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Gedicht des Tages oder: Siri Hustvedt lesen

Nach dem Song des Tages ist das zugegebenermaßen nicht sonderlich originell – aber nun ist mir halt heute ein Gedicht über den Weg gelaufen, was mir gut gefallen hat. Abgesehen davon hab ich den Blog ja vor ein paar Jahren nach einem Gedicht, eigentlich ja sogar nach zweien, benannt, also ist das schon ok.

Notwendige Abschweifung
Also, ich lese gerade ein Buch von Siri Hustvedt mit dem Titel Der Sommer ohne Männer . Übrigens ein sehr gutes Buch, wie ich finde, in dem es um eine Frau geht, deren Ehemann eine ‚Pause‘ von ihrer Ehe möchte – und diese kleine Pause sich dann natürlich als eine andere, jüngere Frau herausstellt (mehr Klischees gibt es dann aber auch nicht mehr), eine Französin, jünger und ‚mit signifikantem Busen‘. Mia, so heißt die Protagonistin, eine New Yorker Schriftstellerin wie Siri Hustevedt selber, bekommt eine psychotische Störung, was in diesem Falle bedeutet, „dass man verrückt ist, aber nur vorübergehend“ – jedenfalls verbringt sie eine kurze Zeit in einer psychiatrischen Klinik und beschließt dann, den anstehenden Sommer in der Nähe Ihrer 90-jährigen Mutter und einer nicht jüngeren Tante zu verbringen. Die leben in einem Altersheim in dem fiktiven Kaff Bonden in Minnesota und freuen sich über die Abwechslung durch die Unterhaltung mit einer noch in der Welt lebenden dreissig Jahre jüngeren.
Mias Tage bringt sie alleine, sinnierend über ihre Ehe, ihren Schmerz und ihre Liebe, zusammen mit den Fünf Schwänen genannten Freundinnen im Altersheim, darunter ihre Mutter .
– und schliesslich gibt sie an der örtlichen Schule als ‚Prominente Autorin‘ einen Lyrikkurs, an dem sechs schwerstpubertierende amerikanische Landmädels teilnehmen.
Das sind die drei Ebenen dieses Romans – und das ist natürlich nur eine sehr unzulängliche Beschreibung dieses Buches, zumal ich ja auch erst auf Seite 159 (von 300) bin. Wer mehr wisen möchte, klickt am besten mal HIER und liest nach über dieses wirklich sehr lesenswerte Buch.

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So, und nun komme ich endlich zum Grund für den ersten Teil der Überschrift, nämlich dem Gedicht des Tages. Das hab ich in eben dem Buch von Siri Hustvedt gefunden, die es in der Lyrikrunde mit den schon genanten Fünf Schwänen vorträgt. Es ist von RON PADGETT, einem  amerikanischen Dichter, den ich nicht kannte, den ich aber jetzt kennenlernen werde, ich bin ganz sicher.
Das Gedicht ist eine ironisierte Form eines Haiku und lautet

That

Was fast.
I mean life.

Das hat der Übersetzer Nikolaus Stingl so ins Deutsche übertragen

Das ging aber schnell
ich meine
das Leben

Tja, darüber kann man sehr lachen, mir ging es jedenfalls spontan so – aber je älter man wird, und je mehr man sich seiner Sterblichkeit bewusst wird, desto ambivalenter wird das Ding.

Was soll ich sagen – ich hatte ja vor kurzem Geburtstag, wie sich die Eine oder der Andere meiner hochverehrten wenigen Leserinnen und Leser vielleicht noch erinnern. Und an diesem Tag werd ich in den letzten Jahren zuweilen immer so komisch traurig und fröhlich zugleich und denke so über mein komisches, schönes Leben nach und wie schnell das vorbei geht. Und daran musste ich denken, als ich heute dieses Gedicht gelesen habe. So, und nun seid Ihr dran mit Denken – oder eben auch nicht. Jedenfalls wird der Tod sicher auch noch ein Thema in diesem Blog, ich seh das schon.

Ach ja, und damit Ihr wisst, was ein Haiku eigentlich ist, das ist eine japanische Gedichtform, dessen ‚Regeln‘ sich am besten mit einem anderen Gedicht von Ron Padgett beschreiben lässt:

Haiku

First: five syllables
Second: seven syllables
Third: five syllables

So, genau so sollte ein Haiku sein. Und wenn Ihr jetzt Spass habt, dann zählt mal die Silben und habt im Kopf, dass sich in der Poesie und in der Literatur häufig die Frage manifestiert, was eigentlich Wirklichkeit ist und was Vorstellung – und vor allem, ob man das überhaupt trennen kann.

Und nun fragen sich manche von Euch sicher wieder, was will er uns damit sagen – aber das ist eben das Geheimnis!

Jetzt ist aber Schluss für heute, mal schauen, ob mir beim nächsten Mal noch mehr verwirrendes Zeux einfällt

sagt der alte Kai