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Strietzeliana I

Samstag Nachmitag, kurz vor vier im schönen Strietzeldorf. Beine hoch sitz ich auf der Terrasse in meinem Opa-Lehnstuhl mit  verstellbarer (!) Rückenlehne, lese den Kölner Staatsanzeiger, der hier natürlich zum Rhein-Sieg-Anzeiger mutiert ist,  mein Hund betet mich an (wegen des Apfels, den ich gerade esse)  und geniesse mein Dasein.

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Notwendige Abschweifung 1 (remember Abschweifung?)

Übrigens findet sich in der heutigen Ausgabe ein unglaubliches Interview mit Lothar Matthäus. Anlass ist eine Dokusoap über ihn, die anscheinend ab heute oder morgen beim Qualitätssender Vox ausgestrahlt wird und den Titel ‚Lothar – immer am Ball‘ trägt. Im Spiegel gab es da einen sehr hübschen Artikel, ich glaube, ich muss mir das unbedingt ansehen.

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Meine deutlich bessere Hälfte hat heute Vormittag den Rasen gemäht, mir blieb wie immer der ’schwierige‘ Teil hinterm Haus – und nun, als ob wir nicht genug Grünzeugs um uns rum hätten, ist sie in einem der vielen, gefährlichen Pflanzenmärkte – oder sagt man Center – der Umgebung abgetaucht. Ich hoffe ja, Sie bringt endlich mal diesen tollen Strandkorb für den Garten mit… Also ich meine, ich liebe das Grünzeugs, insbesondere, wenn es sich um Nutzgrünzeugs wie Kräuter oder Tomatenstauden handelt. Aber auch die Pflanzen für die Schönheit gefallen mir gut, es ist bei uns tatsächlich wie im Dschungel, also nein, wie in einem grünen Paradies. Oh je, hab ich das mit dem Grünzeugs jetzt wieder gerettet oder bekomm ich Ärger…

Na immerhin hab ich meine Tomaten gegossen, also erst Wasser holen

dann giessen

und die Kräuter

besprochen. – Man sieht das auch, denn sie sind innerhalb von Sekunden vor Glück und Zuwendung mehrereZentimeter gewachsen, ja manche, wie der Liebstöckel, haben uns zur Freude sogar Blüten gebildet.

Anyway, auch die Nachbarn sind  fleißig in den Gärten unterwegs, Rasen hat heute einfach keine Chance. Dafür lerne ich  wieder eine ganze Menge Dinge, die mich im Leben sicher weiterbringen.

Zum Beispiel kann ich inzwischen nicht nur Benzin- und Elektromäher am Geräusch unterscheiden (einfach), sondern auch, ob es ein billiger oder ein teurer Elektromäher ist. Der billigere ist eindeutig lauter. Und es ist unserer.

Dafür klingt so ein Benzinmäher ein bisschen sonorer im Ton, insbesondere, wenn es ein Teil ist, auf dem man sitzen kann. Mit diesen Dingern, die hier  ziemlich verbreitet sind, kann man auch so richtig Gas geben. Eine Tatsache, die gerne zu einem etwas motorradartigen Fahrstil bei den Piloten zu führen scheint, brrrrummm, brbrbrbrbrbrbrummmm…

Was hab ich heute noch gelernt: dass man anscheinend gerade die Hecken nicht schneiden darf, weil Brutzeit ist. Und wenn man mit dem Mäher an der Hecke vorbeifährt ist da tatsächlich ziemlich was los. Meine kluge Iris hat mich darüber natürlich sofort aufgeklärt. Blöd ist, dass manche Vögel sich anscheinend beim Nestbau in der Adresse irren. So haben wir in einem unserer Holzschuppen oben in der Ecke ein Amselnest gefunden.

Mehrere Eier liegen noch drin, aber kein Vogel lässt sich zum Brüten blicken. Die Eier kann man hier auf dem Foto aus Pietätsgründen natürlich nicht zu sehen. Es handelt sich hier ja schließlich um einen Trauerfall.

Jedenfalls: Man könnte meinen, bei den Tieren ist auch nicht alles in Butter, rein gesamtgesellschaftlich gesehen.

