Tod – Vergänglichkeit, was ja nun in That was fast. I mean life. so ziemlich drin steckt hab ich auch noch nicht vergessen, da kommt sicher noch das eine oder andere. Man wird ja schließlich alt und älter.

Puh, jetzt ist es aber gut, Ihr habt es mal wieder geschafft, FALLS Ihr es bis hierher geschafft habt.

Pötische Grüsse sendet der alte Haiku-Kai – der sich morgen wieder auf einen lustigen Blog aus Ostfriesland freut, vielleicht mit einem kleinen Torten-Tanka oder einem Wlan-Haiku