Nun ist ja heute auch das traditionelle strietzelianische Scheunenfest – mit DJ Wolfgang, einer vermutlich lokalen Grösse. Die Scheune, in der das stattfindet ist ca. 50 Meter Luftlinie von uns entfernt und gehört dem ausgesprochen netten Bauern des Dorfes.

Normalerweise hören wir immer die Kühe, wenn Sie danach rufen, gemolken zu werden. Das wird heute anders sein, da wird es die höllische Schürzenjäger-Musik geben und Schlager, von denen man eigentlich  gehofft hatte, dass sie endgültig vergessen worden sind. Auch bekannte aktuelle Hits gibt es, denen ein ungeheuer dominantes bumm bumm bumm bumm unterlegt wird.

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Notwendige Abschweifung 2

Habt Ihr schon mal in Köln abends auf den Ringen an einer Ampel gestanden, neben Euch so ein Dingensersatzauto, darinnen ungefähr vier von der Art Jungmänner mit gaaanz coolen Sonnenbrillen, denen man außerhalb des Autos vorsichtshalber eher nicht begegnen möchte? Aus diesen Autos kommt auch immer so ein bummbummbumm, so ein bummbummbumm ist das, was der DJ Wolfgang serviert .

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Und woher weiß ich jetzt schon, was der auflegt,  jetzt, am  Nachmittag, obwohl das Fest erst heute abend um acht anfängt? Na, weil auch der DJ Wolfgang üben muss. Das wusste ich nicht, dass DJs auch über müssen. Hartes Brot, das DJ-Brot. Also: wieder was gelernt.

Ja, so ist das in unserem Strietzeldorf – und nächste Woche spielen tatsächlich die echten Schürzenjäger im nächsten Ort. Open Air, das ist schön, denn die Akustik ist gut und wir werden das Konzert wie im letzten Jahr zu Hause auf der Terrasse geniessen können. Das sind übrigens ganz schön kernige Jungs, die Schnitzeljäger, war eben rein informationsmäßig auf der Jägerwebseite, hey Mann, da geht die bestimmt die Post ab.

Apropos, vor kurzem war hier in der Nähe ein Konzert von Achim Petry. Das ist der Sohn von Schweißband-Wolle. Und dessen Tour heißt ernsthaft ‚Der Wahnsinn geht weiter‘. Jau, das ist Wahnsinn…

So, das waren mal ein paar Eindrücke von unserem geliebten Landleben. Und mancher Eindruck könnte ein wenig trügen, denn ehrlich gesagt, es ist hier im Allgemeinen  wunderbar ruhig, wir geniessen es hier ganz heftig, sogar das im Garten wurschteln  – und wir sind auch schon mit einigen sehr netten Schafen, Kühen, Rehen, Hühnern und Nachbarn bekannt, auf die uns eigene, zurückhaltende Art.

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Notwendige Abschweifung 3

Eine wichtige Sache darf ich nicht vergessen zu erwähnen: tatsächlich habe ich heute einen Brief vom Axel Springer Verlag bekommen. DIN A 4, im bildzeitungsschlagzeilenroten Umschlag.

Darin ein Brief auf einem weißen 120 g-Papier, persönlich an mich gerichtet. Mit der Mitteilung, dass ich heute anlässlich des 60-jährigen Bild-Jubiläums KEINE Bildzeitung umsonst bekäme, wie die anderen 41 Millionen Haushalte in Deutschland – weil ich nämlich so böse war, mir das über eine eben dafür eingerichtete Webseite zu verbitten. Stattdessen jetzt der Brief. Unglaublich, dass die für so eine Mitteilung so einen Haufen Geld ausgeben und diese hässlichen roten Umschläge mit teuer Papier verschicken. Egal, der Brief kommt jedenfalls eingerahmt aufs Klo.

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Eigentlich wollte ich ja heute mal über Musik schrieben, na sowas ähnliches war ja immerhin auch dabei, aber über meine Musik gibt es das dann vielleicht nächstes Mal. Denn mit Musik geht alles besser – sagt der olle Kai, der Euch hier mal aus unserer Tomatenidylle

mit so einem bescheuerten Fussballklapperdingens zuklappert

und nun wisst Ihr auch schon, wie das heutige Abendprogramm aussieht.